EZB-Kauf von Staatsanleihen Das Billionenexperiment hat begonnen

Seit dem Vormittag kauft die Europäische Zentralbank Staatsanleihen für viele Milliarden Euro. Erste Folgen der Geldflut: Der Preis für solche Papiere steigt, Länder können sich günstiger finanzieren, der Euro fällt.
EZB in Frankfurt: Draghis Billionen-Euro-Experiment hat begonnen

EZB in Frankfurt: Draghis Billionen-Euro-Experiment hat begonnen

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Frankfurt am Main - Der Start des größten finanzpolitischen Experiments in der Geschichte des Euro zeigt an den Finanzmärkten Wirkung. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Vormittag damit begonnen, französische, niederländische und belgische Staatsanleihen zu kaufen. In der Folge steigen die Kurse vieler europäischer Anleihen, die Renditen fallen im Gegenzug weiter - von bereits niedrigem Niveau aus.

"Wir sind seit dem Vormittag am Markt aktiv", sagte ein Bundesbank-Sprecher, auch die EZB bestätigte den Beginn der Käufe. Die EZB will monatlich Staatsanleihen europäischer Staaten für 60 Milliarden Euro aufkaufen, bis Ende September 2016 sollen durch das sogenannte Quantitative Easing (QE) 1,14 Billionen Euro in die Finanzmärkte fließen. Das Programm soll die Wirtschaft im Euroraum beleben und die niedrige Inflation anheben.

An den Finanzmärkten hieß es, die EZB habe am Vormittag auch deutsche Staatsanleihen gekauft. Die Kurse von Bundesanleihen zogen daraufhin an, die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen fiel im Gegenzug um 0,03 Prozentpunkte auf 0,36 Prozent. Etwas stärker waren die Bewegungen in Belgien, Frankreich, Finnland, Österreich und den Niederlanden. Dort liegen die Renditen jedoch etwas höher als in Deutschland.

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Kritik am EZB-Vorgehen kommt vom Präsidenten des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn. Die EZB treibe mit dem Anleihekaufprogramm die Abwertung des Euro voran, die Begründung für die Aktion sei nur vorgeschoben, "denn es gibt keine Deflation im Euroland, sondern einen konjunkturell hochwillkommenen Absturz der Ölpreise", sagte Sinn. "Das kurbelt die Konjunktur an, aber muss doch nicht bekämpft werden."

Das Programm führe zu einer weiteren Abwertung des Euro. "Doch das darf die EZB nicht sagen, denn eine Wechselkurspolitik ist nicht ihr Auftrag", sagte Sinn. "Außerdem erleichtert das Programm den Staaten die Verschuldung mit der Druckerpresse, was verboten ist." Sinn erneuerte damit seine Kritik an dem EZB-Programm.

Ausschlaggebend sei nun die Frage, wie knapp Europas Staatsanleihen durch die Käufe würden, heißt es in einer Kurzstudie der Commerzbank: "Die Antwort auf diese Frage bestimmt, wie stark die Renditen in Europa durch das QE-Programm sinken und damit, wie sehr der Euro unter QE leiden wird."

Der Euro fiel am Montag bis auf 1,0824 Dollar und notierte damit so niedrig wie seit Anfang September 2003 nicht mehr. Im Tagesverlauf legte er allerdings wieder etwas zu.

Neben der ultralockeren Geldpolitik der EZB macht der Gemeinschaftswährung auch die Erwartung einer baldigen Zinserhöhung in den USA zu schaffen. Ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht hatte diese Spekulationen am Freitag befeuert. Die Aussicht auf eine Zinswende macht den Dollar als Anlagemöglichkeit zunehmend attraktiver.

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nck/dpa/Reuters