EZB-Konferenz Draghi will Deflation verhindern

Mario Draghi beschwichtigt die Märkte. Er will bei Bedarf ein Abgleiten der Euro-Zone in die Deflation verhindern - und scheut dafür auch nicht vor neuen Maßnahmen zurück.
Mario Draghi (Archivbild): "Falls nötig handeln"

Mario Draghi (Archivbild): "Falls nötig handeln"

Foto: FRANCOIS LENOIR/ REUTERS

Lissabon - Die Europäische Zentralbank (EZB) sorgt sich um die Stärke der Währung im Euro-Raum. EZB-Präsident Draghi hat deshalb nun angekündigt, bei Bedarf auf die Risiken niedriger Inflation zu reagieren.

"Wir werden uns nicht damit abfinden, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt", sagte Draghi auf einer Konferenz der EZB in Sintra nahe der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Zwar erwarte die Notenbank aktuell, dass die Teuerungsrate in der Euro-Zone auf mittlere Sicht wieder in Richtung der von ihr angestrebten zwei Prozent anziehe, kündigte der EZB-Präsident an.

"Es ist aber unsere Verantwortung, die Risiken für dieses Szenario zu sehen und uns darauf vorzubereiten, falls nötig zu handeln", fügte Draghi hinzu. Gegenwärtig liege das volle Augenmerk der Notenbanker darauf, ob es zu einer Abwärtsspirale fallender Preise, nachgebender Inflationserwartungen und einer weiter sinkenden Kreditdynamik in den von der Krise besonders hart getroffenen Ländern kommt.

"Gesamten Werkzeugkasten ausschöpfen"

Zum Auftakt der EZB-Konferenz hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die Notenbanken im Ringen um stabilere Finanzmärkte in die Pflicht genommen. Zentralbanken müssten ihren gesamten Werkzeugkasten ausschöpfen, sagte Lagarde am Sonntagabend laut ihrem Redetext. "Das meint nicht nur Geld- und Währungspolitik, sondern auch Regulatorik und Fiskalpolitik", präzisierte die IWF-Chefin.

Der IWF hatte Europas Währungshüter erst kürzlich zum erneuten Handeln gedrängt. Die seit einiger Zeit niedrigen Inflationsraten brächten Risiken für die konjunkturelle Erholung im Euro-Raum mit sich, hatte Lagarde festgestellt.

Die EZB entscheidet das nächste Mal bei ihrer Sitzung am 5. Juni über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. An den Finanzmärkten wird weithin erwartet, dass Draghi abermals die Zinsen senkt - mutmaßlich von 0,25 auf 0,15 Prozent - und erstmals auch Strafzinsen für Bankeinlagen bei der EZB erhebt. Der EZB-Chef hatte Anfang Mai bereits Spekulationen um ein baldiges Eingreifen der Zentralbank befeuert.

bos/dpa/Reuters
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