Wertpapierkäufe der Notenbank EZB lässt Corona-Notprogramm auslaufen

Die EZB verabschiedet sich im Frühjahr von ihrem billionenschweren Pandemie-Krisenprogramm. Beendet sind die Wertpapierkäufe der Notenbank damit aber nicht.
Europäische Zentralbank in Frankfurt: Kleineres Ankaufprogramm soll Marktturbulenzen verhindern

Europäische Zentralbank in Frankfurt: Kleineres Ankaufprogramm soll Marktturbulenzen verhindern

Foto: Boris Roessler / dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) beendet ihr in der Coronakrise aufgelegtes Notkaufprogramm für Anleihen Ende März. Das bedeutet, dass die Zentralbank ab April keine zusätzlichen Papiere mehr hinzukaufen wird. Fällige Tilgungsbeträge sollen jedoch noch bis mindestens Ende 2024 reinvestiert werden. Im kommenden ersten Quartal werden die Zukäufe noch fortgesetzt – allerdings in niedrigerem Tempo als Ende 2021.

Die Anleihenkäufe helfen Staaten wie Unternehmen: Diese müssen für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. Führende Vertreter der EZB hatten zuletzt bekräftigt, die Notenbank werde die Wirtschaft auch 2022 mit Anleihenkäufen unterstützen. Denn die Unsicherheiten für den wirtschaftlichen Ausblick haben angesichts der neuen Coronavirus-Variante Omikron wieder zugenommen.

Kritiker werfen der EZB vor, mit dem vielen billigen Geld die Inflation anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will. Die Notenbank strebt stabile Preise bei einer Teuerungsrate von etwa zwei Prozent an. Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor.

Streit über Inflation

Die schrittweise Abkehr vom Krisenmodus vollzieht sich auch vor dem Hintergrund rasant steigender Preise. Die Teuerung erreichte im November in der Eurozone ein Rekordniveau von 4,9 Prozent, in Deutschland lag die Inflation zuletzt gar bei 5,2 Prozent. Trotzdem gibt sich die EZB gelassen – und verweist beim sprunghaften Anstieg der Teuerung vor allem auf Sonderfaktoren wie die Entwicklung der Ölpreise, Lieferengpässe und die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung in Deutschland im zweiten Halbjahr 2020.

Der scheidende Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte dagegen wiederholt gemahnt, das Risiko einer zu hohen Inflation nicht zu unterschätzen. Die Geldpolitik solle »nicht zu lange an ihrem derzeit sehr expansiven Kurs festhalten«. Er hatte nun ein letztes Mal Gelegenheit, im EZB-Rat für seine Position zu werben: Er gibt sein Amt als Bundesbank-Präsident nach gut zehn Jahren zum 31. Dezember vorzeitig auf und scheidet damit auch aus dem höchsten EZB-Entscheidungsgremium aus.

Damit es mit dem nun angekündigten Entzug der auf 1,85 Billionen Euro angelegten Krisenhilfe im Frühjahr nicht zu Marktturbulenzen kommt, will die EZB mit dem neu justierten kleineren Ankaufprogramm namens APP einen Übergang schaffen: Die Ankäufe im Volumen von zuletzt 20 Milliarden Euro pro Monat werden im zweiten Quartal 2022 auf 40 Milliarden Euro verdoppelt, im dritten Quartal dann auf 30 Milliarden Euro zurückgefahren.

Ab Oktober kommenden Jahres soll das Ankauftempo dann auf 20 Milliarden Euro gesenkt und so lange beibehalten werden, wie es zur Förderung der Konjunktur notwendig ist. Dieses im EZB-Jargon als Asset Purchase Programme (APP) bekannte Instrument war bereits Mitte vorigen Jahrzehnts als Konjunkturstütze eingeführt worden.

Großbritannien wagt Zinswende

Den Leitzins von 0,0 Prozent beließ der EZB-Rat nun wie erwartet auf dem rekordniedrigen Niveau. Auch der Einlagesatz bleibt im Euroraum bei minus 0,5 Prozent. Die Banken müssen daher weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken.

Anders auf der anderen Seite des Ärmelkanals: Die britische Notenbank hat kurz vor dem EZB-Ratsbeschluss eine Zinswende eingeleitet – und ihren Leitzins erstmals in der Coronapandemie angehoben. Er steigt um 0,15 Prozentpunkte auf 0,25 Prozent, wie die Bank of England nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses in London mitteilte.

Analysten hatten mehrheitlich mit unveränderten Zinsen gerechnet. Allerdings waren sich die Fachleute nicht ganz sicher, wie sich die Bank of England verhält: Die Inflation im Königreich ist zwar hoch, was für steigende Zinsen spricht. Zugleich breitet sich Omikron in dem Land rapide aus und dämpft das Wirtschaftsgeschehen.

Das britische Pfund verzeichnete nach der Entscheidung deutliche Kursgewinne gegenüber Dollar und Euro. Britische Staatsanleihen gerieten hingegen unter Druck. Britische Aktien büßten einen Teil ihrer zuvor erzielten Gewinne ein.

apr/Reuters/dpa
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