Eurozone EZB lässt Leitzins auf Rekordtief

Die US-Notenbank hat vorgelegt - doch die EZB ist ihr nicht gefolgt: Der Leitzins im Euroraum bleibt unverändert bei null Prozent. Es dürfte nach Ansicht der Notenbank noch Jahre dauern, bis sie ihr Inflationsziel erreicht.
EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi

Foto: Arne Dedert/ dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihren Billiggeldkurs vorerst fort. Sie lässt den Leitzins im Euroraum unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent. Das teilte die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mit. Seit März 2016 liegt der zentrale Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen, bereits auf diesem Rekordtief.

Auch den Strafzins für Banken, wenn diese über Nacht überschüssige Liquidität bei der EZB parken, tastete die Notenbank nicht an. Der sogenannte Einlagensatz liegt weiter bei minus 0,4 Prozent. Im Gegensatz zur EZB hatte die amerikanische Notenbank Fed am Vorabend den Leitzins für die USA leicht erhöht.

Im Oktober hatten Europas Währungshüter ihre milliardenschweren Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen um neun Monate bis mindestens Ende September 2018 verlängert. Das monatliche Volumen wird von Januar an aber auf 30 Milliarden Euro halbiert. Beobachter werteten dies als Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.

Mit der vor allem in Deutschland umstrittenen ultralockeren Geldpolitik versucht die Notenbank seit Jahren, Konjunktur und Inflationanzuschieben. Mittelfristig strebt die EZB eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Im November lag die Jahresteuerung im Euroraum bei 1,5 Prozent. In Deutschland waren es 1,8 Prozent.

Volkswirte rechnen erst gegen Ende 2019 mit einem ersten Zinsschritt

Der Preisdruck im Euro-Raum sei weiterhin verhalten, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. "Ein großes Ausmaß an geldpolitischer Hilfe ist daher weiterhin notwendig." Unterstützung für diese Position erhielt der Italiener von den Volkswirten der EZB: Diese sagten für 2020 lediglich eine Inflation von 1,7 Prozent voraus. Damit würde die EZB auch in drei Jahren noch ihr Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent verfehlen.

Deutlich positiver äußerte sich der EZB-Chef zur Konjunktur im Euro-Raum. Die neusten Prognosen deuteten auf eine starke wirtschaftliche Expansion und eine erhebliche Verbesserung der Aussichten hin.

Sparer müssen sich weiter gedulden. Die EZB will den Leitzins erst dann anheben, wenn die Anleihekäufe schon längere Zeit beendet sind. Volkswirte rechnen gegen Ende 2019 mit einem ersten Zinsschritt.

Aus Deutschland kamen zum Kurs der EZB abermals kritische Stimmen: "Die extrem expansive Kombination von Nullzinsen und Anleihekäufen ist eine Notfallmaßnahme, für welche die Rechtfertigung abhandengekommen ist", sagte Friedrich Heinemann vom Wirtschaftsinstitut ZEW. Ähnlich äußerte sich auch der Chefvolkswirt der Landesbank LBBW, Uwe Burkert: "Es könnte gut sein, dass es in der Ära Draghi überhaupt keine Zinserhöhung geben wird." Draghis Amtszeit endet im Herbst 2019.

ssu/hej/dpa/Reuters
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