Sorge um Wirtschaft EZB lässt Leitzins bei null Prozent

Mario Draghi trotzt der massiven Kritik: Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrer Niedrigzinspolitik von null Prozent. Das umstrittene Anleihenkaufprogramm wird zunächst nicht verlängert.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)


Beobachter warnen seit Wochen vor den Verwerfungen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Noch hält die EZB aber daran fest. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbank-Geld besorgen können, bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Banken überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Das gewaltige Anleihekaufprogramm der EZB wird dagegen vorerst nicht verlängert. Die EZB steckt pro Monat 80 Milliarden Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere, insgesamt sollen es bis März 2017 1,74 Billionen Euro sein. Seit Juni stehen auch Firmenanleihen auf der Kaufliste der Zentralbank.

Viele Volkswirte hatten eine Verlängerung des Programms erwartet. Das billige Geld soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern. Langfristig niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, weil sie erwarten, dass es noch billiger wird.

Im August lag die jährliche Teuerungsrate im Euroraum gerade einmal bei 0,2 Prozent. Allerdings erklärt sich die Mini-Inflation zum Teil mit dem niedrigen Ölpreis. Dazukommt: Die Wirtschaft verdaute den Brexit-Schock besser als erwartet. Am 23. Juni hatten sich die Briten mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass ihr Land die Europäische Union verlässt. Der genaue Austrittsprozess ist noch offen.



insgesamt 22 Beiträge
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kraftmeier 08.09.2016
1. d.ruecker@t-online.de
gehört in die Wüste geschickt, ein Mann der bei diesem Unternehmen "Goldman Sachs Group" tätig war, hätte man wegen Nichteignung garnicht erst auf den Posten setzen dürfen. Der schafft das woran unsere Regierungen schon lange arbeiten, nämlich alles an die Wand zu fahren, nur wesentlich schneller.
marthaimschnee 08.09.2016
2. Warum auch anheben?
Der Leitzins ist die FOLGE der wirtschaftlichen Entwicklung, nicht deren URSACHE! Die Zinsen müssen nämlich erwirtschaftet werden, die fallen nicht von den Bäumen. Ein höherer Leitzins würde bedeuten, daß Unternehmen für Kredite mehr bezahlen müßten. Da sie aber derzeit schon keine aufnehmen, wenn sie nichts dafür zahlen, oder sogar Geld bekommen, wäre dies wohl ein klein wenig ... dämlich. Die EZB ist am Ende ihres Spielraumes angelangt, weniger geht nicht. Bewegen tut sich trotzdem nichts. Und da die Staaten auch lieber sparen, wird sich auch weiterhin nichts bewegen.
Badischer Revoluzzer 08.09.2016
3. Sie wollen uns das Bargeld nehmen.
Die treibenden Kräfte kommen alle ausnahmslos aus dem Hause Goldman Sachs. Die Zentralbankchefs sind für die Abschaffung des Bargeldes, weil die Flucht der Bürger vor den Negativzinsen unmöglich wird. Wohin also mit dem Geld. Bar abheben geht nicht mehr. Der Bürger wird it seinem Vermögen und durch sein Vermögen enteignet. Was bleibt den Menschen also? Es bleibt eine Parallelwährung. Ähnlich nach dem Krieg, da gab es Schwarzmärkte und die sogenannte Zigarettenwährung. Das wird natürlich unter Strafe gestellt werden. Die Menschen werden geknechtet. Der nächste Schritt ist der Volksaufstand. Auch das weiß die Politik, die EZB und Goldman Sachs. Deshalb wird heute schon unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung das Militär in Polizeiaufgaben eingearbeitet. So wird das aussehen.
goodbyegermany 08.09.2016
4. Helikopterheld
ist nur noch eine Frage der Zeit. Wenn es soweit ist, kauft sich jeder halbwegs gescheite Bürger davon Gold und ein bisschen silber und goodbye Euro Diktatur. Mich wundert nur, dass wir schon so viele Jahre überbrücken konnten. Reset voraus
schlauchschelle 08.09.2016
5. Quacksalberei
Draghi und Co kommen mir vor wie Wunderheiler, die versuchen, durch Säfte, Handauflegen und Beschwörungen Krebs zu heilen. Statt zu erkennen, dass die Medizin (Billigeld, Fluten der Märkte, Null- bzw. Negativzinsen) nicht wirkt, wird mehr und mehr von der Wundertinktur verabreicht, während der Patient langsam dahinsiecht. Wann begreift man es bei der EZB eigentlich: Die derzeitige Vorgehensweise bringt die Firmen und Menschen nicht dazu, maßlos Schulden zu machen, im Gegenteil, man gerät unverschuldet durch das Aussaugen per Negativzinsen in Schieflage. Aber das rächt sich erst dann, wenn Draghi sich die Lage nicht mehr von der EZB aus ansieht. Vllt. ist das aber auch Alles gewollt? Vllt. sollen wir alle ausbluten?
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