Sorge um Wirtschaft EZB lässt Leitzins bei null Prozent

Mario Draghi trotzt der massiven Kritik: Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrer Niedrigzinspolitik von null Prozent. Das umstrittene Anleihenkaufprogramm wird zunächst nicht verlängert.
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)

Foto: Fredrik von Erichsen/ picture alliance / dpa

Beobachter warnen seit Wochen vor den Verwerfungen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Noch hält die EZB aber daran fest. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbank-Geld besorgen können, bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Banken überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Das gewaltige Anleihekaufprogramm der EZB wird dagegen vorerst nicht verlängert. Die EZB steckt pro Monat 80 Milliarden Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere, insgesamt sollen es bis März 2017 1,74 Billionen Euro sein. Seit Juni stehen auch Firmenanleihen auf der Kaufliste der Zentralbank.

Viele Volkswirte hatten eine Verlängerung des Programms erwartet. Das billige Geld soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern. Langfristig niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, weil sie erwarten, dass es noch billiger wird.

Im August lag die jährliche Teuerungsrate im Euroraum gerade einmal bei 0,2 Prozent. Allerdings erklärt sich die Mini-Inflation zum Teil mit dem niedrigen Ölpreis. Dazukommt: Die Wirtschaft verdaute den Brexit-Schock besser als erwartet. Am 23. Juni hatten sich die Briten mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass ihr Land die Europäische Union verlässt. Der genaue Austrittsprozess ist noch offen.

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