Kurswende EZB will umstrittene Anleihekäufe Ende des Jahres beenden

Die Notenbank unter Chef Mario Draghi stand in der Kritik, jetzt hat sie entschieden: Von 2019 an will sie keine Anleihen mehr aufkaufen, um die Zinsen im Euroraum niedrig zu halten. Anleger reagieren hocherfreut.
EZB-Chef Mario Draghi

EZB-Chef Mario Draghi

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

Die Europäische Zentralbank kündigt angesichts der verbesserten Konjunktur und einer höheren Inflation das Ende ihrer billionenschweren Anleihekäufe an. Die vor allem in Deutschland umstrittenen Transaktionen sollen zum Jahresende auslaufen, wie die EZB nach ihrer Zinssitzung in Riga mitteilte.

Ab Oktober will die Notenbank das Volumen der monatlichen Käufe zunächst von derzeit 30 Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro verringern. Seit Beginn des Programms im März 2015 hat die Notenbank Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,4 Billionen Euro erworben. Geld aus auslaufenden Anleihen, die sich bereits in Besitz der EZB befinden, will die Notenbank allerdings noch so lange wie nötig in neue Wertpapiere investieren. Mit anderen Worten: Die EZB wird das Volumen der von ihr gehaltenen Anleihen ab 2019 nicht weiter erhöhen - aber es auch nicht reduzieren.

Den Leitzins im Euroraum belässt die EZB wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Sparer müssen sich somit weiterhin gedulden. Zudem müssen Geschäftsbanken, die Geld bei der EZB parken, dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Das Zinsniveau soll bis Sommer 2019 unverändert bleiben.

Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke.

Investoren an der Börse reagierten erleichtert auf die Pläne der Notenbank: Der deutsche Leitindex Dax übersprang an diesem Nachmittag die Hürde von 13.000 Punkten. Zuletzt legte er um 0,96 Prozent auf 13.015 Punkte zu. Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, stieg in ähnlicher Größenordnung wie der Dax.

Seit Jahren werden die europäischen Börsen durch die ultralockere Geldpolitik der EZB angetrieben und gestützt. Denn wegen der niedrigen Zinsen bringen Anleihen kaum mehr Rendite. Und das viele Geld, das die EZB durch ihr Programm in den Markt pumpt, geben Investoren aus, um Aktien zu kaufen.

Das EZB-Programm stößt an Grenzen

Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur abwürgen. Im Mai stieg die Jahresinflationsrate im Euroraum nach einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat auf 1,9 Prozent.

Allerdings hat sich die Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum in den ersten drei Monaten dieses Jahres abgekühlt. Mit Sorge betrachten die Währungshüter den sich verschärfenden Handelskonflikt zwischen den USA einerseits sowie der Europäischen Union und anderen Ländern andererseits. Zollschranken könnten die Exportwirtschaft empfindlich treffen. Für Unruhe sorgt auch die europakritische Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechtspopulistischer Lega in Italien.

Dass die EZB dennoch das Ende der Anleihekäufe in Aussicht stellt, hat auch damit zu tun, dass das Programm allmählich an Grenzen stößt. In mehreren großen Euroländern, darunter Deutschland, nähert sich der Anteil der von der EZB erworbenen Staatsanleihen einem Schwellenwert von einem Drittel aller umlaufenden Schuldtitel. Diese Grenze hat sich die EZB selbst gesetzt, um sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, sie betreibe Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse.

beb/dpa/Reuters
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