EZB-Präsident Trichet fordert deutlich größeren Rettungsschirm

Die Europäische Zentralbank schwenkt auf den Kurs des Internationalen Währungsfonds ein: Ihr Präsident Jean-Claude Trichet plädiert nun ebenfalls dafür, den Euro-Schutzschirm massiv aufzustocken - um einen Ausweg aus der Schuldenkrise zu finden.

EZB-Präsident Trichet: "Maximale Kapazität in puncto Quantität und Qualität"
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EZB-Präsident Trichet: "Maximale Kapazität in puncto Quantität und Qualität"


Frankfurt am Main - Erst sprachen sich Internationaler Währungsfonds (IWF) und Bundesbank dafür aus, jetzt zieht die Europäische Zentralbank (EZB) nach. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet will den Schutzschirm für Euro-Krisenstaaten bei Bedarf offenbar kräftig ausbauen. "In Bezug auf den (Rettungsfonds) EFSF kann ich sagen, dass wir uns für maximale Flexibilität stark machen und ich würde auch sagen: maximale Kapazität in punkto Quantität und Qualität", sagte Trichet am Montagabend beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Angesichts des Ausmaßes der Krise seien alle Europäer aufgerufen, intensiv darüber nachzudenken, was zu tun sei, sagte Trichet weiter. Mit den bisherigen Vorschlägen der EU sei die EZB "nicht vollkommen zufrieden".

Hintergrund für Trichets Äußerungen ist die Debatte um eine Aufstockung des Fonds und mögliche Ankäufe von Staatsanleihen durch den Fonds. Das Thema steht beim EU-Gipfel Ende der Woche in Brüssel nach Insider-Informationen offiziell zwar nicht auf der Agenda; es dürfte jedoch hinter den Kulissen intensiv zwischen Deutschland und Frankreich auf der einen Seite und vielen anderen Ländern auf der anderen Seite debattiert werden.

Insgesamt ist der Hilfstopf 750 Milliarden Euro schwer. Irland erhält als erster Staat daraus 85 Milliarden Euro. Das Geld kann vergeben werden, wenn Euro-Staaten an den Finanzmärkten keine oder nur teure Kredite bekommen, die ihre Geldsorgen weiter vergrößern würden.

Der IWF, der ein Drittel des Rettungsschirms aufbringt, hatte bereits Anfang Dezember auf eine Aufstockung des Krisenmechanismus' gedrängt. Auch Bundesbankpräsident Axel Weber hat bereits eine Erweiterung ins Spiel gebracht.

Insgesamt steuern die Euro-Länder 440 Milliarden Euro an Kreditbürgschaften bei. Deutschland lehnt bislang eine Erhöhung dieser Summe ab - ebenso wie einen Ankauf von Anleihen hoch verschuldeter Staaten durch den Fonds.

Dies macht die EZB bereits seit der Griechenlandkrise im Mai. Sie hat bislang Staatspapiere in einem Volumen von rund 72 Milliarden Euro angekauft - vergangene Woche wurden Geschäfte über rund 2,7 Milliarden Euro abgewickelt; nach Händlerinformationen vor allem aus Irland, Portugal und Spanien.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will die EZB aus Angst vor möglichen Verlusten bei diesen Papieren, die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken zur Aufstockung ihres Grundkapitalanteils drängen. Besonders stark belastet würde entsprechend ihres Kapitalanteils die Bundesbank. Trichet lehnte am Montagabend jeden Kommentar hierzu ab.

Nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen würde Deutschland eine mögliche Aufstockung des Grundkapitals begrüßen. Deutschland würde sie "positiv begleiten", hieß es am Dienstag.

Rating-Riese senkt Ausblick für Belgien

Trotz der Bereitschaft, die Hilfen möglicherweise aufzustocken, kämpfen die europäischen Schuldenstaaten mit Problemen an den Märkten. Spanien und Belgien konnten am Dienstag zwar Staatsanleihen in Milliardenhöhe platzieren. Die Länder mussten den Investoren aber deutliche Zinsaufschläge zahlen.

Kurz nach dem Ende der belgischen Auktion senkte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zudem ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit Belgiens auf "negativ" von "stabil". Damit könnte Belgien eine Herabstufung seiner Bonität in den nächsten sechs Monaten drohen, sollte nicht rasch eine Regierung gebildet werden, die den Haushalt in Ordnung bringt.

Die Agentur begründete ihren Schritt mit der anhaltenden politischen Ungewissheit in dem Land. Die besser als erwartete Haushaltslage 2010 habe allerdings dazu beigetragen, dass das derzeitige Rating von "AA+/A-1+" beibehalten werde, teilte S&P mit.

yes/wit/Reuters/AFP/dpa/dapd

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olfma 14.12.2010
1.
Wann kommt denn endlich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Griechenland-Hilfe? Es wird Zeit, das der Euro-Spuk beendet wird! Und nein, ich habe keine Angst davor, ein halbes Jahr lang von Lebensmittelgutscheinen Leben zu müssen, bis die Wirtschaft mit neuer Währung wieder anfängt zu laufen... und nein, ich habe keine Angst davor, das Deutschlands Export-Überschuss sinken würde... die Wertschöpfung läuft eh am Großteil der Bevölkerung vorbei, die wiederum für die Kredite gerade stehen soll, mit denen die Importländer unsere Waren gekauft haben^^
e.schw 14.12.2010
2. Die Lösung ist bekannt...
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank schwenkt auf den Kurs des Internationalen Währungsfonds ein: Ihr Präsident Jean-Claude Trichet plädiert nun ebenfalls dafür, den Euro-Schutzschirm massiv aufzustocken - um einen Ausweg aus der Schuldenkrise zu finden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,734564,00.html
Klar doch, das wirkliche Ausmaß der Krise offen zu legen, würde Panik hervorrufen. So macht man's häppchenweise. Natürlich wissen die Verantwortlichen der Zentralbanken um den tatsächlichen Bedarf an Geld. Allein der Umstand, dass immer wieder von einer Ausweitung des Schutzschirmes über die bekannten 750 Milliarden Euro hinaus die Rede ist, obwohl angeblich für Irland gerade mal 85 Milliarden Euro benötigt werden, deutet auf eine erwartete erhebliche Verschärfung der Finanzkrise hin. Letztendlich wird nur der Verzicht der Gläubiger auf erhebliche Teile ihrer Forderungen das System retten - aber auch das nur vorübergehend.
mitwisser, 14.12.2010
3. Bankenrettung gefährdet die Gesellschaften
Zitat von sysopDie Europäische Zentralbank schwenkt auf den Kurs des Internationalen Währungsfonds ein: Ihr Präsident Jean-Claude Trichet plädiert nun ebenfalls dafür, den Euro-Schutzschirm massiv aufzustocken - um einen Ausweg aus der Schuldenkrise zu finden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,734564,00.html
Wieviel Sachverstand muß man als EZB-Präsident haben? Wieviel Idiotie darf man mitbringen? Es gibt keinen Ausweg mehr aus der von Banken und EZB zu verantworteten Schuldenkrise. Die zahlreichen Abfahrten wurden von Heli-Ben und Trichet geflissentlich ignoriert. Jetzt wird aus politischen Gründen am Euro festgehalten - bis zum bitteren Ende. Die Sackgasse heißt Inflation, wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft: Inflation, Auflösung der EU, tote Banker und Politiker, Bürgerkrieg, Auflösung der Demokratien. Nur wann das kommt, ist noch nicht ganz klar...
franklinber, 14.12.2010
4. Da gibt es nur eine Antwort!
Zurück zur D-Mark! Es kann nicht sein, dass man den Ganzen Euro-Spuk alleine von Deutschland bezahlen lässt, wo bei uns Krise war, da hat man gegen uns ein Verfahren eingeleitet! Deutschland sollte als erster aus dem Euro aussteigen!!!
...und gut ist`s 14.12.2010
5. Ach der Trischett braucht Geld?
Zitat: Angesichts des Ausmaßes der Krise seien alle Europäer aufgerufen, intensiv darüber nachzudenken, was zu tun sei, sagte Trichet weiter.Zitatende. Wenn dieser Aufruf wirklich allen Europäern gilt, dann steht das Ergebnis fest: Raus aus dem Euro! Leider versteht Herr Trichet unter Europäern, die er als berechtigt ansieht Vorschläge zu erbringen, nur die politischen Geisterfahrer, die uns das alles in ihrer Selbstherr- und Überheblichkeit eingebrockt haben. Was wir brauchen sind nicht größere Schirme, unter denen weiter gemauschelt und das Volk ausgeplündert werden kann, sondern eine starke Strafgesetzgebung gegen Währungsschänder, selbst wenn diese sich auf parlamentarische Immunität berufen.
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