Geldpolitik EZB verlangt höhere Strafzinsen von Banken

Erstmals seit dreieinhalb Jahren hat die Europäische Zentralbank einen wichtigen Zinssatz verändert. Banken müssen auf ihr überschüssiges Geld künftig 0,5 Prozent Strafzinsen zahlen. Zudem sollen neue Anleihekäufe starten.
EZB-Zentrale in Frankfurt

EZB-Zentrale in Frankfurt

Foto: Boris Roessler / DPA

Die Europäische Zentralbank (EZB) will die schwache Konjunktur und die niedrige Inflation mit neuer Munition bekämpfen: Der EZB-Rat beschloss bei seiner Sitzung am Donnerstag, den Einlagenzinssatz, zu dem Geschäftsbanken überschüssiges Geld bei der Notenbank parken, von bisher -0,4 Prozent auf nun -0,5 Prozent zu senken. Damit zahlen die Finanzinstitute faktisch einen höheren Strafzins. Allerdings führt die EZB eine Staffelung ein: Damit werden nicht mehr auf alle der überschüssigen Gelder Strafzinsen erhoben.

Zudem will die Notenbank die umstrittenen Anleihekäufe wieder aufnehmen - und dafür ab November monatlich 20 Milliarden Euro einsetzen. Ein genaues Ende der Käufe legte der EZB-Rat zunächst nicht fest.

An der Börse reagierten die Investoren mit Aktienkäufen auf die Beschlüsse der Notenbank. Der Leitindex Dax   sprang unmittelbar nach der Entscheidung um 0,7 Prozent auf 12.440 Punkte.

Die Strafzinsen sollen die Banken dazu bewegen, ihr Geld lieber für Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu verwenden, anstatt es bei der EZB zu parken. So soll die Wirtschaft stärker in Schwung kommen und damit auch die Inflation steigen.

Inflation ist der EZB zu niedrig

Die Zentralbank peilt eigentlich eine Inflationsrate für die Eurozone von knapp unter zwei Prozent an. Dieser Wert wurde allerdings schon lange nicht mehr erreicht. Zuletzt lag die Teuerung im Euroraum nur bei einem Prozent - das war der tiefste Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Auch die Anleihekäufe sollen mehr Geld in die Wirtschaft bringen und so die Konjunktur stärken. Das Kaufprogramm ist nicht neu, wird aber reaktiviert. Zwischen März 2015 und Dezember 2018 hatte die EZB bereits Anleihen im Wert von rund 2,6 Billionen Euro aufgekauft. Zum größten Teil handelte es sich dabei um Schuldpapiere der Eurostaaten.

Der bisherige Chef der EZB, der Italiener Mario Draghi, wird Ende Oktober aus seinem Amt ausscheiden. An der expansiven Ausrichtung der Geldpolitik wird sich so bald aber wohl nichts ändern: Draghis designierte Nachfolgerin, die Französin Christine Lagarde, hat bereits deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik für absehbare Zeit für nötig hält. Die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagte aber auch: "Wir müssen die negativen Folgen und Nebeneffekte im Blick behalten."

stk/dpa
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