Leitzins-Entscheidung EZB schreckt vor weiterer Zinssenkung zurück

Anders als von einigen Volkswirten erwartet, hat die Europäische Zentralbank den Leitzins unverändert gelassen. Trotz der zuletzt sehr niedrigen Inflationsrate bleibt der Zins auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent.
EZB in Frankfurt am Main: Keine Änderung beim Leitzins

EZB in Frankfurt am Main: Keine Änderung beim Leitzins

Foto: AP/dpa

Frankfurt am Main - Die Ökonomen waren uneins vor dieser Ratssitzung: Einige Experte hatten erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins weiter senken wird. Sie wurden enttäuscht. Trotz der anhaltend niedrigen Inflation hält die EZB den Leitzins im Euro-Raum bei 0,25 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte.

Im Februar verharrte die Jahresteuerung im Euro-Raum wie in den beiden Vormonaten bei 0,8 Prozent. Der Wert liegt deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent. Das hatte die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinssenkung steigen lassen. Insgesamt waren Experten vor der Ratssitzung ungewohnt uneinig. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hatte vorher gesagt: "Die Zinsentscheidung ist völlig offen." Zuletzt hatte die Notenbank die Zinsschraube im November 2013 gelockert, nachdem die Teuerungsrate auf 0,7 Prozent gefallen war.

Bisher erwartet die Notenbank im laufenden Jahr eine Teuerung von 1,1 Prozent. Am Nachmittag dürfte die EZB diese Prognose nach Ansicht vieler Ökonomen aber nochmals nach unten korrigieren. Das dürfte die Sorgen vor einer Deflation weiter anheizen - also einem anhaltenden Preisverfall auf breiter Front, der die Konjunktur abwürgen könnte. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb.

Der Einlagensatz, zu dem Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank parken können, liegt weiterhin bei null Prozent, der Ausleihungssatz bleibt bei 0,75 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi wird die geldpolitischen Entscheidungen am Nachmittag erläutern. Beachtet werden vor allem die Inflationsprognosen. Auch die Ankündigung von geldpolitischen Maßnahmen ist nicht ausgeschlossen.

Bank of England hält an niedrigen Zinsen fest

Auch die britische Notenbank hält die Zinsen niedrig, trotz anziehender Wirtschaft. Der Schlüsselzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent, wie die Bank of England (BoE) am Donnerstag nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses in London mitteilte. Auch das seit längerem ruhende Anleihen-Kaufprogramm im Volumen von 375 Milliarden Pfund wird nicht aufgestockt.

Zentralbankchef Mark Carney will erst dann eine Zinserhöhung ins Auge fassen, wenn sich der Aufschwung gefestigt hat. An den Märkten wird frühestens Ende des Jahres mit der Zinswende gerechnet. Damit würde die BoE aber voraussichtlich zu den ersten Notenbanken der Industrieländer gehören, die ihre Geldpolitik straffen.

Anders als in der Euro-Zone herrscht in Großbritannien annähernd Preisstabilität. Die Kosten für die Lebenshaltung erhöhten sich im Januar nur um 1,9 Prozent. Die BoE sieht stabile Preise bei einer Jahresteuerung von 2,0 Prozent gewährleistet. Die Weichen stehen somit weiter auf Wachstum: Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut Großbritannien in diesem Jahr ein Plus von 2,4 Prozent zu. 2013 legte die britische Wirtschaft mit 1,9 Prozent so kräftig zu wie seit sechs Jahren nicht mehr.

nck/dpa/Reuters
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