Verpatzter Börsenstart Facebook-Aktie bricht ein

Der Börsen-Hype ist schon wieder vorbei: An ihrem zweiten Handelstag ist die Facebook-Aktie deutlich unter den Ausgabepreis gefallen. In den USA rutschte sie zeitweise auf rund 33 Dollar ab - ein Minus von 13 Prozent.
Facebook-Logo an der Nasdaq: Blamabler Wochenauftakt

Facebook-Logo an der Nasdaq: Blamabler Wochenauftakt

Foto: Andrew Gombert/ dpa

New York - Es geht abwärts für die Facebook-Aktie: Am zweiten Tag des Börsenhandels hat das Papier   des Online-Netzwerks zum Handelsauftakt mehr als 13 Prozent verloren. Die Aktie kostete zeitweise nur noch 33 Dollar und erholte sich auch im darauffolgenden Handel zunächst nur leicht. Der Ausgabepreis hatte bei 38 Dollar gelegen.

Mehr als 13 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf. Das von Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen wurde von den Anlegern aber immer noch auf 91 Milliarden Dollar taxiert.

Am Freitag hatte das Papier um 23 Cent über dem Ausgabekurs geschlossen. Schon das war ein schlechtes Ergebnis. Analysten hatten eigentlich Kurszuwächse von rund zehn Prozent für den ersten Handelstag vorausgesagt. Das Ergebnis war der maue Abschluss eines nervenaufreibenden ersten Handelstags. Die am Börsengang beteiligten Banken hatten mehrfach mit eigenen Käufen den Kurs stützen müssen. Erschwerend kamen Computerpannen beim Börsenbetreiber Nasdaq   hinzu.

Schon ermittelt die Börsenaufsicht SEC. Düpierte Broker-Häuser wollen die Facebook-Transaktionen anfechten. Zumal die Unregelmäßigkeiten den Preis der Facebook-Aktie am Eröffnungstag stundenlang verzerrt haben. Will heißen: Diese Woche besteht Gefahr, dass sie noch weiter in den Keller rutscht - was wiederum nicht nur die Banken belasten dürfte, sondern vor allem auch die Kleinanleger, die sich von dem Facebook-Hype so viel erhofften.

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Mit dem Kursverlust können sich nun all jene bestätigt fühlen, die Facebook für überbewertet halten. Zwar besitzt das Netzwerk gut 900 Millionen Mitglieder, doch die Geschäftszahlen fallen bislang eher bescheiden aus: Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen 3,7 Milliarden Dollar Umsatz und eine Milliarde Dollar Gewinn.

Rund 85 Prozent seiner Einnahmen erzielt Facebook derzeit mit Werbung. Die 38 Werbeformate, mit denen das Unternehmen experimentiert, sind weitgehend unerprobt. Es geht um ein neues Werbekonzept, das soziale Verbindungen und Mundpropaganda als wertvoller einstuft als direkt messbare Verkaufszahlen.

Facebooks Kundenkreis zerfällt derzeit in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen die Euphoriker. Etwa der Eisproduzent Ben & Jerry's, der in einer internen Erhebung festgestellt haben will, dass jeder Dollar, den er auf Facebook in Werbung investiere, die Verkäufe um drei Dollar ankurbele. Auf der anderen Seite stehen die Skeptiker. Zum Beispiel der US-Autobauer General Motors, der sich die zehn Millionen Dollar, die er zuletzt in Facebook-Kampagnen investierte, künftig wieder sparen will - weil kaum messbar sei, ob General Motors durch sein Engagement bei Facebook mehr Autos verkaufe.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg dürfte der Kursverlust nicht so sehr stören. Das gerade mal acht Jahre und drei Monate alte soziale Netzwerk nahm durch den Börsengang 16 Milliarden Dollar ein. Allein Zuckerberg vermehrte sein Vermögen auf geschätzte rund 19 Milliarden Dollar - gerade rechtzeitig für seine Hochzeit, die er am Samstag feierte.

Allerdings ist er mit 503,6 Millionen Aktien der größte Facebook-Anteilseigner. Damit macht schon eine Veränderung von einem Dollar je Aktie für ihn rund eine halbe Milliarde Dollar aus.

ssu/Reuters
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