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21. Mai 2012, 23:16 Uhr

Katastrophaler zweiter Börsentag

Facebook-Aktie verliert viele Freunde

Die Facebook-Aktie fällt zum US-Börsenschluss um 11,3 Prozent und unter den Ausgabekurs. Damit sinkt der Wert von Facebook allein am zweiten Handelstag um elf Milliarden Dollar. Analysten sagen: "Jeder, der eins und eins zusammen zählen kann, hat die Finger von der Aktie gelassen."

New York - Die Anfangseuphorie ist schon am zweiten Handelstag verflogen, und mit ihr lösten sich mehr als elf Milliarden Dollar in Luft auf. Es war ein katastrophaler Tag für die Aktien von Facebook: Das Papier des sozialen Netzwerkes ist am Montag im zweistelligen Prozentbereich eingebrochen. Während der Nasdaq-Composite-Index am Montag um 2,46 Prozent zulegte, verlor das Papier des US-Börsendebütanten um 11,31 Prozent und schloss bei 34,03 Dollar.

Ein Börsianer sagte: "Jeder, der auch nur halbwegs eins und eins zusammen zählen kann, hat die Finger von der Aktie gelassen." Gemessen an dem kompletten Börsenwert des Unternehmens, gingen am Montag mehr als elf Milliarden Dollar verloren.

"Das Motto kann hier nur lauten: Facebook-Nutzung 'Daumen rauf' - Facebook-Aktie 'Daumen runter'", so der Händler. Interessant ist seines Erachtens aber die Beschleunigung, wie rasch der Markt im Vergleich zum Ende des letzten Jahrtausends "heiße Luft" raus lässt. "Das geht heutzutage einfach viel schneller als vor zwölf Jahren."

Die Facebook-Aktie gilt bei vielen Profis immer noch als überbewertet. Händlerin Dafni Serdari von Intertrader kommentierte: "Der Aktienkurs liegt nun rund 20 Prozent unter seinem Hoch am Freitag. Dennoch spiegelt der derzeitige Aktienpreis immer noch die Erwartung eines 110-Fachen Gewinns von 2011 nach Steuern wider." Damit die derzeitige Bewertung gerechtfertigt wäre, müsse der Umsatz des sozialen Netzwerkes in den nächsten fünf Jahren "exponentiell wachsen".

Händler: "Facebook-Börsengang wird für manch einen zum Albtraum"

Bereits am Freitag zum Börsendebüt war die erhoffte Kursexplosion ausgeblieben und die Aktie schloss wohl nur aufgrund von Stützungskäufen knapp über ihrem Ausgabepreis von 38,00 US-Dollar. Erschwerend kamen Computerpannen beim Börsenbetreiber Nasdaq hinzu.

"Bisher entwickelt sich die Facebook-Neuemission äußert enttäuschend und wird für manch einen regelrecht zum Albtraum", kommentierte Händler Markus Huber von ETX Capital. Insgeheim hätten ja doch viele gehofft, dass sich diese Firma zu einer neuen Apple oder Google entwickeln könnte.

Doch stattdessen wurden laut Huber wieder Werte wie Apple, die heute um mehr als vier Prozent zulegte, spekulativeren Papieren vorgezogen. Dieser Konzern etwa habe bereits ausführlich in der Vergangenheit gezeigt, dass er Gewinn- und Umsatzerwartungen nicht nur erfüllen, sondern auch bei weitem übertreffen könne.

Mit dem Kursverlust können sich nun all jene bestätigt fühlen, die Facebook für überbewertet halten. Zwar besitzt das Netzwerk gut 900 Millionen Mitglieder, doch die Geschäftszahlen fallen bislang eher bescheiden aus: Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen 3,7 Milliarden Dollar Umsatz und eine Milliarde Dollar Gewinn.

lgr/dpa-AFX

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