Facebook-Börsengang Brief von Mark

Mark Zuckerberg veröffentlicht im Facebook-Börsenprospekt einen offenen Brief an die Aktionäre. Die Kernbotschaft des Unternehmensgründers: Facebook hat eine soziale Mission - und will die Welt verbessern.

Mark Zuckerberg: An etwas glauben, was über Profitmaximierung hinausgeht
AFP

Mark Zuckerberg: An etwas glauben, was über Profitmaximierung hinausgeht


New York - Die Vision des Facebook-Firmengründers steckt tief vergraben in dem mehr als hundertseitigen Börsenprospekt. Auf Seite 66 steht nur schlicht am oberen Rand "Letter from Mark Zuckerberg". Es folgen vier Seiten Kleingedrucktes, die mit der etwas krakeligen Unterschrift des 27-jährigen Facebook-Chefs enden.

Doch so unscheinbar der offene Brief Zuckerbergs daherkommt: Er könnte eine große Wucht entwickeln. Denn er offenbart die Ziele des Gründers und die seines Unternehmens. Von einer sozialen Mission Facebooks ist da die Rede, man wolle die Welt offener, vernetzter und besser machen.

Zuckerberg erklärt in dem Brief seine Unterstützung für die Hacker-Szene. Das Wort habe zu Unrecht einen negativen Beigeschmack, schreibt er. In Wirklichkeit stehe der Begriff dafür, dass man etwas schnell entwickle und die Grenzen des Möglichen austeste. Am Ende des Briefs listet Zuckerberg noch die fünf Eckpfeiler des Unternehmens auf.

Bei der Netzgemeinde stößt Zuckerbergs Brief auf ein überwiegend positives Echo. Zudem haben unzählige Internetseiten den Text in voller Länge online gestellt. Einige Kommentatoren fragen sich allerdings, ob die nun veröffentlichte Facebook-Mission dabei hilft, Aktionäre anzulocken. Denn Zuckerberg schreibt: "Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln."

Fest steht immerhin schon jetzt: Erstmals seit dem offenen Brief von Larry Page im Google-Börsenprospekt aus dem Jahr 2004 schafft es ein junger Unternehmer seine Gedanken ganz groß in die Öffentlichkeit zu tragen. Pages Mission lautete: "Seid gut!" Zuckerbergs Parole klingt auffällig ähnlich.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert Auszüge aus Zuckerbergs Brief:

"Facebook wurde ursprünglich nicht gegründet, um ein Unternehmen zu sein. Es wurde aufgebaut, um eine soziale Mission zu erfüllen - die Welt offener und vernetzter zu machen.

Wir denken, dass es wichtig ist, dass jeder, der in Facebook investiert, versteht, was diese Mission für uns bedeutet, wie wir Entscheidungen treffen und warum wir tun, was wir tun. (...)

Uns bei Facebook inspirieren Technologien, die verändert haben, wie Menschen Informationen verbreiten und aufnehmen. Wir reden oft über Erfindungen wie die Druckerpresse und das Fernsehen - sie haben viele wichtige Teile der Gesellschaft allein dadurch komplett verändert, dass sie Kommunikation effizienter gemacht haben. (...)

Heute hat unsere Gesellschaft den nächsten Wendepunkt erreicht. Wir leben in einem Moment, in dem die Mehrheit der Menschen Zugang zum Internet oder zu Mobiltelefonen hat - den Werkzeugen, die nötig sind, um mit Personen ihrer Wahl das zu teilen, was sie denken, fühlen oder machen. Facebook will Dienste entwickeln, die Menschen die Möglichkeit zum Teilen geben und ihnen helfen, wieder einmal viele unserer Kerninstitutionen und -branchen zu verändern.

Es gibt einen riesigen Bedarf, jeden auf der Welt zu verbinden, jedem eine Stimme zu geben und ihm zu helfen, die Gesellschaft für die Zukunft zu verändern - und darin liegt auch eine riesige Chance. Das Ausmaß der Technologie und Infrastruktur, die aufgebaut werden muss, ist beispiellos, und wir glauben, dass dies das wichtigste Problem ist, auf das wir uns fokussieren können. (...)

Ich habe am Anfang die erste Version von Facebook selbst geschrieben, weil es etwas war, von dem ich wollte, dass es das gibt. Seitdem kam der Großteil der Ideen und des Programmcodes von den großartigen Menschen, die wir für unser Team gewinnen konnten.

Den meisten großartigen Leuten geht es darum, große Dinge zu entwickeln und ein Teil davon zu sein, aber sie wollen auch Geld verdienen. Beim Aufbau des Teams - und auch einer Entwicklergemeinde, eines Werbemarktes und einer Investorenbasis - habe ich gelernt, dass der beste Weg, um viele Menschen für die Lösung eines wichtigen Problems zu vereinen, die Entwicklung einer starken Firma mit einem starken wirtschaftlichen Motor und einem starken Wachstum sein kann.

Einfach gesagt: Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln.

Und wir denken, dass dies ein guter Weg ist, um etwas aufzubauen. In heutiger Zeit, denke ich, wollen mehr und mehr Menschen Dienste von Unternehmen nutzen, die an etwas glauben, was über die Profitmaximierung hinausgeht. (...)

Wir glauben, dass wir mit dem Fokus auf unsere Mission und die Entwicklung großartiger Dienste auf lange Sicht den höchsten Wert für unsere Anteilseigner und Partner schaffen werden - und uns das wiederum erlauben wird, weiterhin die besten Leute zu gewinnen und mehr großartige Dienste aufzubauen. Wir wachen morgens nicht mit dem Hauptziel auf, Geld zu machen, aber wir verstehen, dass der beste Weg, um unsere Mission zu erfüllen, der Aufbau eines starken und wertvollen Unternehmens ist. (...)

Wir kultivieren eine einzigartige Kultur und einen Management-Ansatz, den wir den "Hacker Way" (der Ansatz der Hacker) nennen.

Das Wort Hacker hat zu Unrecht einen negativen Beigeschmack, weil es dabei in Medien um Leute geht, die in Computersysteme einbrechen. In Wirklichkeit bedeutet "Hacken", dass man etwas schnell entwickelt und die Grenzen des Möglichen austestet. Wie die meisten Sachen kann dies für Gutes oder Böses eingesetzt werden, aber die meisten Hacker, die ich traf, sind eher Idealisten, die die Welt besser machen wollen.

Beim Ansatz der Hacker geht es um ständige Verbesserung. Hacker glauben, dass etwas immer verbessert werden kann und nichts jemals fertig ist. Sie müssen es einfach in Ordnung bringen - oft den Leuten zum Trotz, die sagen, dass es nicht möglich sei oder sich mit dem Status Quo zufriedengeben.

Hacker versuchen, die besten Dienste auf lange Sicht zu bauen, indem sie Sachen schnell veröffentlichen und aus kleinen Weiterentwicklungen lernen, anstatt gleich alles richtig machen zu wollen. Um das zu unterstützen, haben wir ein Test-System gebaut, in dem wir jederzeit tausende Facebook-Versionen ausprobieren können. Wir haben an der Wand die Worte "Gemacht ist besser als perfekt" stehen, damit wir nicht vergessen, immer weiter neue Sachen zu erfinden. (...)"

Die fünf Facebook-Leitlinien:

Konzentriere dich auf die Wirkung:

Der beste Weg, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, ist es sicherzustellen, dass wir uns immer auf die Lösung der wichtigsten Probleme konzentrieren. Das klingt einfach, aber wir denken, dass die meisten Unternehmen das schlecht umsetzen und viel Zeit verschwenden. Wir erwarten von jedem bei Facebook, gut darin zu sein, die wichtigsten Probleme herauszufiltern und daran zu arbeiten.

Sei schnell:

Schnell zu sein, ermöglicht es uns, mehr aufzubauen und schneller zu lernen. Allerdings werden die meisten Unternehmen mit zunehmendem Wachstum langsamer. Sie haben mehr Angst davor, Fehler zu machen, als davor, Gelegenheiten zu verpassen. Wir haben hier ein Motto: 'Sei schnell und mach Dinge kaputt.' Die Idee dahinter ist, dass man sich wahrscheinlich nicht schnell genug bewegt, wenn man nie etwas kaputt macht.

Sei mutig:

Großes aufzubauen, bedeutet auch Risiken einzugehen. Das kann beängstigend sein und hindert die meisten Unternehmen daran, die mutigen Dinge zu tun, die sie tun sollten. Allerdings scheitert man in einer Welt, die sich so schnell verändert garantiert, wenn man keine Risiken eingeht. Wir haben noch ein Motto: 'Das Riskanteste ist, keine Risiken einzugehen.' Wir unterstützen jeden bei mutigen Ideen, auch wenn das bedeutet, sich manchmal zu irren.

Sei offen:

Wir glauben, dass eine offenere Welt eine bessere Welt ist, weil Menschen mit mehr Information bessere Entscheidungen treffen und mehr Wirkung erzielen können. Das gilt auch für die Leitung eines Unternehmens. Wir arbeiten hart daran, dass jeder bei Facebook Zugang zu so vielen Informationen wie möglich über jeden Teilbereich des Unternehmens hat. So können sie die besten Entscheidungen treffen und die größtmögliche Wirkung erzielen.

Baue soziale Werte auf:

Noch einmal, Facebook existiert, um die Welt offener zu machen und sie näher zusammenzuführen, nicht nur, um ein Unternehmen aufzubauen. Wir erwarten von jedem bei Facebook, sich jeden Tag darauf zu konzentrieren, wie wir durch alles, was wir machen, wahre Werte für die Welt aufbauen können."

yes/dpa/dapd



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gutman 02.02.2012
1. Bessere Welt ... lol
Zitat von sysopMark Zuckerberg veröffentlicht im*Facebook-Börsenprospekt*einen offenen Brief an die Aktionäre. Die Kernbotschaft des Unternehmensgründers: Facebook hat eine soziale Mission -*und will die Welt verbessern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812893,00.html
Fein dann warten wir mal, ab wann die Face-Book Mitgliedschaft Pflicht wird, für dies und jenes und noch vieles mehr, denn in Kürze wollen die Aktionäre ja Rendite und ganz sicher keine bessere Welt ... lol
sverris 02.02.2012
2.
Zitat von gutmanFein dann warten wir mal, ab wann die Face-Book Mitgliedschaft Pflicht wird, für dies und jenes und noch vieles mehr, denn in Kürze wollen die Aktionäre ja Rendite und ganz sicher keine bessere Welt ... lol
Imgrunde wird man ja nunmehr förmlich gezwungen bei sehr vielen Seiten im Netz, die Facebooknews und die Like-Buttons etc. sich mitanschauen, unabhängig davon, ob man mit denen was zu tun haben will oder nicht.
gutman 02.02.2012
3. Brave New World
Zitat von sverrisImgrunde wird man ja nunmehr förmlich gezwungen bei sehr vielen Seiten im Netz, die Facebooknews und die Like-Buttons etc. sich mitanschauen, unabhängig davon, ob man mit denen was zu tun haben will oder nicht.
Genau, und dieses Prinzip gilt es dann ab dem Börsengang zu verfeinern und zu optimieren und damit zu verrenditen. Face Book an sich braucht tatsächlich niemand, ist was für Leute, die glauben, dadurch Gemeinschaften zu bilden und Freunde zu finden und nicht mehr allein zu sein. Ging allerdings auch schon früher durch persönlichen Kontakt und ein paar gute Anstrengungen. Jetzt eben auf Knopfdruck und ohne echte Inhalte. Brave New World ...
Zweck-Los 02.02.2012
4. Anlegerphantasien
Zitat von gutmanGenau, und dieses Prinzip gilt es dann ab dem Börsengang zu verfeinern und zu optimieren und damit zu verrenditen. Face Book an sich braucht tatsächlich niemand, ist was für Leute, die glauben, dadurch Gemeinschaften zu bilden und Freunde zu finden und nicht mehr allein zu sein. Ging allerdings auch schon früher durch persönlichen Kontakt und ein paar gute Anstrengungen. Jetzt eben auf Knopfdruck und ohne echte Inhalte. Brave New World ...
Gerne. a) ohne Facebook-Profil keine Zulassung zur Jobbewerbung möglich b) ohne Facebook-Profil keine Einreisegenehmigung möglich c) ... privater Internetzugang ohne bestätigten Facebook-Account verboten
Klaschfr 02.02.2012
5. Weltverbesserer
Zitat von sysopMark Zuckerberg veröffentlicht im*Facebook-Börsenprospekt*einen offenen Brief an die Aktionäre. Die Kernbotschaft des Unternehmensgründers: Facebook hat eine soziale Mission -*und will die Welt verbessern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,812893,00.html
Gute Tarnung! Die Welt hat aber schon genung Verbesserer, Quantität macht selten Qualität. Aber mit dem Weltverbessern scheinen sich gute Geschäfte machen zu lassen, da weht der Wind wohl her her.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.