Verpatzter Börsengang Sammelklagen gegen Facebook

Der verpatzte Börsengang von Facebook entfacht neue Rechtsstreitigkeiten. Nach dem Börsenbetreiber Nasdaq stehen jetzt auch das Unternehmen selbst und die beteiligten Banken im Visier: Mehrere Kanzleien reichten Sammelklagen enttäuschter Anleger ein. Sie verlangen Schadensersatz.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Viel Aufregung um den gefallenen Börsenstar

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Viel Aufregung um den gefallenen Börsenstar

Foto: REUTERS

New York - Der Börsengang von Facebook wird zum immer größeren Desaster. Nach drei Tagen mit heftigen Kursverlusten erholte sich die Aktie am Mittwoch zwar leicht, dafür sieht sich das Unternehmen nun gleich mit mehreren Klagen enttäuschter Anleger konfrontiert. Auch die Börsenaufsicht SEC hat sich eingeschaltet. Deren Chefin Mary Schapiro sagte, ihre Behörde gehe Fragen rund um den Börsengang nach.

Die Anwaltskanzlei Robbins Geller Rudman & Dowd  erklärte am Mittwoch, sie habe im Namen von Facebook-Investoren eine Sammelklage bei einem Bundesgericht in Manhattan angestrengt. Auch die Kanzlei Lieff Cabraser Heimann & Bernstein reichte nach eigenen Angaben im Namen von Investoren eine Klage ein, die sich gegen "Facebook, bestimmte Verantwortliche und die mit dem Börsengang betrauten Banken" richtet.

Bereits am Dienstag hatte die Kanzlei Glancy Binkow & Goldberg aus Los Angeles im Namen von Anlegern geklagt, die "wegen des von großer medialer Aufmerksamkeit begleiteten Börsengangs von Facebook" Verluste eingefahren hätten. Die Klage wurde vor einem Gericht in Kalifornien eingereicht und richtet sich vor allem gegen die Großbanken Morgan Stanley  , JPMorgan Chase  und Goldman Sachs  , die den Börsengang organisiert haben.

Die Klagen gehen alle in dieselbe Richtung: Sie werfen Facebook vor, die Börsenunterlagen schlampig zusammengestellt und wichtige Informationen verschwiegen zu haben. Insbesondere monieren die Anwälte, dass die beteiligten Banken kurz vor dem Börsengang ihre Gewinnprognosen für Facebook   gesenkt hätten.

Facebook soll den Analysten geraten haben, die Prognosen zu senken

Bei ihren Vorwürfen stützen sich die Anwälte auf Berichte von US-Medien, unter anderem des "Wall Street Journal". Demnach haben nur eine Handvoll ausgewählter Großkunden der Banken von den gesenkten Erwartungen an das künftige Facebook-Geschäft erfahren. Entsprechend vorsichtig seien diese Kunden dann beim Kauf von Facebook-Aktien geworden. Die Nachrichtenagentur Reuters und das Blog "Business Insider" berichteten zudem, ein Facebook-Manager habe den Analysten vor dem Börsengang dazu geraten, ihre Vorhersagen nach unten zu korrigieren.

Die federführende Bank Morgan Stanley erklärte am Dienstag, alle Regularien eingehalten zu haben. Das Wall-Street-Haus hat einen Ruf zu verlieren, schließlich wickelt Morgan Stanley einen großen Teil der Börsengänge im Silicon Valley ab. Facebook selbst schwieg.

Am harmlosesten wirkt momentan noch der Vorwurf, die Banken hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen. Ursprünglich hatte Facebook einen Stückpreis zwischen 28 und 35 Dollar angepeilt. Dann jedoch stockte das Unternehmen den Ausgabepreis und die Zahl der Aktien kräftig auf - was sich nun als Fehler herausstellt.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" war es die Entscheidung von Facebook-Finanzchef David Ebersman, die Zahl der angebotenen Aktien um ein Viertel zu erhöhen. Zuvor habe ihm Morgan Stanley allerdings versichert, dass die Nachfrage sehr hoch sei. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg soll sich weitgehend aus den Details des Börsengangs herausgehalten haben.

Auch die Technologiebörse Nasdaq muss weiter heftige Kritik einstecken. Sie gestand jetzt ein, dass sie den Börsengang abgeblasen hätte, wenn ihr vorher das gesamte Ausmaß der technischen Probleme bewusst gewesen wäre. Wegen Systemfehlern wussten Investoren am Freitag zum Teil über Stunden nicht, ob ihre Aufträge erfüllt worden waren. Einige Aufträge wurden gar nicht ausgeführt. Ein Anleger hatte deshalb Klage vor einem Gericht in Manhattan eingereicht.

Dass Facebooks Börsengang viel Unmut verursacht, ist offensichtlich: Während das Unternehmen und die Alteigentümer mit dem Börsengang satte 16 Milliarden Dollar einnahmen, haben die Anleger mit der Aktie bisher viel Geld verloren. Vom Börsenstart am Freitag bis zum Handelsschluss am Dienstag hat die Aktie 18 Prozent an Wert verloren. Am Mittwoch ging es an der New Yorker Börse erstmal wieder nach oben: Der Kurs legte um gut drei Prozent zu - für Aktionäre der ersten Stunde dürfte das jedoch nur ein schwacher Trost sein.

stk/AFP/dpa-AFX/Reuters
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