Facebook-Börsengang Midas im Silicon Valley

Erst Google, jetzt Facebook - wenn ein Tech-Gigant den Börsengang wagt, hat meist Michael Grimes die Finger im Spiel. Der Morgan-Stanley-Banker sichert sich die größten Deals im Silicon Valley. Sein schlichtes Erfolgsrezept: Er erfüllt kein einziges Wall-Street-Klischee.

Facebook-Auftritt von Michael Grimes: "Der letzte Überlebende der neunziger Jahre"

Facebook-Auftritt von Michael Grimes: "Der letzte Überlebende der neunziger Jahre"

Von , New York


Michael Grimes' Facebook-Profil lässt nichts erahnen von dem elitären Kosmos, in dem er sich bewegt. Das Hauptfoto zeigt ihn beim Wasserskifahren. Er abonniert Aktualisierungen von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, diversen Sportstars und Tech-Kolumnisten. Er postet Heimvideos: Football, Leichtathletik, Volleyball.

Doch hinter der normalen Online-Fassade steckt ein Mann, der Milliarden bewegt - zuletzt bei Facebook. Dort hat sich der 45-jährige Banker gerade den wichtigsten Auftrag seiner Karriere geangelt: Die US-Bank Morgan Stanley, deren Tech-Investments Grimes managt, hat die begehrte Rolle als Konsortialführer des Facebook-Börsengangs ergattert und damit den Erzrivalen Goldman Sachs ausgestochen. "Big Winner" nannte der TV-Sender CNN Grimes.

Dabei ist Facebook nur der jüngste in einer langen Kette von Börsengängen aus dem Silicon Valley, die Grimes dem Geldkonzern gesichert hat. Dank seiner exzellenten Verbindungen in der US-Internetszene hatte Morgan Stanley die Federführung bei den lukrativen Börsengängen von LinkedIn, Pandora, Groupon, Zynga - und allen voran Google. Die 1,9 Milliarden Dollar, die die Suchmaschine bei ihrem Börsengang einsammelte, dürfte Facebook jedoch locker in den Schatten stellen: Der Konzern rechnet mit einem Erlös von rund fünf Milliarden Dollar.

Kein Wunder, dass sich die ganze Wall Street um einen Platz bei Facebook riss. Insider tippten jedoch von Anfang an darauf, dass der öffentlichkeitsscheue Grimes auch diesmal den Zuschlag bekommen würde. Als Co-Chef von Morgan Stanleys Westküsten-Büro, in Menlo Park nur sechs Kilometer von der Facebook-Zentrale entfernt, gilt er als einer der am besten verdrahteten Veteranen des Silicon Valley. Der Dotcom-Crash vor zwölf Jahren ließ die meisten seiner Ex-Kollegen aus der kalifornischen Hightech-Region südlich von San Francisco abwandern. Grimes blieb - und begann bald zu kassieren.

"Er ist der letzte Überlebende der neunziger Jahre", sagte Ken Goldman, Finanzchef der Tech-Firma Fortinet, dem Wirtschaftsdienst von Bloomberg. Im November 2009 steuerte Grimes, flankiert von JPMorgan Chase und der Deutschen Bank, Fortinet an die Technologiebörse Nasdaq. Der Gang aufs Parkett war einer der erfolgreichsten des Jahres.

Kronjuwel einer Karriere

Zwischen den Computerfreaks des Silicon Valley und den Bankern der Wall Street liegen nicht nur 5000 Kilometer, sondern auch geistige Welten. Hier technikverliebte Tüftler, dort hungrige Dealmaker. Doch Grimes schafft es, diesen Gegensatz zu überbrücken. Den Valley-Unternehmern gilt Grimes als einer der ihren. Zum Gründungsteam von Google etwa pflegte Grimes bereits seit 1999 ein enges Verhältnis - der Lohn kam fünf Jahre später beim Börsengang der Suchmaschine. Und auch in Sachen Facebook begann alles mit alten Verbindungen: 2001 lernte Grimes auf einer der allgegenwärtigen Silicon-Valley-Cocktailpartys Sheryl Sandberg kennen, die Ex-Stabschefin von Bill Clintons Finanzminister Lawrence Summers. Sandberg suchte damals einen Job. Sie ging als Vizepräsidentin zu Google, arbeitete dort mit Grimes beim Börsengang zusammen und wechselte 2008 zu Facebook.

Grimes war nicht der einzige, der Facebook via Sandberg anbaggerte. Auch JPMorgan-Chef Jamie Dimon, ein alter Freund Sandbergs, antichambrierte bei ihr. Um ihre Chancen auf den Auftrag zu mehren, richteten sich viele Banker sogar persönliche Facebook-Profile ein, obwohl ihnen das per Dienstordnung ihrer Institute untersagt ist.

Am Ende sicherte sich Grimes - der bereits seit 2007 bei Facebook postet - die Führung beim Börsengang. Goldman Sachs muss sich mit einer Assistentenrolle begnügen, obwohl das Institut im Januar 2011 1,5 Milliarden Dollar in Facebook investiert hatte.

Die geistige Nähe zum Valley könnte darin begründet liegen, dass Grimes seine Karriere selbst mit einem kurzen Gastspiel als Software-Ingenieur begonnen hat. Anschließend landete er erst beim Investmenthaus Salomon Brothers, danach bei Bear Stearns. 1995 heuerte ihn der legendäre Banker Frank Quattrone bei Morgan Stanley an. Kurz darauf liefen Quattrone und fast seine gesamte Tech-Abteilung zur Konkurrenz über.

Grimes blieb. Es war sein Glück: Quattrone geriet später ins Kielwasser von Insiderhandel-Ermittlungen. Es kostete ihn Jahre, um sich zu rehabilitieren. Sein einstiger Angestellter hingegen dominiert heute das Geschäft mit Tech-Börsengängen in den USA. Und zwar dank genau jenen Eigenschaften, die Investmentbankern gemeinhin abgesprochen werden: Verlässlichkeit, Bescheidenheit und eine gewisse Langfristorientierung, die nicht nur auf den schnellen Dollar setzt.

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stubborn 15.02.2012
1. und zum guten Schluß...
...wuchsen König Midas Eselsohren....
xandrino 15.02.2012
2. Wer zuerst kommt...
malt zuerst. Die einzigen die mit dem Börsengang von FB Geld machen werden, sind das Management von FB und die am IPO beteiligten Banken. Wohin soll den die Bewertung von FB gehen? Welche Grundlagen hat dieses Unternehmen? Wie schnell kann man ohne FB leben? Antwort: Sehr schnell und je schneller man ohne etwas leben kann, desto schneller sinkt der Wert. Wird ein kurzer Spaß werden...
mr.ious 15.02.2012
3.
Zitat von xandrinomalt zuerst. Die einzigen die mit dem Börsengang von FB Geld machen werden, sind das Management von FB und die am IPO beteiligten Banken. Wohin soll den die Bewertung von FB gehen? Welche Grundlagen hat dieses Unternehmen? Wie schnell kann man ohne FB leben? Antwort: Sehr schnell und je schneller man ohne etwas leben kann, desto schneller sinkt der Wert. Wird ein kurzer Spaß werden...
Sie haben T-Aktien ? Ich geb's zu, ich habe nichts mit facbook am Hut, aber das muß nichts heißen. Was sich so zu lesen fand, das verspricht zwar nichts und die Aufregung ist oft in die Artikel fabriziert, als ob die Aussicht, daß Rad neu Erfinden zu können, nur nicht gennant wird um's nicht all zu früh zu verraten, aber das kann sich durchaus stabil und wertvoller entwickeln als es jetzt ist. Wie gut das bewertet ist, das ist nicht so leicht einzuschätzen, weil es was mit Begeisterrung zu tun hat, aber mit der richtigen Werbung, oder besser, dem richtigen Zuschnitt davon, kann das doch sehr dauerhafte Kunden bringen. Letzte Woche war die Vorstellung, daß sich da jemand ins Telefongespräch drängt, der zu aufgeschnappten Wörtern Werbetexte abspult, wobei somit dazwischen gequatscht wird, genau so denkbar wie wohl auch ein wenig beabsichtigt. Aber so muß das ja übertragener Weise nicht sein, was facebook da vor hat. Erinnert aber sehr an die Jahre als die EDV und Computer gestützte Anwendungen in alle Betriebe Einzug halten sollte, ob nützlich oder nicht.
xandrino 16.02.2012
4.
Zitat von mr.iousSie haben T-Aktien ? Ich geb's zu, ich habe nichts mit facbook am Hut, aber das muß nichts heißen. Was sich so zu lesen fand, das verspricht zwar nichts und die Aufregung ist oft in die Artikel fabriziert, als ob die Aussicht, daß Rad neu Erfinden zu können, nur nicht gennant wird um's nicht all zu früh zu verraten, aber das kann sich durchaus stabil und wertvoller entwickeln als es jetzt ist. Wie gut das bewertet ist, das ist nicht so leicht einzuschätzen, weil es was mit Begeisterrung zu tun hat, aber mit der richtigen Werbung, oder besser, dem richtigen Zuschnitt davon, kann das doch sehr dauerhafte Kunden bringen. Letzte Woche war die Vorstellung, daß sich da jemand ins Telefongespräch drängt, der zu aufgeschnappten Wörtern Werbetexte abspult, wobei somit dazwischen gequatscht wird, genau so denkbar wie wohl auch ein wenig beabsichtigt. Aber so muß das ja übertragener Weise nicht sein, was facebook da vor hat. Erinnert aber sehr an die Jahre als die EDV und Computer gestützte Anwendungen in alle Betriebe Einzug halten sollte, ob nützlich oder nicht.
:-) der Kelch mit den T-Aktien ist glücklicher Weise an mir vorbeigezogen ohne sich zu leeren, weder der Kelch noch mein Konto ;-) Ich gebe Ihnen aber Recht, die Aktie kann durchaus steigen, wenn das Unternehmen weiterhin so gehypt wird. Vgl. Apple, nur das Apple eben physische Dinge herstellt die einen tatsächlichen Nutzen haben. Deshalb widerspreche ich Ihnen im Bezug auf Werbung, hier wird FB niemals an Google herankommen (nein ich habe keine Google-Aktien, zu meinem Leidwesen). Vor allem da die Werbung trotz der Daten die FB hat nicht so zielgerichtet kommt. Grüße Xandrino
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