Quartalszahlen Facebook enttäuscht mit Rekordgewinn

Facebook hat im vierten Quartal rund 7,3 Milliarden Dollar verdient. Was wie eine obszön hohe Summe anmutet, betrachten Experten und Anleger als Warnsignal.
Facebook-Logo: Zunehmend unter Druck

Facebook-Logo: Zunehmend unter Druck

Foto: Richard Drew/ AP

Für Facebook könnten die Jahre des Rekord-Wachstums vorbei sein. Steigende Kosten nach Vorwürfen mangelnden Datenschutzes, zunehmend gesättigte Märkte und Skandale um Falsch-Informationen machen dem sozialen Netzwerk zu schaffen.

Zwar kletterte die Zahl der monatlichen Nutzer auf weltweit mehr als 2,5 Milliarden Menschen, doch legt der Umsatz im Schlussquartal nicht mehr so schnell zu wie in der Vergangenheit. Höhere Kosten drückten zudem die operative Rendite. Der Gewinn stieg um vergleichsweise moderate sieben Prozent auf 7,35 Milliarden Dollar. Aktien des über Jahre erfolgsverwöhnten US-Konzerns gaben daraufhin um mehr als sieben Prozent nach.

Facebook, der weltweit größte Verkäufer von Online-Werbung, vermeldete mit einem Wachstum von immerhin noch 25 Prozent auf gut 21 Milliarden Dollar das niedrigste Umsatzplus für ein viertes Quartal in seiner Geschichte. Im laufenden Quartal werde es nicht besser werden, räumte Finanzchef David Wehner ein. Facebook blickt nun schon auf vier Quartale in Folge zurück, in denen das Umsatzwachstum unter 30 Prozent lag.

Hohe Ausgaben für Sicherheit

Vor dem Jahr 2018 hatte der Konzern regelmäßig Wachstumsraten von mehr als 40 Prozent vermeldet. Auch hinterließen nicht zuletzt höhere Ausgaben für die Sicherheit Spuren in der Quartalsbilanz. Facebooke investierte unter anderem massiv in die Infrastruktur und zusätzliche Mitarbeiter, die Inhalte löschen. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben auf gut 12,2 Milliarden Dollar - ein unerwartet starker Anstieg von 34 Prozent.

Facebook steht seit Jahren wegen seines Umgangs mit dem Datenschutz in der Kritik. Dem Konzern wird zudem vorgeworfen, dass sein Netz zur Verbreitung von falschen Informationen genutzt werde, auch der Umgang mit Wahlwerbung ist umstritten.

Social-Media-Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, keine Werbung mehr zu verbreiten, die falsche Informationen zum Inhalt hat und damit Einfluss auf den Ausgang von Wahlen nimmt.

Verbraucher-Sammelklage beigelegt

Der gesamte Facebook-Konzern, zu dem auch die Dienste WhatsApp und Instagram gehören, steht wegen Datenskandalen, Hasskommentaren und Falschinformationen von Nutzern unter besonderer Beobachtung auch der Regulierer. Das Management hatte bereits angekündigt, dass neue Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre das Umsatzwachstum bremsen würden.

Mit den Quartalszahlen gab Facebook auch eine Zahlung von 550 Millionen Dollar im US-Bundesstaat Illinois für die Beilegung einer Verbraucher-Sammelklage wegen der Gesichtserkennungs-Funktion auf der Plattform bekannt. Die Kläger hatten Facebook vorgeworfen, gegen lokale Gesetze verstoßen zu haben, weil biometrische Daten ohne Wissen der Nutzer erhoben worden seien. Die Funktion schlägt Namen von Facebook-Freunden zum Markieren in Fotos vor.

Facebooks Gründer und Chef Mark Zuckerberg kündigte an, er wolle die Positionen des Online-Netzwerks offensiver vertreten. "Mein Ziel für das nächste Jahrzehnt ist es nicht, gemocht, sondern verstanden zu werden", sagte er. "Damit man Vertrauen gewinnen kann, müssen die Leute wissen, wofür man steht." So wolle Facebook verstärkt die Redefreiheit, die Verschlüsselung und sein werbebasiertes Geschäftsmodell verteidigen.

mik/Reuters/dpa
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