Instagram-Deal Facebook schluckt potentiellen Rivalen für eine Milliarde Dollar

Kurz vor dem Mega-Börsengang macht Facebook Schlagzeilen mit einer spektakulären Übernahme. Der Web-Konzern schluckt den Fotodienst Instagram - für eine Milliarde Dollar. Das Start-up hat zwar nur ein Dutzend Mitarbeiter und erwirtschaftet kaum Umsatz. Dennoch feiern Beobachter den Deal.
Instagram-Anwendung: "Das ist ein wichtiger Meilenstein"

Instagram-Anwendung: "Das ist ein wichtiger Meilenstein"

Foto: Karly Domb Sadof/ AP

San Francisco/New York - Viele Nutzer, aber wenig Umsatz: Was lange Zeit für Facebook galt, gilt auch für den größten Zukauf des Web-Konzerns. Der Fotodienst Instagram hat zwar nur rund ein Dutzend Mitarbeiter, aber inzwischen schon etwa 30 Millionen User weltweit. Und Insidern zufolge hätte sich der App-Entwickler zu einem echten Rivalen für Facebook entwickeln können.

Dem kommt Firmenchef Mark Zuckerberg nun zuvor. Für eine Milliarde Dollar kauft er Instagram. Trotz der ansteigenden Bewertungen für Start-ups im Silicon Valley überraschte Beobachter der Preis für ein Unternehmen ohne nennenswerten Umsatz. Der Facebook-Chef zeigte sich dennoch überzeugt von dem Deal. "Das ist ein wichtiger Meilenstein für Facebook, weil es das erste Mal überhaupt ist, dass wir ein Produkt beziehungsweise ein Unternehmen mit so vielen Nutzern übernommen haben", schrieb Zuckerberg auf seiner Facebook-Seite.

Experten vermuten, dass Facebook mit dem Deal einen möglichen Rivalen einfangen hat oder zumindest verhindern will, dass die Firma Konkurrenten wie Twitter oder Google   in die Hände fällt. Instagram wäre auch für diese Firmen äußerst wertvoll, sagte Lou Kerner, Gründer des Social Internet Fund. Daher sei der Schritt von Facebook sowohl defensiv als auch offensiv. Mit dem Kauf von Instagram habe Facebook nicht nur einen potentiellen Konkurrenten aus dem Weg geräumt, sondern sich auch eine Technologie "mit wahnsinniger Zugkraft" verschafft, sagte Michael Pachter, Analyst beim Finanzdienstleister Wedbush.

Ein ungewöhnlicher Deal für Facebook

Die zuletzt immer populärere Instagram-Anwendung erlaubt es Nutzern, ihre mit dem Smartphone aufgenommenen Fotos mit Filtern und Effekten zu bearbeiten und dann ins Internet zu stellen. Instagram ist seit Anfang 2011 verfügbar und seither rasend schnell gewachsen. Einem Insider zufolge hatte das Unternehmen zuletzt verschiedene Strategien ausgelotet, um den Dienst in ein soziales Netzwerk auszuweiten.

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Foto: Ole Reißmann

Viele weitere Zukäufe dieser Art werde es aber nicht geben, vielleicht kämen auch gar keine weiteren hinzu, so Zuckerberg. Facebook will die Übernahme, die in diesem Quartal abgeschlossen werden soll, mit Bargeld und eigenen Aktien bezahlen. Der Deal ist für Facebook ungewöhnlich. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen eher kleinere Firmen geschluckt, um an deren Fachkräfte zu gelangen. Anders als bei bisherigen Übernahmen soll Instagram als eigenständiger Dienstleister erhalten bleiben. Facebook wolle Instagram sogar um Anwendungen erweitern, teilten beide Unternehmen mit.

Der Schritt ähnelt dem Kauf von YouTube durch Google   für 1,65 Milliarden Dollar im Jahr 2006. Das Video-Portal hat eigene Büros in San Francisco behalten und arbeitet größtenteils unabhängig im Gefüge des Suchmaschinenkonzerns.

Facebook strebt derzeit an die Börse. Wahrscheinlicher Termin ist der Mai. Es wird erwartet, dass das weltgrößte soziale Netzwerk mit rund 850 Millionen Nutzern dann fünf Milliarden Dollar einsammelt. Das wäre der bisher größte Börsengang eines Internetunternehmens. Da der Konzern nur einen kleinen Teil seiner Aktien bei dem Börsengang verkaufen will, könnte der Gesamtkonzern mit bis zu 100 Milliarden Dollar bewertet werden.

Laut einem Zeitungsbericht hat sich das Unternehmen für seine milliardenschwere Aktienplatzierung die Technologiebörse Nasdaq ausgesucht. Die Nasdaq, an der auch andere große Internetkonzerne wie Apple  , Google   oder Microsoft   notiert sind, habe sich im Rennen mit der New Yorker Börse NYSE Euronext durchgesetzt, berichtete die "Financial Times".

stk/Reuters/dpa