Übernahme durch Facebook Datenschützer ruft zu Boykott von WhatsApp auf

Die WhatsApp-Übernahme durch Facebook hat Europas Verbraucherschützer aufgeschreckt: Datenschützer empfehlen, beide Apps zu boykottieren und auf deutsche oder europäische Angebote auszuweichen. Ein Grünen-Europaabgeordneter fordert zudem eine Kartellprüfung des Deals.
Apps auf einem iPhone: Boykott wegen Datenschutzbedenken

Apps auf einem iPhone: Boykott wegen Datenschutzbedenken

Foto: Andrew Gombert/ dpa

Hamburg - Facebook hat mit WhatsApp einen seiner größten Konkurrenten gekauft - die Nutzer haben davon aber wenig, finden Datenschützer und Politiker. Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, rät zum Boykott beider Anwendungen: "Ich warne davor, die beiden Dienste zu nutzen, und empfehle, deutsche oder sonstige europäische Angebote zu verwenden", sagte Weichert dem "Handelsblatt". Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert sei, der solle auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen, so Weichert.

WhatsApp sei eine "Datenschleuder, die technisch nicht ausgereift ist", sagte der Datenschützer. Er gehe davon aus, dass Facebook die Daten der WhatsApp-Nutzer für kommerzielle Zwecke ausbeute. Weichert warnte davor, dass durch den Facebook-Deal die Konkurrenz weitgehend ausgeschaltet werde.

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Ähnlich äußerte sich der Grünen-Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht: "Die EU-Kommission muss prüfen, ob sie ein wettbewerbsrechtliches Verfahren einleitet", sagte Albrecht dem Bericht zufolge. Es sei "offenkundig, dass Facebook und WhatsApp zusammen eine marktbeherrschende Stellung einnehmen" und zu Monopolisten in Europa würden, sagte der Grünen-Rechtsexperte.

Die EU-Kommission in Brüssel müsse jetzt handeln. Es gebe genügend Anhaltspunkte für eine Wettbewerbsverzerrung. "Facebook und WhatsApp stellen eine ziemliche Bedrohung für ihre Konkurrenz in Europa und die Verbraucher dar", sagte Albrecht. Indirekt rief er die Verbraucher zum Boykott von Facebook und WhatsApp auf. "Wer nicht will, dass seine Daten in einer dubiosen App verschwinden, sollte auf datensichere Angebote zurückgreifen." Die Datenschutzverstöße bei Facebook und WhatsApp seien ein großes Problem.

Das Online-Netzwerk Facebook hatte am Mittwoch mitgeteilt, den beliebten Kurzmitteilungsdienst WhatsApp für 19 Milliarden Dollar zu übernehmen. WhatsApp ermöglicht es, Textmitteilungen, Fotos, Videos und Audiodaten kostenlos übers Internet zu verschicken. Der Dienst hat derzeit nach eigenen Angaben 450 Millionen Nutzer weltweit. WhatsApp soll weiter ein unabhängiges Unternehmen bleiben. Auch für seine Nutzer soll sich zunächst nichts ändern.

nck/AFP
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