Datenschutz-Ermittlungen Facebook bereitet sich auf Milliardenstrafe vor

Der Skandal um Cambridge-Analytica und die jüngsten Datenschutz-Pannen könnten Facebook Milliarden kosten. Das Unternehmen legt deswegen vorsichtshalber Geld zur Seite.

Facebook-Panel (Archiv)
Eric Gaillard/ REUTERS

Facebook-Panel (Archiv)


Facebook stellt sich wegen der jüngsten Datenschutzskandale auf eine Milliarden-Strafzahlung ein. Das Onlinenetzwerk rechnet damit, dass die Affären bis zu fünf Milliarden Dollar kosten werden.

Im Zusammenhang mit entsprechenden Ermittlungen der US-Handelsbehörde FTC legte Facebook im vergangenen Quartal bereits drei Milliarden Dollar für etwaige Strafzahlungen beiseite. Insgesamt könne die Belastung auch fünf Milliarden Dollar erreichen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Die Ermittlungen der FTC können zum Beispiel mit einer Strafe oder mit einem Vergleich enden. Auslöser für die Untersuchung war vor allem der Skandal um Cambridge Analytica.

Der frühere FTC-Vertreter David Vladeck sagte, in jedem Fall wäre dies das höchste Bußgeld, das jemals an die Behörde gezahlt wurde. "Es steht außer Frage, dass Facebook sich hier einigen muss. Die Anleger wollen, dass die Angelegenheit bereinigt wird", ergänzte Vladeck, der inzwischen Professor an der Georgetown Law School ist.

Aktie legt zu

Facebook kann einen solchen Betrag leicht verschmerzen - das Onlinenetzwerk verfügt eigenen Angaben zufolge über Geldreserven von mehr als 45 Milliarden Dollar. Die Anleger zeigten sich entspannt nach der Ankündigung der Rückstellung: Die Aktie legte im nachbörslichen Handel um mehr als sieben Prozent zu.

Die Vorsorge drückte zugleich den Gewinn im vergangenen Quartal auf 2,43 Milliarden Dollar nach knapp fünf Milliarden ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 26 Prozent auf gut 15 Milliarden Dollar. Nach wie vor werden 93 Prozent der Werbeerlöse auf Mobilgeräten wie Smartphones erwirtschaftet.

Die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer wuchs dem Unternehmen zufolge binnen drei Monaten um rund 60 Millionen auf 2,38 Milliarden. Täglich griffen auf das Onlinenetzwerk 1,56 Milliarden Nutzer zu - nach 1,52 Milliarden im Vorquartal.

Über alle Facebook-Angebote hinweg - zum Konzern gehören auch die Chatdienste WhatsApp und Messenger sowie die Fotoplattform Instagram - waren 2,7 Milliarden Nutzer aktiv, davon 2,1 Milliarden täglich.

Asien-Geschäft gewinnt an Bedeutung

Die Zuwächse kamen vor allem aus Asien. In Europa legte die Zahl der mindestens einmal im Monat aktiven Nutzer um drei Millionen auf 384 Millionen zu. Im vergangenen Jahr war die europäische Nutzerzahl zeitweise zurückgegangen, vermutlich wegen der Umstellung durch die Datenschutz-Grundverordnung DSGVO, bei der neue Zustimmungen zur Datenverarbeitung eingeholt werden mussten.

Die Zahl der Mitarbeiter wuchs seit Jahresbeginn von knapp 35.600 auf fast 37.800. Facebook erweitert unter anderem ständig die Teams, die unerlaubte oder kriminelle Inhalte löschen. Das Onlinenetzwerk stand im vergangenen Quartal unter anderem in der Kritik, weil das Live-Video des verheerenden Anschlags auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch über die Facebook-Plattform gestreamt worden war.

Im Fall Cambridge Analytica hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor Jahren einige Informationen von Millionen Facebook-Nutzern an die Datenanalyse-Firma weitergegeben. Facebook teilte zwar mit, der Entwickler habe damit gegen die Regeln verstoßen. Das Onlinenetzwerk geriet aber trotzdem in die Kritik, weil die Datenweitergabe überhaupt möglich war - und weil Facebook zwar schon seit Ende 2016 davon wusste, aber sich mit der Zusicherung zufriedengab, dass die Daten gelöscht worden seien.

Die FTC hatte ihre Untersuchungen vor rund einem Jahr eingeleitet, nachdem der Fall öffentlich bekannt geworden war. Die Behörde prüft unter anderem, ob Facebook mit der Möglichkeit zur Datenweitergabe gegen eine Vereinbarung mit der FTC aus dem Jahr 2011 verstoßen haben könnte. Damals hatte das Onlinenetzwerk in einem Vergleich nach Datenschutz-Verstößen unter anderem zugesichert, keine Informationen von Nutzern ohne ihre Zustimmung weiterzugeben.

brt/dpa/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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bernteone 25.04.2019
1. Warum sind eigentlich keine Europäischen
Behörden am ermitteln und an Strafen zu erlassen . Ist doch ein weltweiter Konzern da sind wohl.nicht nur Amerikaner Geschädigte . Das ist eine schöne Einnahmequelle die sich die USA da geöffnet hat . Banken , Ölkonzerne , Autor Hersteller , IT Konzerne usw. Alle blechen Milliarden und Nutznießer ist der Amerikanische Staat . Wohl nicht immer der Geschädigte .
hausfeen 25.04.2019
2. Cambridge Analytica war wohl keine "Panne", eher ein ...
... Komplott, in den Zuckerberg (ach was, aber der ist doch kein Russe!) selbst in den US-Wahlkampf eingegriffen kann. Spuren nur lustlos vermischt. Mit der Geldstrafe kommt er doch gut bei weg, weil er sein Geschäftsprinzip nicht wirklich ändern muss. Die ganz normale Anwendung diverser (existierender) Telekommunikationsgesetze auf Facebook wäre fast schon die Höchststrafe.
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