Umsatzboom im Mobilgeschäft Facebook wird erwachsen

Das gefällt der Wall Street: Zwei Jahre nach dem verpatzten Börsengang kriegt Facebook die Kurve. Weltweit hat das Netzwerk 1,2 Milliarden Nutzer - und es verdient den Großteil seines Geldes mit Mobilwerbung, dem Geschäft der Zukunft.
Facebook-Chef Zuckerberg (2013): "Ein tolles Quartal"

Facebook-Chef Zuckerberg (2013): "Ein tolles Quartal"

Foto: Marcio Jose Sanchez/ AP

Mark Zuckerberg ist erwachsen geworden. Lange verweigerte sich der 29-jährige Facebook-Gründer den täglichen Sorgen eines Konzernchefs. Umsatz, Gewinn, Wachstum? Für ihn blieb Facebook eine rein idealistische Mission, "um die Welt offener und verbundener zu machen", wie er zum Börsengang 2012 postulierte. "Facebook war ursprünglich nicht dazu geschaffen, ein Unternehmen zu sein."

Doch jetzt, zu ihrem zehnten Geburtstag am kommenden Dienstag, ist die einstige Studenten-Website eben doch ein globaler Milliardenbetrieb. Selbst Zuckerberg hat seinen Elfenbeinturm auf Druck der Wall Street verlassen, hat erkannt, dass sich sein Ziehkind den Vorgaben des Marktes beugen und Wege finden muss, Geld zu verdienen. Viel Geld.

Dieser erwachsene Zuckerberg war am Mittwochabend zu erleben, als er den Wall-Street-Analysten die jüngsten Facebook-Bilanzzahlen* präsentierte. "Es war ein tolles Quartal und eine tolle Art, das Jahr abzuschließen", freute er sich und wechselte dann, fast mühelos, in den Fachjargon: "Strategie", "Kernprodukt", "Langzeitvision".

Tatsächlich berauschten die Zahlen nicht nur die Wall Street. Fast zwei Jahre nach der verbockten Börsenpremiere setzte Facebook im Schlussquartal 2013 mit 2,6 Milliarden Dollar satte 63 Prozent mehr um als in den drei Monaten zuvor - viel mehr, als Analysten erwartet hatten. Der Werbeumsatz wuchs sogar um 76 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar.

"Die Nachfrage geht durch die Decke"

Die wichtigste Nachricht aber: Erstmals kam die Mehrheit dieses Werbeumsatzes - 53 Prozent, vier Prozent mehr als im dritten Quartal - von Anzeigen auf Smartphones, Tablets und anderen Mobilgeräten. "Wir haben die 50-Prozent-Schwelle geknackt", freute sich Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg.

Ein dramatischer Wandel: Noch vor zwei Jahren existierte Facebooks Mobilgeschäft so gut wie gar nicht. "Der Wechsel von Desktop- zu mobiler Werbung scheint sich schneller zu vollziehen, als man das vor drei oder sechs Monaten noch erwartet hatte", staunte der Analyst Arvind Bhatia im TV-Sender CNBC.

Die Wall Street jubelt. Die Facebook-Aktie stieg im nachbörslichen Handel um bis zu zehn Prozent an. "Es fällt schwer, in diesem Quartal Fehler zu sehen", sagte der Analyst Ron Josey der "New York Times". "Die Nachfrage nach Facebook-Werbung geht durch die Decke."

Das ist das Ergebnis eines kräftigen Umdenkens bei Facebook. Nach langem Zaudern trifft sich Zuckerberg inzwischen regelmäßig mit Werbekunden, pilgerte sogar nach Illinois zur McDonald's-Zentrale, um Feedback einzuholen. Vor allem zeigte er sich offen für den Einsatz demografisch gezielter, von Algorithmen gesteuerter Werbung im Newsfeed - dem heiligen Gral, auf dessen Änderungen viele Nutzer allergisch reagieren.

Junge Nutzer haben hohe Priorität

Unterdessen erstellte Top-Ingenieur Andrew Bosworth, wie das "Wall Street Journal" neulich kolportierte, ein rund 80-seitiges Spreadsheet für neue Umsatzstrategien. Zuckerbergs Name für das interne Projekt: "Prioritätensetzung".

Eine ganz besondere Priorität sind die jüngsten Nutzer. Laut wird gemunkelt, dass immer mehr Teenager zu anderen Networks abwanderten. Doch die Panik scheint überzogen. Eine breit publizierte Studie, wonach Facebook in den nächsten drei Jahren 80 Prozent seiner Nutzer verlieren würde , entpuppte sich als unhaltbar. Facebook konterte mit einer eigenen "Studie" nach gleichen Maßstäben, die ergab, dass Princeton bis 2021 redundant geworden sei.

"Immer mit der Ruhe", schreibt Internetanalyst Nate Elliot im Magazin "Forbes". "Facebook stirbt nicht." Das zeigen denn auch die aktuellen Nutzerzahlen:

  • 1,2 Milliarden Menschen nutzten Facebook im vierten Quartal mindestens einmal im Monat, 3,4 Prozent mehr als im Quartal zuvor.
  • 78 Prozent davon (945 Millionen Menschen) nutzen das Netzwerk inzwischen mobil, ein Plus von 8,1 Prozent.

Zuckerberg überlässt trotzdem nichts dem Zufall. Als die neue Kurznachrichten-App Snapchat Furore zu machen begann, versuchte er sie erst zu kopieren - und dann zu kaufen, wie 2012 auch die Foto-Sharing-Site Instagram.

Doch obwohl Zuckerberg drei Milliarden Dollar in bar bot, winkte Snapchats erst 23-jähriger Mitbegründer Evan Spiegel dankend ab: An "kurzfristigem Gewinn" sei er nicht interessiert.

Anders als Zuckerberg ist er noch idealistisch.

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