Fachkräftemangel Firmen fehlen 30.000 Lehrlinge 

Die Unternehmen klagen über einen massiven Mangel an Bewerbern, sie finden immer seltener Auszubildende - laut Bundesregierung ist die Zahl der freien Lehrstellen stark gestiegen. Für Berufseinsteiger hat sich die Lage damit verbessert, Gewerkschafter halten die Zahlen allerdings für geschönt.

Azubi in der Werkstatt: Sinkende Bewerberzahlen
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Azubi in der Werkstatt: Sinkende Bewerberzahlen


Berlin - Für deutsche Unternehmen wird es immer schwieriger, ihren Bedarf an Fachkräften zu sichern. Ende September waren laut Bundesagentur für Arbeit (BA) noch knapp 29.700 Lehrstellen unbesetzt. Bei sinkenden Bewerberzahlen stieg das Lehrstellenangebot. Mit einem Plus von 10,2 Prozent wurden vor allem deutlich mehr betriebliche Lehrstellen angeboten.

Für Berufseinsteiger sind das gute Neuigkeiten: Die Chancen, rasch eine Lehrstelle zu finden, steigen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund ( DGB) sprach deshalb auch von einem erfreulichen Trend. Doch so ganz zufrieden geben sich die Gewerkschafter nicht. Sie warfen der Bundesregierung und den Wirtschaftsverbänden vor, die Situation mit Rechentricks schön zu rechnen.

Doch eines ist klar: Immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt. Bei den Arbeitsagenturen waren bis Ende September 519.500 Ausbildungsstellen mehr gemeldet als 2010. Davon waren Ende September noch 29.689 unbesetzt. Dem standen 11.550 noch unversorgte Bewerber gegenüber. Rechnerisch gab es somit zum Beginn des Ausbildungsjahres noch 18.100 offene Lehrstellen mehr als unversorgte Bewerber.

Im vorigen Jahr betrug dieser Überhang nur 7400 Stellen. In Industrie und Handel wurden nach Angaben von Bundesregierung und Wirtschaft bis Ende Oktober 340.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das seien 12.900 oder 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

DGB zählt mehr unversorgte Bewerber

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock zog eine gemischte Bilanz. "In diesem Jahr scheint es, als hätten wir die Talsohle durchschritten und könnten mit einem Plus von 3,4 Prozent Verträgen uns wieder normalen Verhältnissen nähern", erklärte Sehrbrock. Es sei aber falsch, wenn im Ausbildungspakt, bei dem die Gewerkschaften nicht mitmachen, von glänzenden Chancen für junge Leute die Rede sei.

Regierung und Wirtschaft zählten 65.200 Jugendliche als versorgt, "die sich mit Bewerbungstrainings, Einstiegsqualifizierungen und Praktika über Wasser halten". In Wahrheit liege die Zahl der unversorgten Bewerber somit bei 76.800. Sie übersteige damit die Zahl der noch offenen Plätze um mehr als das Doppelte.

Deutsche Produktion mit stärkstem Einbruch seit Anfang 2009

Neben dem Fachkräftemangel klagen die deutschen Unternehmen auch über eine schwächelnde Konjunktur. Im September haben die Firmen ihre Produktion so kräftig gedrosselt wie über zweieinhalb Jahren nicht mehr. Sie sank um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009, als die weltweite Finanzkrise die Produktion um 6,8 Prozent einbrechen ließ. "Diese Abschwächung ist allerdings durch die späte Lage der Sommerferien in diesem Jahr und die damit einhergehenden Produktionseinbußen überzeichnet", hieß es aus dem Ministerium.

Trotz des Rückschlags im September zog die Produktion im dritten Quartal insgesamt um 1,7 Prozent an. Die Industrie blieb damit eine wichtige Konjunkturstütze. Analysten sagen für Juli bis September einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent voraus. Im zweiten Quartal hatte es nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gegeben. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 15. November.

Allerdings spürt die Industrie immer stärker die Folgen der Schuldenkrise in Europa. Wegen der schwachen Nachfrage aus den Euro-Ländern brachen ihre Aufträge im September mit 4,3 Prozent nicht nur den dritten Monat in Folge ein, sondern zugleich so stark wie seit knapp drei Jahren nicht mehr.

ssu/cte/dapd/Reuters



insgesamt 167 Beiträge
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Seite 1
supersozius 07.11.2011
1. Wenn die Firmen ...
... wie es sich gehört selber ihre Lehrlinge ausbilden würden, dann hätten sie auch genügend davon.
gast2011 07.11.2011
2. glaube ich gerne...
die gesuchten stehen vor der disco mit kippe im mund, redbull in der hand und pöbeln lieber rum. ausserdem reicht das geld aus dem sozialamt und den eltern locker um 4 der 7 tage in der disco rumzuhängen.
kdshp 07.11.2011
3. Die Unternehmen klagen
Zitat von sysopDie Unternehmen klagen über einen massiven Mangel an Bewerbern, sie finden immer seltener Auszubildende - laut Bundesregierung ist die Zahl der freien Lehrstellen*stark gestiegen. Für Berufseinsteiger hat sich die Lage damit verbessert, Gewerkschafter halten die Zahlen allerdings für geschönt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796302,00.html
Hallo, klar klagen die unternehmer denn so fallen billige arbeitskräfte weg! Ich erlebe es doch selber täglich das "lehrlinge" (auszubildene) in der produktion voll eingesetzt werden und mitarbeiter ersetzen. Auch diesen angeblichen fachkräftemangel kann ich nicht nachvollziehen wenn diese benötigt werden gehen die firmen hin die ich kenne und rufen zeitarbeitsfirmen an und haben am kommenden tag ihre fachkraft.
b_russel 07.11.2011
4. --
Zitat von supersozius... wie es sich gehört selber ihre Lehrlinge ausbilden würden, dann hätten sie auch genügend davon.
Woher sollen sie denn Lehrlinge nehmen, wenn sich keine Bewerben? Sollen sie sie vielleicht backen??
LosDonOs 07.11.2011
5. Hier könnte ihre Werbung stehen
Wie können 30.000 Lehrlinge fehlen, wenn fast 80.000 eine Lehrstelle suchen. Verschärft wird die Situation sicherlich auch durch zu hohe Anforderungen an die Lehrstellenbewerbern.
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