Fachkräftemangel Zahl der Beschäftigten im Sanitär- und Heizungsbau schrumpft deutlich

Zum Austausch alter Heizungen werden Fachkräfte derzeit dringend gesucht. Doch immer weniger Menschen arbeiten in der überalternden Branche. Der Handwerkspräsent klagt: »Die Überakademisierung ist ein Irrweg.«
Wärmepumpe im Keller eines Wohnhauses: 9,4 Prozent weniger Beschäftigte im Sanitär- und Heizungsbau als noch vor zehn Jahren

Wärmepumpe im Keller eines Wohnhauses: 9,4 Prozent weniger Beschäftigte im Sanitär- und Heizungsbau als noch vor zehn Jahren

Foto:

Silas Stein / dpa

Wärmepumpen, Solarthermieanlagen und andere umweltfreundlichere Heizsysteme gelten als Schlüssel für den Kampf gegen die Abhängigkeit von russischer Energie. Doch für Einbau und Wartung dieser Anlagen fehlt immer mehr Personal.

Im Sanitär- und Heizungsbau ist die Zahl der Beschäftigten binnen zehn Jahren um satte 9,4 Prozent geschrumpft, wie das Statistische Bundesamt mitteilte . In der Branche waren im vergangenen Jahr deutschlandweit nur noch 275.000 Menschen erwerbstätig. Zehn Jahre zuvor waren es noch knapp 303.000 Personen gewesen.

Hinzu kommt: Nahezu jeder fünfte Beschäftigte war 2021 zwischen 55 und 64 Jahren alt – und dürfte daher in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden.

Tausende Lehrstellen im Handwerk unbesetzt

Angesichts des Fachkräftemangels generell fordert Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer eine »Bildungswende«. »Wir gehen von einer Viertelmillion Fachkräften aus, die im Handwerk fehlen. Uns fehlen in der Ausbildung sehr viele junge Leute.« Von der Politik ausgerufene Ziele seien deshalb schwierig zu schaffen.

»Wir sind bereit, die Ausbildungskapazitäten hochzufahren«, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. »Das Problem liegt woanders: Unsere Betriebe bieten schon seit Jahren Tausende Ausbildungsplätze und damit Ausbildungschancen an, die aber nicht genutzt werden. Wir brauchen Bewerberinnen und Bewerber dafür. Das ist das Problem.«

Es sei mehr Wertschätzung und mehr Anerkennung für die berufliche Bildung nötig, vor allem aber auch eine auskömmliche Finanzierung der beruflichen Bildung, sagte Wollseifer. »Unsere Bildungsstätten sowie die Berufsschulen dürfen nicht länger als bildungspolitische Stiefkinder behandelt werden. Es darf keine Zweiklassengesellschaft in der Bildungspolitik mehr geben.«

Nur jeder 75. Lehrling ist weiblich

Bildungswende bedeutet für den Handwerkspräsidenten: »Wir müssen weg von der Vorstellung, dass nur ein Studium beruflichen und persönlichen Erfolg bringen kann und hin zu mehr Anerkennung und Wertschätzung der beruflichen Bildung.« Es komme vor allem auf vier Punkte an:

  • »Die Überakademisierung ist ein Irrweg«, sagte Wollseifer. Berufliche und akademische Bildung seien gleichermaßen wichtig, um die Transformation zu bewerkstelligen. Sie müssten auch gleichwertig behandelt werden.

  • Die Gleichwertigkeit müsse gesetzlich verankert werden und sich in mehr ideeller und materieller Wertschätzung für die berufliche Bildung äußern. »Mit einer gesetzlichen Festschreibung der Gleichwertigkeit sind dann Politiker quasi per Gesetz dazu angehalten, beide Bildungswege auch bei der Mittelvergabe gleichwertig zu berücksichtigen.«

  • Ausbildungsbetriebe müssten spürbar entlastet und die Berufsbildungsstätten weiter gestärkt werden. »Es braucht mehr attraktive Angebote für Auszubildende, etwa beim Azubi-Wohnen oder bei Azubi-Tickets«, sagte der Handwerkspräsident.

  • Eine bundesweite Studien- und Berufsorientierung sei nötig, die ergebnisoffen über beide Bildungspfade und Karrierewege informiere – flächendeckend an allen allgemeinbildenden Schulen, auch an Gymnasien.

Zumindest beim Sanitär- und Heizungsbau scheint sich die Lücke an Auszubildenden langsam zu schließen. Die Zahl der Lehrlinge kletterte laut Statistischem Bundesamt im Zehnjahresvergleich um 13,5 Prozent auf 37.600. Bis die ihre mehrjährige Ausbildung abgeschlossen haben, wird es allerdings noch dauern.

Vor allem in einem Bereich könnte die Branche dabei noch aufholen: Der Beruf des Sanitär- und Heizungsbauers wird weiterhin fast ausschließlich von Männern gewählt. Nur jede 75. Ausbildungsstelle ging an eine Frau.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.