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19. Oktober 2013, 16:27 Uhr

Hypo Group Alpe Adria

Ermittler wittert "größten Kriminalfall Europas" seit 1945

Die Hypo Group Alpe Adria entwickelt sich für Österreich und Bayern zum Milliardengrab. Der Chefermittler hält die Klagenfurter Skandalbank gar für einen Hort des organisierten Verbrechens - sie habe mit Schwerstkriminellen, Geheimdienstlern und bestechlichen Politikern kooperiert.

Wien - Der Fall der Hypo Group Alpe Adria ist nach den Worten des internen Chefermittlers Christian Böhler "der größte Kriminalfall Europas nach dem Zweiten Weltkrieg". Ermittlungen in dieser Dimension habe es bisher nicht gegeben. "Wir haben mit unseren 15 Mitarbeitern allein 6,5 Millionen elektronischer Dokumente zu sichten", sagte Böhler der Wiener Tageszeitung "Der Standard". Die Banker der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hätten in Südosteuropa oft mit Schwerstkriminellen, Geheimdienstlern, Militärs und hochrangigen, bestechlichen Politikern kooperiert. "Kleine Provinzbanker, die sich mit solchen Leuten ins Bett legen, müssen mit Problemen rechnen", sagte der Chefermittler dem Blatt.

Die kriselnde HGAA hatte sich mit Geschäften auf dem Balkan verspekuliert. Die BayernLB hatte die Hypo 2007 gekauft und nach Milliardenverlusten 2009 an Österreich zurückgegeben, wo sie notverstaatlicht wurde. Dem österreichischen Steuerzahler droht die Zahlung von mehreren Milliarden Euro an weiteren Rettungsgeldern.

Laut Böhler sollen frühere Chefs der HGAA Geld abgezweigt und sich so persönlich an der ehemaligen BayernLB-Tochter bereichert haben. Zwei ehemalige Vorstandsmitglieder seien angezeigt worden, sagte Böhler, ohne Namen zu nennen. Die wesentlichen Player der HGGA hätten faktisch eine kriminelle Organisation gebildet. Weitere Anzeigen könnten folgen.

Nach dem Jugoslawien-Krieg expandierte die ehemalige Kärntner Landesbank aggressiv am Balkan. Das dort investierte Geld sei in fragwürdigen Projekten und Schmiergeldern verschwunden. Böhler: "In den meisten Fällen hat sich nach unseren Recherchen eine Handvoll Bankmanager etlicher Strohmänner auf der Kundenseite bedient und mit deren Hilfe systematisch Geld aus der Bank gezogen." Zum Beispiel habe ein Banker Geld der HGAA über ein Kundenkonto in Liechtenstein reingewaschen und sich damit bereichert oder es für Bestechungen genutzt.

"Es ging darum, Geld zu machen, den Umsatz zu steigern und Boni zu kassieren" so Böhler. Die Hypo in Liechtenstein habe im System eine Schlüsselrolle gespielt. Dort hätten die Ermittler rund 1700 Namen und Konten gecheckt, davon könnten möglicherweise 300 Konten mit kriminellen Vortaten zusammenpassen. "Da werden wir 30 bis 50 Sachverhalte anzeigen", sagte Böhler weiter. "Liechtenstein war eine Waschmaschine für Schwarzgeld und eine Einrichtung, um Zahlungsflüsse zu verschleiern."

ric/dpa

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