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24. Februar 2011, 06:34 Uhr

Fall Wiedeking

Porsche bangt um Volkswagen-Fusion

Die Sportwagenschmiede schlägt Alarm: Porsche warnt vor einer Verzögerung der geplanten Verschmelzung mit Volkswagen, auch ein Scheitern des Zusammenschlusses sei möglich. Grund dafür sind die andauernden Ermittlungen gegen ehemalige Manager - darunter Ex-Vorstandschef Wiedeking.

Stuttgart/Frankfurt am Main - Normalerweise steht die Marke Porsche für eine Vollgaskultur, doch bei der anstehenden Fusion mit dem Volkswagen-Konzern kann von hohem Tempo kaum die Rede sein. Im Gegenteil: Durch die länger als geplant andauernden Ermittlungsverfahren gegen zwei ehemalige Porsche-Vorstände sei die Wahrscheinlichkeit, die Fusion wie bisher vorgesehen im laufenden Jahr auf den Weg zu bringen, von 70 auf 50 Prozent gesunken, teilte Porsche am späten Mittwochabend in Stuttgart mit.

Das Projekt könnte demnach auch ganz scheitern: "Kommt es zu wesentlichen Verzögerungen des Verschmelzungsprozesses gegenüber dem Zeitplan der Grundlagenvereinbarung, sinkt nach Einschätzung des Vorstands der Porsche SE auch die Wahrscheinlichkeit eines Gelingens der Verschmelzung insgesamt", hieß es in der Erklärung weiter.

Der Vorstand der Porsche SE selbst geht derzeit trotz der juristischen Probleme weiter davon aus, dass eine Verschmelzung, gegebenenfalls auch noch nach 2011, gelingen kann. Mit dem Abschluss der Ermittlungsverfahren gegen den früheren Porsche-Vorstandvorsitzenden Wendelin Wiedeking und seinen damaligen Finanzchef Holger Härter rechnen die Verantwortlichen aber frühestens zu Beginn des Jahres 2012.

Das Ausgang des Verfahrens hat laut Porsche auch Bedeutung für mögliche Schadensersatzansprüche wegen angeblicher Marktmanipulation. "Die in der Grundlagenvereinbarung vorgesehenen rechtlichen und steuerlichen Prüfungen der Verschmelzung der Porsche SE auf die Volkswagen AG werden sich dadurch voraussichtlich verzögern", hieß es in der Mitteilung.

Wiedeking und Härter waren wegen ihrer Finanzspekulationen ins Zwielicht geraten. Sie hatten seit 2007 versucht, Volkswagen zu schlucken. Dem Duo gelang es über waghalsige Finanzkonstruktionen, Porsche 2008 den Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Stammaktien zu sichern. Sie lösten damit Kurskapriolen bei den VW-Papieren aus.

Lange Zeit sah der deutlich kleinere Sportwagenbauer in der Übernahmeschlacht tatsächlich wie der sichere Sieger aus. Doch in der folgende Finanz- und Wirtschaftskrise scheiterte die Finanzierung - und damit auch die Träume Wiedekings. Er und sein Finanzvorstand mussten den Platz räumen und Volkswagen war am Drücker. Die Wolfsburger sicherten sich 49,9 Prozent an der Porsche AG.

Zudem einigte sich Volkswagen mit Porsche auf die Schaffung eines integrierten Automobilkonzerns unter der Führung der Wolfsburger. VW-Chef Martin Winterkorn will Porsche als zehnte Marke in den Konzern integrieren. An diesen Plänen dürfte sich ungeachtet der aktuellen juristischen Probleme nichts ändern, da die Wolfsburger im Falle einer gescheiterten Verschmelzung die restlichen Porsche-Anteile immer noch noch direkt erwerben könnte. Fraglich wäre dann allerdings, was aus der Holding Porsche SE wird, die vor allem den Familien Porsche und Piech gehört.

Ein Teil der Verfahren gegen Wiedeking und Härter wird nun offenbar eingestellt. Laut "Süddeutscher Zeitung" ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nicht mehr wegen Kursmanipulation. Zugleich sei aber wegen des Anfangsverdachts der Untreue ein neues Verfahren eingeleitet worden.

Laut der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") sollen die Ermittlungen zudem nur eingestellt werden, soweit es um den Vorwurf der "handelsgestützten Marktmanipulation" geht. Der Vorwurf, die Öffentlichkeit falsch über die tatsächlichen Absichten informiert zu haben - die sogenannte "informationsgestützte Kursmanipulation" - stehe weiterhin im Raum.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler hatte diese Woche erklärt, das Verfahren gegen die früheren Manager werde sich "sicher ins Jahr 2012 hineinziehen", aber für die kommenden Wochen die Veröffentlichung eines Zwischenstands angekündigt.

suc/dab/dpa/dapd/Reuters

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