Unveröffentlichtes Archivmaterial Unternehmerdynastie Reimann duldete Missbrauch von Zwangsarbeiterinnen

In der NS-Zeit gab es in Werken der Industriellen-Dynastie Reimann (Marken: Wella, Calgon, Jacobs) einem Medienbericht zufolge Gewalt gegenüber Zwangsarbeitern. Der Familiensprecher kündigte umfassende Aufklärung an.

Peter Harf, Sprecher und Chef der JAB Holding
picture alliance / dpa

Peter Harf, Sprecher und Chef der JAB Holding


Bislang unveröffentlichtes Archivmaterial belastet eine der reichsten deutschen Dynastien: Führende Mitglieder der Unternehmerfamilie Reimann haben demnach zu Zeiten des Nationalsozialismus den Missbrauch von Zwangsarbeiterinnen geduldet. Das haben Recherchen der "Bild am Sonntag" ergeben, die vom Familiensprecher und Chef der JAB Holding, Peter Harf, bestätigt wurden. Die Erkenntnisse hätten sich aus unveröffentlichten Akten deutscher Archive ergeben.

Die Industriellen-Dynastie gilt als eine der reichsten Familien Deutschlands, das manager magazin schätzte ihr Vermögen zuletzt auf 33 Milliarden Euro. Sie hat in Marken investiert, die fast jeder aus dem Alltag kennt: etwa die Kaffeemarken Jacobs und Senseo, die Coffeeshop-Kette Balzac, die Haarpflegemarke Wella oder das Enthärtermittel Calgon. Im Gegensatz zur Bekanntheit der Marken steht die Öffentlichkeitsscheu der Familie. Fotos oder Interviews gibt es nicht.

Familiensprecher Harf bestätigte die Recherchen

Die Enthüllungen sind erschütternd: So soll es in den Werken und in der privaten Villa der Firmenpatriarchen Albert Reimann senior und Albert Reimann junior in Ludwigshafen zu Gewalt und Missbrauch gekommen sein. Firmenmitarbeiter sollen mehrere osteuropäische Arbeiterinnen gezwungen haben, nackt in ihrer Baracke anzutreten. "Frauen, die sich weigerten, wurden in ihrem Bett unsittlich berührt. Andere Zwangsarbeiter wurden getreten und geschlagen, darunter auch eine Russin, die im Haus der Reimanns putzte", berichtet die Zeitung.

Familiensprecher Harf bestätigte die Recherchen. Die Erkenntnisse der Familie deckten sich vollständig mit den Enthüllungen. "Da gibt es nichts zu korrigieren. Das ist alles korrekt. Reimann senior und Reimann junior waren schuldig. Die beiden Unternehmer haben sich vergangen, sie gehörten eigentlich ins Gefängnis", sagte Harf.

Die Familie habe einen Historiker zur Untersuchung der Vorfälle engagiert, der vor wenigen Wochen einen Zwischenstand vorgelegt habe. "Wir haben uns geschämt und waren weiß wie die Wand. Da gibt es nichts zu beschönigen", sagte Harf der Zeitung, "diese Verbrechen sind widerlich". Er kündigte an, zehn Millionen Euro an eine passende Organisation spenden zu wollen.

fek



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