Manipulationsvorwürfe Britische Finanzaufsicht untersucht Devisengeschäfte

Der Finanzbranche droht ein weiterer Skandal: Die britische Finanzaufsicht prüft mögliche Manipulationen am billionenschweren Devisenmarkt. Zuvor hatten anonyme Händler darüber berichtet, wie sie wichtige Kurse angeblich beeinflusst und damit Gewinne gemacht hätten.

Finanzdistrikt in London: Mögliche Beeinflussung von Devisenkursen
dapd

Finanzdistrikt in London: Mögliche Beeinflussung von Devisenkursen


London - Der Deutschen Bank und anderen internationalen Großbanken könnte neues Ungemach wegen dubioser Geschäftspraktiken drohen. Nach dem Skandal um manipulierte Referenzzinssätze geht es nun um die mögliche Beeinflussung von Devisenkursen durch Händler. Die neue britische Finanzaufsicht FCA leitete eine Voruntersuchung ein, wie ein Sprecher der "Financial Times" sagte. Die Aufseher forderten Informationen zahlreicher Banken an, darunter der Zeitung zufolge auch von der Deutschen Bank. Damit sei aber keinerlei Verdacht gegen einzelne Institute verbunden, hieß es.

Zuvor hatten fünf Händler bei der Nachrichtenagentur Bloomberg anonym beschrieben, wie sie über Jahre täglich versucht hätten, an den kurzfristigen Spotmärkten für Währungen die Kursermittlung zu beeinflussen und Insiderkenntnisse für eigene Geschäfte zu nutzen. Das Devisengeschäft mit einem täglichen Handelsvolumen von rund 4,7 Billionen Dollar gilt als der größte Finanzmarkt überhaupt, ist allerdings anders als Aktienbörsen nur wenig reguliert.

Die Deutsche Bank Chart zeigengilt mit einem Marktanteil von rund 15 Prozent als größter Devisenhändler der Welt, vor der amerikanischen Citigroup Chart zeigen und der britischen Barclays Chart zeigen.

Seit dem sogenannten Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze fürchten Aufsichtsbehörden in Europa und den USA, dass auch auf anderen Märkten wichtige Referenzwerte beeinflusst werden könnten. Inzwischen laufen entsprechende Untersuchungen für den Ölpreis und im Gasgeschäft. Ebenfalls unter Manipulationsverdacht steht der von einer Handvoll Großbanken zweimal täglich festgesetzte Londoner Goldpreis.

Händler berichten über Manipulationen

Beim Libor-Skandal hatten Händler internationaler Großbanken über Jahre versucht, Referenzzinssätze zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte der Deutschen Bank beteiligt. Die Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland Chart zeigen und UBS Chart zeigen mussten bereits hohe Strafen im dreistelligen Millionenbereich zahlen.

Anders als beim Libor, der lediglich aufgrund von eingegebenen Schätzungen einer Gruppe von Banken berechnet wird, basiert die Ermittlung der kurzfristigen Devisenkurse auf tatsächlichen Transaktionen. Einfluss haben sie etwa auf Derivate und Fonds. Die Kurse werden von den Finanzdienstleistern WM und Reuters errechnet. Dafür nehmen sie alle halbe oder ganze Stunde - abhängig vom Handelsvolumen der jeweiligen Währung - eine kurze Periode von ein bis zwei Minuten, in der sie anhand der dabei laufenden Transaktionen die Kurse ausrechnen.

Der WM-Mutterkonzern State Street wies die Vorwürfe zurück. "Der Prozess zum Erfassen der Daten und der Berechnung ist automatisiert und anonym", teilte das Unternehmen mit. Zudem würden die Kurse genau auf ihre Qualität und Präzision kontrolliert. Auch viele Finanzexperten glauben, dass angesichts des großen Volumens im Währungsgeschäft Manipulationen sehr schwierig seien.

Trotzdem haben es die Händler nach eigenem Bekunden versucht. Dafür wurden sie in den kurzen Phasen der Ermittlung der Kurse aktiv. So schilderte bei Bloomberg ein Banker, dass er große Währungsaufträge von Kunden etwa genau in dieser Zeit einsetzte, um dadurch die Kurse zu beeinflussen. Mit diesem Insiderwissen über die Veränderungen will er dann eigene Geschäfte unterstützt haben. Um die Wirkung noch zu verstärken, soll es auch Absprachen mehrerer Händler gegeben haben. Schon minimale Veränderungen der Währungskurse können angesichts der hohen Beträge zu großen Gewinnen führen.

stk/dpa-AFX



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Seite 1
pepe_sargnagel 13.06.2013
1.
Zitat von sysopdapdDer Finanzbranche droht ein weiterer Skandal: Die britische Finanzaufsicht prüft mögliche Manipulationen am billionenschweren Devisenmarkt. Zuvor hatte anonyme Händler darüber berichtet, wie sie wichtige Kurse angeblich beeinflusst und damit Gewinne gemacht hätten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fca-untersucht-devisengeschaefte-a-905547.html
Dazu paast folgendes Zitat aus dem SPON: Der US-Journalist und Großzyniker Hunter S. Thompson glaubte, Politiker und Unternehmer besäßen keinerlei Unrechtsbewusstsein: "In einer Gesellschaft, in der alle schuldig sind, ist das einzige Verbrechen, sich erwischen zu lassen. In einer Welt voller Diebe ist Dummheit die einzige verbleibende Sünde." Quelle: Unternehmen berechnen Zusatzdienste, die nicht bestellt wurden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/unternehmen-berechnen-zusatzdienste-die-nicht-bestellt-wurden-a-904440.html)
rambo-1950 14.06.2013
2. Kein Bankster o dgl.......
und ohne wirkliche Internas, wage ich jetzt einfach mal in den Raum zu stellen, dass bei Devisengeschäften mit täglichem Volumen von 4,7 Billionen Dollar, sehr viel Spekulationen im Spiel sind. Dollar runter Euro hoch und umgekehrt sind doch gesteuert von Finanzmärkten die nur darauf abzielen, dass sich das Roulett immer dreht. Bei dem Einsatz lassen sich mit mit kaufen > verkaufen horrende Gewinne erzielen. Die Kursschwankungen sind gewollt und gesteuert.
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