Skandal um "Phantomkunden" US-Bank Wells Fargo darf nicht mehr wachsen

Die amerikanische Bank Wells Fargo soll Millionen Konten ohne Zustimmung von Kunden eröffnet haben. Nun greift die Notenbank Fed durch.
Wells-Fargo-Filiale in Chicago

Wells-Fargo-Filiale in Chicago

Foto: Jim Young/ REUTERS

In einem beispiellosen Schritt hat die US-Notenbank Fed für die von Skandalen umwitterte Großbank Wells Fargo einen Wachstumsstopp angeordnet.

Dies gelte so lange, bis der systematische Verstoß gegen Richtlinien, der zur Ausbeutung von Kunden geführt habe, beseitigt und die internen Kontrollen ausreichend verbessert seien, teilte die Fed mit.

Konkret bedeutet das, Wells Fargo darf seine Bilanzsumme vorerst nicht über das Niveau von Ende 2017 ausweiten. Zudem muss das Finanzinstitut bis April drei Verwaltungsräte austauschen und einen weiteren bis Ende des Jahres. Die Fed nannte hierzu keine Namen.

Wells Fargo ist die drittgrößte Bank der USA, sie ist in einen Skandal um sogenannte "Phantomkunden" verwickelt. Die Fed untersucht zudem Gebühren für Hypotheken, umstrittene Verkaufspraktiken und den Umgang mit eingefrorenen Sparkonten und Zusatzprodukten. "Wir können ein weit verbreitetes und anhaltendes Fehlverhalten bei keiner Bank tolerieren", erklärte die scheidende Fed-Chefin Janet Yellen.

Wells Fargo reagierte prompt auf die Ankündigung. "Wir nehmen die Anweisungen sehr ernst", teilte Bankchef Timothy Sloan mit. Sein Unternehmen werde innerhalb von 60 Tagen detaillierte Pläne bei den Aufsehern einreichen. Die Aktien von Wells Fargo fielen nachbörslich zeitweise um mehr als sechs Prozent.

Die Vorwürfe gegen die Bank sind nicht neu. Sie soll im Zuge des "Phantomkonten"-Skandals über Jahre rund zwei Millionen Konten ohne Genehmigung der Kunden eröffnet haben. Damit wollten Bankmitarbeiter offenbar hochgesteckte Verkaufsvorgaben erreichen. Wegen der Affäre wurde Tausenden Mitarbeitern gekündigt, Vorstandschef John Stumpf musste gehen. Wells Fargo hat bereits eine Strafe von 185 Millionen Dollar gezahlt.

stk/Reuters/dpa/AFP
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