Nach staatlicher Rettung Ferienflieger Condor findet neuen Investor

Bruchlandung abgewehrt: Die angeschlagene Fluglinie Condor soll von dem Vermögensverwalter Attestor übernommen werden. Sämtliche Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.
Condor-Flugzeug hebt in Griechenland ab: Marktführer im Ferienflug

Condor-Flugzeug hebt in Griechenland ab: Marktführer im Ferienflug

Foto: Stefanos Rapanis/ REUTERS

Der mit Staatshilfe gerettet Ferienflieger Condor hat einen neuen Investor gefunden. Der Vermögensverwalter Attestor wird 51 Prozent der Anteile an der Fluggesellschaft übernehmen und Millionen in das Unternehmen investieren. Damit würden »die Weichen für eine sichere Zukunft von Condor« gestellt, erklärte die Airline. Attestor bringe 200 Millionen Euro frisches Eigenkapital ein und werde darüber hinaus weitere 250 Millionen Euro Eigenkapital für die Modernisierung der Langstreckenflotte von Condor zur Verfügung stellen.

Damit soll nicht nur das rasche Hochfahren des Flugbetriebs nach Überwinden der Coronapandemie gesichert sein, sondern auch die langfristige Weiterentwicklung der Marke. Alle 4050 Arbeitsplätze bei der Fluglinie und dem unternehmenseigenen Wartungsbetrieb Condor Technik bleiben demnach erhalten. 800 Beschäftigte hatten das Unternehmen bereits während der Sanierung verlassen.

Dritter Versuch nach drohender Insolvenz

Condor hatte im vergangenen Jahr die drohende Insolvenz abgewendet und zum 1. Dezember 2020 das Schutzschirmverfahren verlassen, in dem es saniert wurde. Letztlich ist es der dritte Versuch, die frühere Tochter des untergegangenen Reisekonzern Thomas Cook wieder in ruhigere Bahnen zu lenken. Die geplante und bereits fest vereinbarte Übernahme durch die polnische Luftfahrt-Holding PGL wurde wegen des Ausbruchs der Coronapandemie im Frühjahr 2020 in letzter Minute abgesagt.

Wegen der Auswirkungen der Coronakrise auf den Luftverkehr war Condor ebenso wie andere Fluggesellschaften auf Staatshilfen angewiesen. Die restlichen 49 Prozent der Anteile an der Fluggesellschaft hält weiterhin die SG Luftfahrtgesellschaft im Auftrag des Bundes und des Landes Hessen. »Um die Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern, unterstützen Bund und Land Hessen die Neuaufstellung von Condor mit einer Restrukturierung des KfW-Darlehens«, erklärten die Unternehmen. Diese Restrukturierung steht noch unter dem Vorbehalt einer EU-beihilferechtlichen Genehmigung.

Konkurrenz durch Lufthansa

Attestor-Inhaber Jan-Christoph Peters bezeichnete Condor als »starke Marke mit einem bewährten Geschäftsmodell in einem attraktiven Markt«. Sobald sich der Tourismusmarkt wieder erhole, werde die Airline »als Marktführer im deutschen Ferienflug besonders profitieren«, sagte er.

Peters, 43, ist selbst Deutscher und hat Attestor gegründet. Das Vermögensverwaltungsunternehmen mit Sitz in London legt nach eigenen Angaben unter anderem Geld für US-Universitäten und reiche Familien an. Derzeit verfügt es über ein Vermögen im Wert von rund 5,5 Milliarden Euro.

»Wir investieren langfristig in Unternehmen, an die wir glauben«, sagte der Attestor-Manager Friedrich Andreae nach Verkündung des Deals in einem Video-Call. Condor habe sich in den vergangenen Jahren durch mehrere Krisen gekämpft und dabei hohe Resilienz gezeigt. »Wir wollen Condor als den führenden Urlaubsflieger in Europa etablieren.«

Auf diesem Markt allerdings dürfte es bald noch mehr Konkurrenz geben: Der von der Coronakrise ebenfalls gebeutelte Lufthansa-Konzern will selbst stärker in das von Condor betriebene Geschäft mit touristischen Langstreckenflügen einsteigen. Dafür hat Lufthansa den neuen Flugbetrieb Eurowings Discover gegründet, in dem solche Flüge gebündelt werden sollen.

rai/clh/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.