Fusion von MeinFernbus und FlixBus Einer zieht den Kürzeren

Offiziell ist es eine Partnerschaft auf Augenhöhe: FlixBus und MeinFernbus fusionieren. Tatsächlich scheint jedoch die Nummer zwei auf dem Fernbusmarkt dem bisherigen Marktführer künftig zu erklären, wo es langgeht.
Drei plus zwei: Die Geschäftsführer von FlixBus und MeinFernbus

Drei plus zwei: Die Geschäftsführer von FlixBus und MeinFernbus

Foto: Lukas Schulze/ dpa

Berlin - Die fünf Männer geben sich an diesem Freitagvormittag gut gelaunt, konziliant und betont locker. Sie haben schließlich eine Botschaft, die sie im Berliner Tempodrom unbedingt loswerden wollen: Zusammen machen wir das Geschäft mit Fernbussen noch besser und innovativer.

MeinFernbus, die ehemalige Nummer eins, und FlixBus, die bisherige Nummer zwei auf dem Markt, schließen sich zu einem Fernbusgiganten zusammen. In diesem Jahr wollen sie 20 Millionen Menschen durch die Republik kutschieren - und so einen Marktanteil von weit über 50 Prozent erreichen. Bevor es da Missverständnisse gibt: "Es ist ein Zusammenschluss auf Augenhöhe", der "nichts mit Kostensynergien" zu tun hat.

Damit auch wirklich jeder sieht, wie gut sich die fünf verstehen, haben sich die drei ehemaligen Geschäftsführer von FlixBus drei grüne MeinFernbus-Hemden übergezogen und die beiden Ex-Chefs von MeinFernbus die blauen Shirts von FlixBus.

So sympathisch die Inszenierung auch ist, sie bildet offenbar nicht die ganze Wahrheit ab. Insider berichten, bei dem vermeintlichen Zusammenschluss auf Augenhöhe handle es sich eher um eine Übernahme von MeinFernbus durch FlixBus. Man könnte auch sagen: Die ehemalige Nummer zwei erklärt der Ex-Nummer-Eins künftig, wo es langgeht.

Für diese Interpretation sprechen gleich mehrere Indizien. Die beiden Unternehmen schließen sich unter einer Dachgesellschaft zusammen. Und die ist - man höre und staune - nicht irgendein Konstrukt à la "Mein-flixer-Fernbus GmbH", sondern die FlixBus GmbH. Das sei nur die vorläufige Lösung, heißt es zwar von Seiten der Geschäftsführer, aber reiner Zufall dürfte es kaum sein.

Dass man nur schwerlich von einer Partnerschaft auf Augenhöhe sprechen kann, zeigt sich auch daran, dass drei der fünf Geschäftsführer des neuen Unternehmens eben von FlixBus kommen. Klar, FlixBus hatte ohnehin drei und MeinFernbus nur zwei Chefs, aber einen Sprecher der Fünfer-Geschäftsführung soll es nicht geben. Wie Mehrheitsentscheidungen im Zweifel ausgehen, lässt sich leicht ausrechnen.

Der Standort Berlin zieht den Kürzeren

Wer im operativen Geschäft künftig aller Voraussicht nach die wichtigeren Entscheidungen trifft, zeigt sich auch am neuen Organigramm: So sollen die beiden MeinFernbus-Gründer Torben Greve und Panya Putsathit für Kommunikation und Linienmanagement sowie Service und Betrieb zuständig sein. Die Aufgabenbereiche, bei denen es ans betriebswirtschaftlich Eingemachte geht, wie etwa Buchhaltung und Geschäftsentwicklung, liegen dagegen bei den Gründern von FlixBus: Jochen Engert, Daniel Krauss und André Schwämmlein.

Da verwundert es auch nicht, dass der MeinFernbus-Standort Berlin zunächst einmal den Kürzeren zieht. Auch wenn am Freitag viel von Wachstum die Rede war, sollen sowohl das Controlling als auch das Marketing komplett zum FlixBus-Standort München abwandern. Deshalb hat es bei MeinFernbus bereits mehrere betriebsbedingte Kündigungen gegeben. Von rund einem halben Dutzend Betroffenen sprechen Kenner der Materie.

Das Unternehmen selbst sagt, dass es fünf Fälle gebe, in denen Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt worden sei. Zudem habe es auch bei FlixBus eine betriebsbedingte Kündigung gegeben. Und überhaupt: Es gebe insgesamt fast 500 Mitarbeiter, also sei nur ein äußerst kleiner Teil betroffen.

Trotzdem erzählen Insider, dass die Stimmung in der MeinFernbus-Zentrale am Berliner Alexanderplatz schlecht sei. Die Zukunft des Senkrechtrechtstarter-Unternehmens sei schlicht zu ungewiss, es müsse deutlich profitabler werden - und das bedeute im Zweifel weitere Entlassungen, fürchten Mitarbeiter.

Schwieriger Abschied vom Tiefpreismodell

So hochtrabend die Pläne der neuen Fernbusfirma auch sind: Entscheidend für ihre Zukunft wird nicht zuletzt sein, wann es der Branche gelingt, sich vom Tiefpreismodell zu verabschieden und kostendeckende Preise zu nehmen. Der Normalpreis sank zuletzt auf unter neun Cent pro Kilometer - deutlich weniger als noch vor zwei Jahren. Teilweise sind Kunden sogar für gerade einmal vier Cent pro Kilometer unterwegs. "Dieses Niveau ist auf Dauer unhaltbar, die Preise müssten zwei- bis dreimal so hoch liegen, um dauerhaft profitabel wirtschaften zu können", sagt ein Branchenkenner.

Angesichts der schmalen Margen können FlixBus und MeinFernbus ihr Wachstum kaum selbst finanzieren. So soll MeinFernbus laut Insiderangaben im vergangenen Jahr einen Gewinn "zwischen ein und zwei Millionen Euro" gemacht haben - bei rund 100 Millionen Euro Umsatz.

Um die geplante Expansion zu finanzieren, gab es im Zuge des Zusammenschlusses eine Kapitalerhöhung. Diese wurde allerdings im Wesentlichen von der US-Beteiligungsgesellschaft General Atlantic bestritten. Das Unternehmen sichert sich in der Regel eine Sperrminorität, dürfte also mindestens 25 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen halten. Die Daimler-Tochter Moovel, die FlixBus-Anteile hält, machte die Kapitalerhöhung gar nicht erst mit, die anderen strategischen Investoren, so ist zu hören, beteiligten sich nur in geringem Umfang.

General Atlantic wird naturgemäß versuchen, seine neue Beteiligung irgendwann zu Geld zu machen. Somit spricht vieles für das Szenario, das auf den Fluren der beiden Unternehmen längst kein Geheimnis mehr ist: Die neugeschaffene Firma wird an die Börse gehen.