Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern Großbritannien will Junkfood-Werbung im TV vor 21 Uhr verbieten

Betroffen sind Schokolade, Softdrinks, Chips oder Pizza: Die britische Regierung will die Regeln für TV- und Online-Werbung verschärfen. So sollen Kinder zu gesünderen Essern erzogen werden.
Fish and Chips in einem Restaurant in Clacton on Sea: Ausnahmen beim Werbeverbot für kleine Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten

Fish and Chips in einem Restaurant in Clacton on Sea: Ausnahmen beim Werbeverbot für kleine Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten

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Neil Hall / REUTERS

Aus den Augen, aus dem Sinn? Um Kinder und Jugendliche vor Übergewicht zu bewahren, sollen in Großbritannien Werbespots für Junkfood tagsüber verboten werden. Reklame für Schokolade, Chips, Eis oder Pizza soll nur noch zwischen 21 Uhr und 5.30 Uhr im Fernsehen gezeigt werden dürfen. Gesundheitsministerin Jo Churchill sagte, die Regelung solle Kinder vor »ungesunder Werbung« schützen.

Churchill zitierte eine Studie aus dem Jahr 2019, wonach fast 60 Prozent der Werbung zwischen 18 und 21 Uhr in den werbefinanzierten Fernsehprogrammen für Lebensmittel mit viel Fett, Zucker und Salz ist. Das Verbot gilt generell auch für Streamingdienste und für Onlinewerbung. Hersteller dürfen nur noch auf eigenen Kanälen wie Webseiten und Social Media für Junkfood werben.

Das geplante Verbot soll grundsätzlich für alle Produkte mit einem hohen Fett-, Salz- oder Zuckergehalt gelten und ab 2022/23 umgesetzt werden. Es soll Ausnahmen für Lebensmittel geben, die kaum verarbeitet sind und als gesund gelten – wie Olivenöl, Avocados oder Honig. Auch für kleine Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten soll es Ausnahmen geben.

Hoffnung auf 20.000 fettleibige Kinder weniger

In Großbritannien sind dem Nationalen Gesundheitsdienst zufolge bereits zehn Prozent der Vier- und Fünfjährigen stark übergewichtig, insgesamt gilt fast ein Drittel der Kinder und Jugendlichen im Alter von zwei bis 15 als übergewichtig. Die Folgen kosten das britische Gesundheitssystem jährlich umgerechnet sieben Milliarden Euro.

»Diese Beschränkungen werden dazu beitragen, Kinder vor der Entwicklung langfristig ungesunder Essgewohnheiten zu schützen und die Gesundheit des Landes zu verbessern«, sagte Churchill laut einer Mitteilung . Mit dem Werbeverbot will ihr Ministerium 7,2 Milliarden Kalorien von den Speiseplänen der Kinder entfernen – und die Zahl fettleibiger Kinder in den kommenden Jahren um mehr als 20.000 reduzieren. Im Kampf gegen fettleibige Kinder hatte die britische Regierung 2018 bereits eine Limo-Steuer auf Getränke mit zugesetztem Zucker eingeführt.

Verbraucherschützer fordern ähnliche Beschränkungen in Deutschland. »Unternehmen wie McDonald's, Coca-Cola und Nestlé machen mit bunten Verpackungen, TV-Werbespots und beliebten Social-Media-Influencern gezielt Marketing an Kinder«, sagte Saskia Reinbeck von Foodwatch. Damit torpedierten sie das Bemühen vieler Eltern, ihren Kindern eine ausgewogene Ernährung beizubringen.

Reinbeck kritisierte zudem Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU): »Die Bundesregierung hofft hingegen weiterhin vergeblich auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie.« Die britische Regierung setze dagegen um, was Fachorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO schon seit Jahren fordern: »Erst eine Limo-Steuer, jetzt ein striktes Junkfood-Werbeverbot: Großbritannien macht Ernst im Kampf gegen die Adipositas-Epidemie.«

Auch Premierminister Boris Johnson, der selbst einige Kilo zu viel auf den Rippen hat, hat den Kampf gegen Adipositas zur Chefsache gemacht, auch unter dem Eindruck der Coronapandemie. »Abnehmen ist eine der Möglichkeiten, das Coronarisiko zu verringern.«

apr/AFP/dpa
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