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31. Mai 2012, 08:52 Uhr

Kampf gegen Fettleibigkeit

New York will XXL-Süßgetränke verbieten

Das Rauchen in Parks hat New Yorks Bürgermeister bereits verboten, nun geht es der Süßgetränke-Industrie an den Kragen: Weil immer mehr Bürger unter Fettleibigkeit leiden, will Michael Bloomberg Süßgetränke in großen Gefäßen kurzerhand aus der Stadt verbannen.

Hamburg - New Yorks Bürgermeister ist offenbar kein großer Freund von Süßgetränken: Er trinke ab und zu "an einem heißen Sommertag" mal einen Diät-Drink, sagte Michael Bloomberg am Mittwoch (US-Zeit) auf einer Pressekonferenz. Das war's dann aber auch.

Nicht so die New Yorker. Ebenso wie im restlichen Land trinken sie viel und oft Getränke wie Sprite, Coca-Cola oder Dr. Pepper. Die Süßgetränke-Sucht gilt manchen Gesundheitsexperten als einer der Hauptgründe dafür, dass immer mehr Amerikaner unter starker Fettleibigkeit leiden. 36 Prozent der Bevölkerung leidet derzeit unter Adipositas. In New York ist es sogar jeder zweite.

Bloomberg hat sich den Kampf gegen die Fettleibigkeit schon länger groß auf die Fahnen geschrieben, so wie gesundheitspolitische Themen im allgemeinen. Doch das, was er am Mittwoch verkündete, dürfte wütende Reaktionen hervorrufen. Um die Zuckerwasser-Exzesse zu drosseln, will er XXL-Versionen von Süßgetränken kurzerhand aus der Stadt verbannen. Ein entsprechendes Gesetz könnte laut "New York Times" kommenden März in Kraft treten.

Ganz verbieten kann der Bürgermeister den Süßgetränke-Konsum nicht. Aber er will den New Yorkern zumindest den Verzehr großer Mengen erschweren, indem er XXL-Becher in Kinos und Restaurants und King-Size-Flaschen in Läden und Delis verbietet.

Betroffen sind demnach Getränke mit mehr als 16 Unzen, einer in Amerika üblichen Mengenangabe, die knapp einem halben Liter entspricht. In größeren Dosen sollen künftig nur noch Diät-Drinks verabreicht werden. Selbst gesüßter Kaffee fällt nach aktuellem Plan unter den Halb-Liter-Bann.

"Wenn ich 24 Unzen trinken will, ist das meine Entscheidung"

New Yorks Bevölkerung sieht die Gesundheitsoffensive gespalten. "Ich halte das für eine gute Idee", zitiert die "New York Times" eine 21-jährige Frau. "Limo lässt die Zähne gammeln." Andere Bürger monieren einen Eingriff in ihre persönliche Freiheit. "Wenn ich einen dreiviertel Liter trinken will, ist das meine Entscheidung", sagte ein 20-jähriger Student. Ein anderer wies darauf hin, dass manche Kinofilme mehr als drei Stunden dauern. "Da musst du deinen Durst löschen."

Die US-Getränkelobby warf Bloomberg eine "Obsession" gegen süße Drinks vor. "Es ist an der Zeit, dass seriöse Gesundheitsexperten Methoden entwickeln, die wirklich gegen Fettleibigkeit helfen", zitiert die "New York Times" einen Sprecher.

Bloomberg hat für solche Einwände wenig Verständnis. "Das Argument scheint zu sein, dass es unbequemer ist, zwei Halb-Liter-Becher zum Kinosessel zu schleppen als einen Ein-Liter-Becher", ätzte er. Von einem Eingriff in die Freiheit des Konsumenten könne keine Rede sein.

Bloombergs rigide Gesundheitspolitik hat bereits zuvor für kontroverse Debatten gesorgt. Im Herbst 2010 etwa wurde der Bürgermeister einerseits scharf kritisiert, weil er das Rauchen in Parks verbat. Andererseits haben weitere Städte die New Yorker Ideen übernommen.

Die Diskussion, wie sich Übergewicht bekämpfen lässt, nimmt in den USA zusehends Fahrt auf. Gleichzeitig entwickelt sich das Volkslaster zum neuen Markt. Inzwischen gibt es sogar Särge, die doppelt so breit sind wie normale - mit eingebauter Stahlverstärkung für Menschen mit mehr als 200 Kilogramm Körpergewicht.

Andere Betriebe beklagen negative Folgen: Weil der Durchschnittsamerikaner immer dicker und damit auch schwerer wird, müssen etwa die Fähren im US-Bundesstaat Washington ihre Passagierzahl verringern. Den Schiffen droht sonst Schlagseite.

ssu

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