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Autokonzerne: Sportwagen baden Chrysler-Deal aus

Foto: SANDRO CAMPARDO/ ASSOCIATED PRESS

Komplettübernahme Fiat-Deal gefährdet Zukunft von Alfa Romeo

Sergio Marchionne hat mal wieder einen großen Deal an Land gezogen. Für vergleichsweise kleines Geld übernimmt Fiat seine US-Tochter Chrysler nun komplett. Doch ausgerechnet für Marchionnes Lieblingsmarke Alfa Romeo könnte die Übernahme böse Folgen haben.
Von Wilfried Eckl-Dorna

Hamburg - Er trägt am liebsten Pullover, gerne auch mal Drei-Tage-Bart, und ist um deutliche Worte selten verlegen: Seinen Ruf als Enfant terrible unter den Automanagern pflegt Fiat-Chef Sergio Marchionne seit Jahren hingebungsvoll. Dabei gilt der Italo-Kanadier, der seine Berufslaufbahn als Wirtschaftsprüfer begann, eher als Zahlenmensch, denn als Benzinbruder.

Just zu Jahresbeginn lässt Marchionne mal wieder den kühlen Strategen raushängen - und liefert pünktlich zu Neujahr sein jüngstes Husarenstück ab: Für insgesamt 4,35 Milliarden Dollar verleibt sich Fiat nun jene 41,5 Prozent an Chrysler ein, die bisher der Gewerkschaftsfonds VEBA gehalten hat. Damit übernehmen die Italiener nun den drittgrößten US-Autohersteller Chrysler komplett.

Die Aktionäre von Fiat   feiern den Deal mit einem Kursplus von bis zu 16 Prozent. Und mit seinem gewagten Plan, aus zwei schwächelnden Autoherstellern einen stärkeren Player zu formen, ist Marchionne ein Stück vorangekommen. Doch ausgerechnet für Fiats Sportwagenmarke Alfa Romeo, die Marchionne wiederbeleben will, könnte der Zusammenschluss böse Folgen haben.

Monatelanges Tauziehen kostete viel Kraft

Dem sonst so kühl rechnenden Marchionne wird schon seit langem ein Faible für Alfa Romeo nachgesagt - jener Sportwagenmarke, die seit Jahren bei Fiat ein Nischendasein fristet. Doch um die traditionell feuerroten Straßenfeger aus Italien ist es sehr, sehr ruhig geworden. Gerade mal zwei Modelle kann Alfa derzeit anbieten: den Kleinwagen Mito, die kompakte Giulietta. Der vor kurzem vorgestellte Hoffnungsträger 4C, ein leichter Mittelmotor-Sportwagen, rollt erst in diesem Jahr zu den Händlern.

Die Folge: Im vergangenen Jahr blieb der Alfa-Absatz laut Experten weltweit unter 100.000 Einheiten, zum ersten Mal seit 1969. Marchionne will die Marke mit dem klangvollen Namen, aber dem bislang dürren Angebot nun mit Milliardenaufwand wiederbeleben. Auch die Kernmarke Fiat will Marchionne mit neuen Produkten beleben.

Doch Alfa Romeos Wiederauferstehung wird eine komplizierte Mission. Denn seit Marchionne 2004 das Ruder bei Fiat übernahm, hat Alfa noch nie Gewinn geschrieben. Experten rechnen damit, dass Fiat bis zu neun Milliarden Dollar investieren muss, um Alfa wieder auf Kurs zu bekommen.

Jürgen Pieper, Autoanalyst des Bankhauses Metzler, sieht Marchionnes Alfa-Ambitionen skeptisch. "Die Fragezeichen sind größer geworden, ob Marchionne Alfa flottkriegt", meint er. Der Italo-Kanadier sei zwar ein hervorragender Stratege, doch bisher habe er noch kein besonderes Gefühl für höherwertige Autos bewiesen. Nun werde aber Chrysler ganz oben auf Fiats Prioritätenliste stehen - und eben nicht mehr Alfa Romeo.

Dabei bräuchte die erfolgreiche Wiederbelebung von Alfa wohl die ungeteilte Aufmerksamkeit des Chefs, sagt Pieper. Denn der Druck in Alfas Kernsegment von Sportwagen unter 50.000 Euro werde in der nächsten Zeit deutlich steigen. Porsche dürfte bald einen kleineren Viertürer unterhalb des Panamera anbieten, BMW setze durch die Kooperation mit Toyota wohl ebenfalls auf das Segment. Audi und Mercedes drängen ebenfalls mit neuen, günstigeren Modellen in die Sportwagennische.

Interesse an Alfa Romeo - VW wartet geduldig

Viel Platz für ein italienisches Fabrikat vom Schlage Alfas bleibt da nicht mehr. "Alfa müsste viel Geld in die Hand nehmen. Doch das haben sie nicht", meint Pieper. Zudem droht Marchionne auch ein Problem mit seiner bisherigen Cash-Cow Chrysler. Denn der amerikanische Markt dürfte zwar noch 2014 deutlich wachsen, für die Jahre danach sind die Prognosen aber eher verhalten.

Chryslers Marge ist aber gerade mal halb so hoch wie die seiner US-Konkurrenten. Und damit dürfte Chrysler auch in ein bis zwei Jahren nicht mehr Gewinne, sondern eher Verluste abliefern. Tritt das ein, fehlt dann erst recht das Geld für Investitionen in Alfa.

Deshalb rechnet Pieper damit, dass Fiat Marchionnes Lieblingsmarke in einigen Jahren verkaufen könnte - auch wenn sich der große Sergio noch vehement gegen einen solchen Schritt wehrt. Doch auch Marchionne werde nicht ewig Fiat-Chef bleiben, und sein Nachfolger könnte das Thema Alfa anders bewerten.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der seit Jahren sein Interesse an der italienischen Marke bekundet, muss also möglicherweise nicht mehr allzu lange warten.

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