Skandal um PR-Aktionen Sieben Beschuldigte wegen Millionenbetrugs bei Fielmann angeklagt

Der Optiker Fielmann ist offenbar um mehrere Millionen Euro betrogen worden. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen sieben Verdächtige - darunter einen ehemaligen Mitarbeiter aus der Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens.
Fielmann-Brillengeschäft in Hamburg (Archiv): Abgerechnetes Marketing soll es nicht gegeben haben

Fielmann-Brillengeschäft in Hamburg (Archiv): Abgerechnetes Marketing soll es nicht gegeben haben

Foto: Christians dpa/lno

Der neue Firmenchef Marc Fielmann muss in seinem Familienunternehmen die erste Krise meistern. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Anklage gegen sieben Beschuldigte wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs beziehungsweise wegen Beihilfe hierzu zum Nachteil von Fielmann erhoben, wie die Anklagebehörde mitteilte.

Im Zentrum der Vorwürfe: ein für die Öffentlichkeitsarbeit bei Fielmann verantwortlicher Mitarbeiter sowie Chefs und Beschäftigte zweier externer Firmen. Es geht um eine Sportagentur sowie einen Gartenbaubetrieb, die für Fielmann jeweils Marketingaktionen wie das Sponsoring und die Beflockung von Sporttrikots oder das Pflanzen von Bäumen ausführen sollten.

Hierfür soll der Fielmann-Beschäftigte zwischen 2012 und 2015 insgesamt 6,5 Millionen Euro an Firmengeldern ausgegeben und angewiesen haben. Doch die angeblich geleisteten Sponsoring- und Marketingmaßnahmen haben laut Staatsanwaltschaft "tatsächlich überhaupt nicht oder nicht in dem abgerechneten Umfang stattgefunden".

Bestechung im Wert von 370.000 Euro kassiert?

Dem Mitarbeiter, der bei Fielmann die Marketingprojekte verantwortet haben soll und das Unternehmen 2015 verlassen hat, wirft die Staatsanwaltschaft jedoch vor, er habe sich von den PR-Dienstleistern bezahlen lassen. "Als Gegenleistung für die Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehung" sollen er, seine spätere Ehefrau sowie "zahlreiche weitere Personen" aus dem Umfeld des Manns Zuwendungen erhalten haben. Dabei habe es sich um hochwertige Reisen, Schmuck, Elektroartikel oder Handwerkerleistungen gehandelt. Insgesamt geht es laut Anklagebehörde um Zuwendungen im Wert von 370.000 Euro.

Den Beschuldigten wirft die Anklagebehörde zudem gewerbsmäßige Untreue sowie gewerbsmäßige Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr zum Nachteil der Fielmann AG vor. Ob die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts die Anklage zu den insgesamt 1400 Fällen zulässt, ist offen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels stand, ein Marketingchef von Fielmann gehöre zu den Beschuldigten. Tatsächlich handelt es sich um einen Mitarbeiter, der für PR-Kampagnen zuständig ist. Wir haben den Fehler korrigiert.

apr
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