Fernsehgelder Wie wir alle das System Blatter finanzieren

Fernsehsender sind die wichtigsten Geldgeber der Fifa. Für die Übertragungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaften zahlten ARD und ZDF mehr als eine Milliarde Euro. Erhalten die Zuschauer damit eine korrupte Organisation am Leben?
Fifa-Chef Blatter: Einnahmen aus Fernsehrechten vervielfacht

Fifa-Chef Blatter: Einnahmen aus Fernsehrechten vervielfacht

Foto: Philipp Schmidli/ Getty Images

Die Fifa ist reich. Allein 1,5 Milliarden Dollar Reserven verbucht der Weltfußballverband in seiner Bilanz. Das Geld stammt aus Gewinnen, die der umstrittene Verein unter Führung seines noch umstritteneren Chefs Joseph Blatter jedes Jahr zurücklegen kann.

Doch woher kommt der Reichtum? Die höchsten Einnahmen bescheren der Fifa die Fernsehsender. Die Preise für die Übertragungsrechte der Weltmeisterschaften haben sich im neuen Jahrtausend vervielfacht. Bei der WM 1998 brachten sie der Fifa noch nicht einmal hundert Millionen Dollar ein, beim Turnier 2014 in Brasilien waren es gut 2,4 Milliarden Dollar - ein Rekordwert, der bei den kommenden Weltmeisterschaften noch einmal übertroffen werden könnte.

Spätestens seit Bekanntwerden des jüngsten Korruptionsskandals stellt sich damit die Frage, inwieweit das System Blatter vom Geld deutscher Fernsehzuschauer am Leben erhalten wird.

Mit 43 Prozent machen die Erträge aus den Fernsehrechten beinahe die Hälfte der Gesamteinnahmen des Weltverbandes aus. (siehe Grafik) Zusammen mit den Sponsorengeldern, die von Konzernen wie Adidas, Visa oder Coca-Cola fließen, waren es zuletzt sogar fast drei Viertel.

Der Großteil der Fernsehgelder kommt dabei nach wie vor aus Europa. Der Anteil liegt bei knapp 50 Prozent. (siehe Grafik) Entsprechend richten sich auch die Anstoßzeiten meist nach den Bedürfnissen der hiesigen Zuschauer. Bei der WM in Brasilien etwa mussten die Mannschaften oft in glühender Mittagshitze ran, damit das Spiel zur besten europäischen Sendezeit übertragen werden konnte.

Erheblichen Anteil an der Finanzierung haben ARD und ZDF. Die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten übertragen die Weltmeisterschaften in Deutschland traditionell exklusiv - nur 2002, 2006 und 2010 mischten andere deutsche Sender am Rande ein bisschen mit.

Die beiden Öffentlich-Rechtlichen haben sich auch schon die Rechte für die beiden kommenden, besonders umstrittenen Turniere gesichert. Nach senderinternen Informationen, die der SPIEGEL Anfang des Jahres veröffentlichte, zahlen ARD und ZDF für die WM 2018 in Russland 218 Millionen Euro, die Wüsten-Spiele in Katar im Jahr 2022 sind demnach mit 214 Millionen Euro nur unwesentlich billiger.

Die gewaltig gestiegenen Preise werden auch für ARD und ZDF zunehmend zur Belastungen. Für die WM 1998 zahlten sie gerade mal gut 20 Millionen Mark, mittlerweile müssen sie etwa das 20-fache davon auf den Tisch legen. Allein die fünf WM-Turniere von 2006 bis 2022 kosten die beiden Staatssender rund eine Milliarde Euro. (siehe Grafik)

Die Sender selbst wollen die Zahlen weder bestätigen noch dementieren. Sie dürfen keine Details veröffentlichen. Die Fifa verlangt von ihren Vertragspartnern Stillschweigen über die gezahlten Summen.

Für viele Fußballmuffel waren die Millionen, die die öffentlich-rechtlichen Sender für die großen Turniere ausgeben, schon immer verschwendete Gebührengelder. Doch mit dem neuen Fifa-Skandal hat die Kritik noch mal eine andere Dimension erreicht. Machen sich ARD und ZDF zu Finanziers eines korrupten Vereins? Und wie lassen sich die Millionenzahlungen mit der journalistischen Unabhängigkeit der Sender vereinbaren?

"Dieser Widerspruch muss im Programm ausgetragen werden", erklärte bereits am vergangenen Freitag ZDF-Indendant Thomas Bellut. Das ZDF informiere ausführlich über den Skandal. Und auch die ARD verweist darauf, dass man kritisch und distanziert über die Fifa berichtet habe. Es gebe eine "strikte Trennung zwischen einem Ereignis und der ausführenden Organisation", sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.

Die Sender behelfen sich also damit, ein bisschen schizophren zu werden: Sie gehören zu den größten Sponsoren einer Organisation, die sie eigentlich ablehnen. Damit dürfte es ihnen wie vielen Fußballfans gehen, die Fifa-Chef Blatter bei jeder Gelegenheit auspfeifen und dennoch schon Monate vorher heiß auf jede von ihm veranstaltete Weltmeisterschaft sind. Und natürlich wollen sie die Spiele auch live im Fernsehen sehen.

"Wir wollen das Ereignis haben", fasste ZDF-Intendant Bellut die Lage treffend zusammen. Diesem Verlangen wird fast alles andere untergeordnet.