Finanzdesaster Staatsanwaltschaft klagt kompletten Ex-BayernLB-Vorstand an

Der Vorwurf lautet auf Pflichtverletzung und Veruntreuung von Bankvermögen: Die Staatsanwaltschaft München klagt laut Zeitungsberichten den gesamten früheren Vorstand der BayernLB an - das Institut hatte durch den Kauf der maroden österreichischen HGAA Milliarden verloren.
Logo der BayernLB: Anklage wegen Pflichtverletzung und Untreue

Logo der BayernLB: Anklage wegen Pflichtverletzung und Untreue

Foto: dpa

München - Das Desaster um den Kauf der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hat für die ehemaligen Spitzenbanker ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft München hat gegen acht frühere Vorstandsmitglieder der BayernLB Anklage erhoben. Die Anklagebehörde wirft Ex-Bankchef Werner Schmidt und sieben weiteren früheren Vorstandsmitgliedern Pflichtverletzungen und Veruntreuung von Bankvermögen vor. Das berichten die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" übereinstimmend. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht, die Angeschuldigten weisen den Berichten zufolge alle Vorwürfe zurück.

Die Staatsanwälte werfen den Alt-Vorständen demnach vor, die HGAA im Sommer 2007 zu teuer gekauft und ihre Befugnisse missbraucht zu haben. Sie sollen Vermögen veruntreut und so einen hohen Schaden verursacht haben. Insgesamt kostete das Engagement bei der HGAA die BayernLB und damit letztlich den Steuerzahler 3,7 Milliarden Euro. Ende 2009 verkaufte die BayernLB ihre Tochter für einen Euro an Österreich, das Land verstaatlichte sie. 2010 nahm ein Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Desaster seine Arbeit auf.

Laut "FAZ" summiert sich der Schaden, der den Vorständen vorgeworfen wird, auf 624 Millionen Euro. Diese Summe könnte in späteren zivilrechtlichen Schadenersatzprozessen eine wichtige Rolle spielen.

Einzelnen Ex-Vorständen wird den Berichten zufolge auch Bestechung des inzwischen verstorbenen österreichischen Politikers Jörg Haider, vorgeworfen. Konkret soll es dabei um Millionenzahlungen zugunsten eines Kärntner Fußballclubs gegangen sein.

Die Beschuldigten, die jede Verantwortung zurückweisen, haben laut den Blättern sechs Wochen Zeit, um die Vorwürfe zu prüfen. Mit einem Prozessbeginn wird nicht vor Herbst gerechnet.

fdi/dpa/dapd
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