Finanzkrise Amerikaner ziehen Milliarden von Europas Banken ab

Europäische Geldhäuser haben in den USA einen immer schwereren Stand: Laut "Financial Times" sind die Einlagen bei ausländischen Banken in Amerika im vergangenen halben Jahr so stark gesunken wie noch nie. Ein Grund ist die Euro-Krise.
Deutsche Bank in New York: Auch eine Tochter des Instituts ist betroffen

Deutsche Bank in New York: Auch eine Tochter des Instituts ist betroffen

Foto: DPA

New York/Hamburg - In den USA schwindet offenbar das Vertrauen in europäische Banken. Laut der britischen Zeitung "Financial Times" sind die Einlagen der Amerikaner bei ausländischen Instituten in den vergangenen sechs Monaten um ein Viertel oder 291 Milliarden Dollar gesunken. Lagen sie Ende Mai noch bei fast 1,2 Billionen Dollar, seien es Anfang Dezember nur noch 879 Milliarden Dollar gewesen, berichtet die Zeitung und beruft sich dabei auf Daten der US-Notenbank Fed.

Besonders betroffen sind Tochtergesellschaften europäischer Banken. So sind laut "Financial Times" die Einlagen bei der Deutsche-Bank-Tochter Trust Company Americas allein im dritten Quartal 2011 um 2,1 Milliarden Dollar oder 6,8 Prozent gesunken.

Für den Abzug des Geldes gibt es offenbar mehrere Gründe: Zum einen haben europäische Banken zuletzt einige ihrer US-Kunden aussortiert, weil der Verwaltungsaufwand extrem hoch geworden ist. Zum anderen bieten besonders die ausländischen Banken in den USA viele langfristige Sparanlagen mit mageren Zinsen an.

Vor allem bereiten aber die Auswirkungen der Euro-Krise den Amerikanern zunehmend Sorgen. "Viele US-Firmen, die früher Geschäfte mit ausländischen Banken gemacht haben, schauen auf die Nachrichten und sagen 'Ich will irgendwo hin, wo es sicherer ist'", zitiert die "Financial Times" den Bankenanalysten Matt Burnell von Wells Fargo.

Rating-Agentur Fitch stuft fünf europäische Banken herab

Die Zurückhaltung der Amerikaner und anderer Geldgeber bringt einige europäische Banken bereits in arge Bedrängnis: Ihnen gehen die Dollar aus. Laut "Wall Street Journal" sind die Kosten für Banken, sich Dollar zu leihen, am Londoner Interbankenmarkt mittlerweile auf den höchsten Stand seit Juli 2009 gestiegen. Am Mittwoch hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Instituten deshalb frische Kredite in der US-Währung angeboten. Die Nachfrage war immens: Statt 1,5 Milliarden Dollar wie in der Vorwoche liehen sich die klammen Geldhäuser diesmal 5,1 Milliarden Dollar.

Das zeigt, wie ernst die Lage für Europas Banken mittlerweile ist. Wegen der hohen Bestände europäischer Staatsanleihen in ihren Bilanzen trauen sich die Institute nicht mehr über den Weg. Auch die Rating-Agenturen sind skeptisch. Sie stuften zuletzt gleich reihenweise die Kreditwürdigkeit europäischer Geldhäuser herab. Am Mittwochabend traf es erneut fünf Institute. Die Rating-Agentur Fitch senkte die Bonitätsnoten für die französische Großbank Credit Agricole  , die Banque Federative du Credit Mutuel, die dänische Danske Bank, die finnische OP Pohjola Group und die niederländische Rabobank.

Zur Begründung hieß es, die schwierige Lage am Finanzmarkt und das verlangsamte Wirtschaftswachstum dürften die Geschäfte der betroffenen Banken indirekt beeinflussen.

Auch US-Notenbankchef Ben Bernanke äußerte sich nach Angaben amerikanischer Senatoren am Mittwochabend "sehr beunruhigt" über die Krise in Europa. Wenn die Europäer keinen Ausweg fänden, könne die Krise auch die USA hart treffen, sagte Bernanke bei einem Treffen mit Kongressabgeordneten der Partei in Washington. Die Frage, ob die Fed im schlimmsten Fall über Finanzhilfen für Europa nachdenke, habe Bernanke verneint.

stk/AFP/dpa-AFX
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