Finanzkrise Griechenland macht noch mehr Schulden als gedacht

Das griechische Finanzdesaster ist noch größer als vermutet: Das Haushaltsdefizit des hochverschuldeten Landes lag 2009 bei 13,6 Prozent, wie Statistiker der EU errechnet haben. Es ist bereits die dritte Korrektur der Athener Daten innerhalb eines Jahres.

Athen: Schuldenstand steigt auf 115 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
dpa

Athen: Schuldenstand steigt auf 115 Prozent des Bruttoinlandsprodukts


Luxemburg - In Griechenland hat sich die Haushaltskrise im vergangenen Jahr massiv verschärft: Bei einer Verschuldung von insgesamt 273,4 Milliarden Euro habe das Defizit einen Wert von 13,6 Prozent gemessen an der Wirtschaftsleistung des Landes erreicht, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Der Gesamtschuldenstand Griechenlands stieg 2009 auf 115,1 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Es ist bereits die dritte Korrektur des griechischen Defizits innerhalb eines Jahres. Allerdings meldeten die Statistiker die Daten nur mit einem Vorbehalt "gegenüber der Qualität der gemeldeten Daten aus Griechenland". Zuvor hatte Athen nur ein Defizit von 12,9 Prozent gemeldet.

Nach Abschluss der Untersuchungen, die Eurostat derzeit in Zusammenarbeit mit den griechischen Behörden durchführt, könne es selbst bei den jetzigen Daten von Eurostat erneut zu einer Revision für das Jahr 2009 in der Größenordnung von 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten kommen, hieß es weiter. Im vergangenen Jahr hatte Eurostat das Defizit für 2009 von zunächst 5,0 Prozent auf 7,7 Prozent revidieren müssen und zugleich auf die "signifikanten Unsicherheiten" bei den aus Athen gemeldeten Daten hingewiesen.

Irland hat ein Defizit von 14,3 Prozent

Das höchste öffentliche Defizit in der Eurozone ermittelten die Statistiker aber nicht in Griechenland, sondern in Irland mit einem Wert von 14,3 Prozent. Der Mittelmeerstaat rangierte allerdings auf dem zweiten Rang aller Euro-Länder. Im vergangenen Jahr verbuchte den Angaben zufolge kein Euro-Staat einen öffentlichen Überschuss. Für Deutschland meldeten die Statistiker für 2009 ein Defizit von 3,3 Prozent.

In Athen gingen die Gespräche von Experten des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Union und der Europäischen Zentralbank mit der griechischen Regierung weiter. Im Mittelpunkt steht das Hilfspaket in Höhe von insgesamt 45 Milliarden Euro. Am Ende sollen die Details der Finanzspritze an die Griechen genau definiert werden.

Wegen der drastischen Sparmaßnahmen der griechischen Regierung streiken die Staatsbediensteten am Donnerstag bereits zum vierten Mal in diesem Jahr. An einigen Schulen fiel der Unterricht aus. Am zweiten Tag in Folge war auch der Fährverkehr betroffen. Die Ärzte in staatlichen Krankenhäusern behandelten nur Notfälle. Der öffentliche Nahverkehr und der Flugbetrieb waren diesmal nicht betroffen.

cte/Reuters/dpa/AFP



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mitwisser, 18.03.2010
1.
Zitat von sysopNach dem Drama in Griechenland fragen sich EU und Euro-Zone, wie man ähnliche Desaster künftig verhindern kann. Ideen dafür gibt es reichlich. Viele allerdings sind Schaumschlägerei. Und nur wenige können das grundlegende europäische Dilemma wirklich lösen. Was also tun in Europa?
Europa demokratisieren ! Weniger Beamte, mehr Transparenz. weniger Klüngel und "Weglobungen". Solange die EU den Bürger als Gegner und Zahler sieht, wird der Wunsch der Bevölkerung nach Nationalstaaten und eigener Währung zunehmen. Die aktuellen protektionistischen Handlungen und Vorschläge lassen ja ahnen, wohin die Reise gehen kann - trotz des Europäischen Gedankens! Die Menschen haben den Euro fast überall abgelehnt, Kohl und Konsorten haben ihn dennoch eingeführt. In Deutschland hat er die Kaufkraft der Menschen halbiert und die Skepsis bzgl. EU und der versammelten Abzocker-Inkompetenz wurde bestätigt. Solange die EU ein großes Versorgungswerk für mittelmäßige Politiker ist, wird kaum ein EU-Bürger für diesen Moloch sein. In der UDSSR schaffte man solch einen Moloch ab und wir lassen zu, daß eine kleine Clique diesen seit Jahren erweitert - auf Kosten unserer Bürgerrechte! Jetzt müssen wir auch noch feststellen, daß diese Tagträumer keinen Plan B für den Euro haben. Das ist kriminell. M.M. wird der Euro crashen und der Europäische Gedanke wird in die 50 er Jahre zurückkatapultiert. Hoffe mal. daß wenigstens kein Blut fließt.
rolli 18.03.2010
2.
Zitat von sysopNach dem Drama in Griechenland fragen sich EU und Euro-Zone, wie man ähnliche Desaster künftig verhindern kann. Ideen dafür gibt es reichlich. Viele allerdings sind Schaumschlägerei. Und nur wenige können das grundlegende europäische Dilemma wirklich lösen. Was also tun in Europa?
Es gab mal das Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Damals eine bich praktikable Version, aber unter den heutigen Gesichtspunken vielleicht hoffähig geworden. Allerdings würde dann D. in keine der Geschwindigkeiten passen. Wir haben den Turo-Kapitalismus unter der Motorhaube, und keiner in Europa will seine Bürger so ausnehmen und abzocken wie es in D. möglich ist.
frubi 18.03.2010
3. .
Zitat von sysopNach dem Drama in Griechenland fragen sich EU und Euro-Zone, wie man ähnliche Desaster künftig verhindern kann. Ideen dafür gibt es reichlich. Viele allerdings sind Schaumschlägerei. Und nur wenige können das grundlegende europäische Dilemma wirklich lösen. Was also tun in Europa?
Die EU auflösen und jeder kriegt seine Währung wieder. Das mit der EU können wir dann in 30-50 Jahren nochmal in einer anderen, weniger bürokratischen und mehr demokratischen Form, nochmal versuchen.
Robert B., 18.03.2010
4. Aktion gegen unnötige Titel!
Zitat von sysopNach dem Drama in Griechenland fragen sich EU und Euro-Zone, wie man ähnliche Desaster künftig verhindern kann. Ideen dafür gibt es reichlich. Viele allerdings sind Schaumschlägerei. Und nur wenige können das grundlegende europäische Dilemma wirklich lösen. Was also tun in Europa?
Das was ich schon die ganze Zeit schreibe. Reset. Die jetzige EU auflösen. Neustart mit nur wenigen Mitgliedern. D,A,F, Benelux und die Skandinavier in eine Union. Und Ende.
Cortado#13, 18.03.2010
5. Was ist zu tun in Europa?
In der Tat eine schicksalsträchtige Frage, die eigentlich nach dem gesunden Menschenverstand beantwortet werden muss. Die EU ist ein geldverschlingendes und unberechenbares Monster!!! Deshalb sollte die EU auf die ursprünglichen 16 Staaten wieder reduziert werden. Die einfachste Lösung ist aber, die Wahnidee von einem vereinigten Europa endlich aufzugeben. Auch aus diesem Grund sollte der Euro zerschlagen werden, er ist der grösste Volksbetrug, eine reine Abzocke-Währung. Jedes einzelne Land der ursprünglichen 16 Staaten stand ohne die EU und ohne den Euro finanziell wesentlich besser da. Aber die EU Bürokraten sehen das natürlich nicht ein, denn sie sind ausrangierte und in die EU abgeschobene Parlamentarier der einzelnen Länder mit sehr fetten Löhnen für "Nichtstuer". In meinem Fall habe ich mit dem Euro pro Monat ca. 150 Euro (umgerechnet) weniger Rente, für die Lebenshaltungskosten muss ich heute aber ca. 40% mehr zahlen! Gerade das ist der Betrug mit dem Euro. Warum machen die Politiker in Deutschland nicht eine Vergleichsrechnung DM zu Euro? Dann käme sehr schnell an das Tageslicht, dass sich auch mit dem Euro die finanzielle Situation in Deutschland wesentlich verschlechtert hat. Nur, dazu fehlt der Mut oder der Sachverstand.
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