Finanzkrisen der 2000er Totentanz auf den Trümmern

Von , Frankfurt am Main

2. Teil: 2000: Das Desaster der New Economy


Im März 2000 sind die Deutschen noch ganz dem Börsen-Wahnsinn verfallen. Sie lösen Sparkonten auf, plündern die Haushaltskasse, kratzen die letzten Pfennige aus dem Sparstrumpf, um bei der Mega-Sause dabei zu sein. Siemens Chart zeigen bringt seine Halbleitersparte an die Börse, die Republik ist im Infineon-Fieber Chart zeigen. Nach einer 100 Millionen Mark teuren Werbekampagne stehen bei Banken und Sparkassen die Telefone nicht mehr still. Am Ende ist das Papier 33-fach überzeichnet.

Der große Tag selbst wird inszeniert, wie es zu dieser Zeit üblich ist: klotzig. Am Eingang des Frankfurter Börsensaals ist ein meterhohes Mikrochip-Modell aufgebaut. Silberne Luftballons schmücken die umliegenden Häuser und Bäume. Infineon-Chef Ulrich Schumacher - von Kopf bis Fuß in Rennfahrermontur - fährt mit heulendem Motor im silbernen Porsche vor. Dann geht er ausholenden Schrittes in den Handelsraum, wo der Infineon-Kurs sich innerhalb kürzester Zeit verdoppelt.

Zu diesem Zeitpunkt sind etwa fünf Millionen Deutsche Aktienbesitzer, so viele wie nie zuvor. Am 1997 eröffneten Neuen Markt, wo junge Unternehmen ohne allzu große Hürden ihre Aktien handeln können, herrscht Dauerpartystimmung. Jungmanager wie der damals 29-jährige Jenaer Stephan Schambach, der die Handelsplattform Intershop gründete, verfügen innerhalb kürzester Zeit über Milliarden - ohne je einen Pfennig verdient zu haben. Zwischenzeitlich hat Intershop einen Börsenwert von elf Milliarden Euro - und spielt damit zwischenzeitlich in einer Liga mit Volkswagen Chart zeigen. Statt harter Fakten bestimmen "Phantasien" und "Storys" den Wert eines Papiers.

Doch wer genau hinschaut, kann an diesem 13. März 2000, dem "I-Day", bereits die Katastrophe kommen sehen. Denn während die Infineon-Papiere wie wild gehandelt werden, sacken die Kurse anderer Tech-Werte ab. Die SAP-Aktie Chart zeigen verliert 5,5 Prozent, die T-Aktie Chart zeigen 5,6 Prozent, die Papiere von Siemens sogar 8,3 Prozent. Es ist der Anfang vom Ende.

Das Jahr 2000 wird zum Albtraum für die Börse

Ihren Ursprung nimmt die Krise, ebenso wie der vorangegangene Boom, in den USA. Die Auslöser sind eigentlich lächerlich. Die Inflation steigt unerwartet an, dann drohen zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit höhere Zinsen von Seiten der Notenbank Fed. Doch die Märkte sind derart überhitzt, dass eine winzige schlechte Nachricht genügt, um die Kurse auf Talfahrt zu schicken.

Der Einbruch, der bald folgt, ist brutal. Es ist wie auf einer rauschenden Party, bei der irgendjemand plötzlich das Licht anschaltet. Die Gäste ernüchtern schlagartig, sehen, in was für einem Trümmerfeld sie mittlerweile tanzen - und machen sich schnellstmöglich davon.

Nach und nach wird klar, wie sehr sich die Protagonisten der New Economy überschätzten. Immer öfter werden die wolkigen Prognosen verfehlt - und in ihrer Verzweiflung fangen viele der strahlend lächelnden Manager an zu tricksen. Etwa die charmanten Gründer des Filmrechtehändlers EM.TV, Thomas und Florian Haffa. Sie werden später wegen falscher Angaben zu ihren Unternehmenszahlen zu 1,2 Millionen bzw. 240.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Der Gründer des Verkehrstechnik-Unternehmens Comroad, Bodo Schnabel, muss Aktionären nach einem entsprechenden Richterspruch Schadensersatz zahlen und wandert sogar ins Gefängnis.

So wird das Jahr 2000 für die Börsen zum Alptraum. In Anlegermagazinen erscheinen Todeslisten von Unternehmen, denen angeblich die Pleite bevorsteht, die Kurse gehen auf Talfahrt. Bis zum Ende des Jahres werden allein am Neuen Markt weit mehr als 100 Milliarden Euro einfach vernichtet.



insgesamt 1528 Beiträge
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Seite 1
saul7 16.11.2009
1. Nein,
Zitat von sysopEin Jahr nach dem Beinahe-Kollaps der Finanzbranche fassen die Banker wieder Mut: Bei einem Gipfeltreffen in Frankfurt debattierten Ackermann und Co. die Lehren aus der Krise - und mokierten sich vor allem über die Regulierungswut der Regierungen. Haben die Banken Ihrer Meinung nach eigentlich etwas aus der Krise gelernt? Diskutieren Sie mit!
die Banken haben nichts aus der Krise gelernt, weil die Politik ihnen nicht längst überfällige Regularien verpasst hat. Die Zockerei darf also weitergehen. Auf eine Entschuldigung der Banken darf noch gewartet werden!!
hajott59, 16.11.2009
2. warum auch?
Nein, die haben nichts gelernt. Warum sollten sie auch? Wenn es eng wird, kommt das große Füllhorn über sie und gut ist!
yato, 16.11.2009
3. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
yato, 16.11.2009
4. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
yato, 16.11.2009
5. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
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