Finanzkrisen der 2000er Totentanz auf den Trümmern

Von , Frankfurt am Main

4. Teil: 2007: Die Subprime-Krise


Es fängt ganz harmlos an. Als Krise, die für die meisten Deutschen eigentlich nur in der Zeitung stattfindet. Anfang 2007 häufen sich die Berichte über Kreditausfälle am US-Hypothekenmarkt. Dort haben sich über die Jahre irrwitzige Sitten bei der Kreditvergabe eingeschlichen: Um der angeschlagenen Wirtschaft auf die Beine zu helfen, hat die US-Notenbank jahrelang eine konsequente Niedrigzinspolitik gefahren. Davon angestachelt vergeben Banken nun Unsummen an Krediten. Auch an Schuldner mit zweifelhafter Bonität.

Ein Haken an diesem sogenannten Subprime-Geschäft: Die Kunden werden mit günstigen Einstiegszinsen gelockt, diese steigen während der Vertragslaufzeit allerdings kräftig. Das heikle Geschäft funktioniert, solange der Boom am Immobilienmarkt anhält. Seit Jahren steigen dort die Preise von Wohnungen und Häusern rasant. Ein Eigenheim, das später mit sattem Gewinn weiterverkauft werden kann, scheint nun auch für Geringverdiener eine lohnende Investition.

Als Wohnungen und Häuser allerdings plötzlich nicht mehr teurer werden, nimmt das Drama seinen Lauf. Immer mehr Immobilienbesitzer können ihre Schulden nicht begleichen, die Banken müssen erhebliche Ausfälle verbuchen. Doch das wahre Desaster ist: Auch Institute außerhalb der USA sind betroffen. Das Engagement der deutschen Mittelstandsbank IKB zum Beispiel kostet über 8 Milliarden Euro. Auch die SachsenLB und die Bayern LB geraten ins Wanken.

"Zu übertriebener Sorge besteht kein Anlass"

Der Hintergrund: An den Finanzmärkten wird seit Jahren mit Kredit-Risiken gehandelt, sie werden gestückelt, in neue Produkte gepackt, weiterverkauft. Ursprünglich sollten so die Gefahren für einzelne Banken begrenzt werden - doch wegen der hohen Renditechancen wird der Markt zum Spielcasino. Es wird gezockt wie wild. Allein im Jahr 2006 wächst der weltweite Handel mit CDOs, CLOs, ABS und anderen komplexen Instrumenten fast um die Hälfte, das Gesamtvolumen der Derivate steigt auf 415 Billionen Dollar an.

Doch obwohl die Folgen 2007 auf der ganzen Welt zu spüren sind, ahnen die wenigsten, wie schlimm es tatsächlich wird. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann etwa schreibt in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" im September 2007, er sehe zwar Handlungsbedarf, "zu übertriebener Sorge oder gar Panik besteht jedoch kein Anlass". Was für ein Irrtum.

Etwas mehr als ein Jahr später, am 15. September 2008, lässt die US-Regierung die Investmentbank Lehman Brothers pleite gehen - und schlagartig wird klar, wie eng die großen Banken und Finanzunternehmen der Welt miteinander vernetzt sind. Wie schnell die Krise eines einzelnen Players die ganze Branche mitreißen kann.

Der Blutkreislauf der Weltwirtschaft ist unterbrochen

Gläubiger von Lehman Brothers verlieren Unsummen, Tausende Kleinanleger stehen plötzlich mit Nichts in der Hand da, weil sie Zertifikate von Lehman gekauft hatten und diese nun nichts mehr wert sind. Doch vor allem geht in diesem Moment an den Märkten das wichtigste Schmiermittel überhaupt verloren: das Vertrauen.

So trocknet etwa der Interbankenmarkt, auf dem sich Geldinstitute gegenseitig Kredit geben, komplett aus. Damit ist der Blutkreislauf der Weltwirtschaft unterbrochen. Großbanken auf dem gesamten Globus geraten daraufhin ins Wanken und müssen mit öffentlichen Geldern aufgefangen werden. Börsen stürzen ab. Ganzen Volkswirtschaften droht die Pleite.

Es ist der mit Abstand schlimmste Crash dieses Jahrzehnts.



insgesamt 1528 Beiträge
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Seite 1
saul7 16.11.2009
1. Nein,
Zitat von sysopEin Jahr nach dem Beinahe-Kollaps der Finanzbranche fassen die Banker wieder Mut: Bei einem Gipfeltreffen in Frankfurt debattierten Ackermann und Co. die Lehren aus der Krise - und mokierten sich vor allem über die Regulierungswut der Regierungen. Haben die Banken Ihrer Meinung nach eigentlich etwas aus der Krise gelernt? Diskutieren Sie mit!
die Banken haben nichts aus der Krise gelernt, weil die Politik ihnen nicht längst überfällige Regularien verpasst hat. Die Zockerei darf also weitergehen. Auf eine Entschuldigung der Banken darf noch gewartet werden!!
hajott59, 16.11.2009
2. warum auch?
Nein, die haben nichts gelernt. Warum sollten sie auch? Wenn es eng wird, kommt das große Füllhorn über sie und gut ist!
yato, 16.11.2009
3. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
yato, 16.11.2009
4. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
yato, 16.11.2009
5. ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen
es wurde auf beiden seiten des atlantiks versäumt die gigantischen staatshilfen an knallharte bedingungen zu koppeln und noch etwas noch wichtigeres wurde versäumt: den bankstern klarzumachen, dass nicht nur der kunde in den knast kommt, der eine bank überfällt, sondern dass dies auch umgekehrt gilt, wenn eine bank ihre kunden überfällt. man könnte dies noch nachholen... denn die heutige welt braucht ackermänner in handschellen, statt mit viktory zeichen zumindest beim nächsten mal, wenn die jungs den karren nochmal in den dreck fahren, (was absehbar ist) müssen sie entmachtet werden! geteert und gefedert und vor allem ihre gewinne und vermögen die heute schon faktisch auf kosten des steuerzahlers gehen, eingezogen werden! die scheinen nicht auf vernunft, sondern nur auf die peitsche zu hören, denn sie machen weiter wie vorher und fühlen sich sicher mit ihrer mächtigen lobby armee und ihre geburtstagsfeiern mit kanzlerin so gehts nicht!
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