Finanzmarkt Börsenprofis rätseln über plötzlichen Dax-Absturz

Erst Zickzackkurs, dann plötzlicher Absturz: Der Dax ist binnen Minuten um fast 200 Punkte gefallen. Die Deutsche Börse erklärt dies mit Massenverkäufen, trotzdem rätseln Finanzexperten über die Ursache.
Börsenhändler in Frankfurt: "Dümmliche Erklärungsversuche in Form von Gerüchten"

Börsenhändler in Frankfurt: "Dümmliche Erklärungsversuche in Form von Gerüchten"

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Dax ist am Donnerstagnachmittag völlig überraschend deutlich ins Minus gerauscht, hat seine Verluste bis zum Handelsschluss aber etwas verringert. Der Leitindex verlor 1,7 Prozent auf 5.584 Punkte, nachdem er gegen 16.00 Uhr kurzzeitig um vier Prozent nachgegeben hatte und unter die Marke von 5.500 Punkten gerutscht war. Die kräftige Talfahrt gab am Markt Rätsel auf. Dass der Dax   innerhalb kürzester Zeit um rund vier Prozent bis auf 5451,52 Punkte einbrach, ließ in den Handelsräumen die Telefone heißlaufen. Händler reagierten mit Kopfschütteln und Staunen. Am Morgen war er noch bis auf 5777 Punkte gestiegen.

Bei zwei Dritteln der Dax-Werte sei es zu einer sogenannten Volatilitätsunterbrechung gekommen, bestätigte die Deutsche Börse SPIEGEL ONLINE. Der Auslöser dafür sei von außen gekommen, ein technisches Problem habe es nicht gegeben. Vola-Unterbrechungen am Aktienmarkt sind Schutzmechanismen. Der Handel in den jeweiligen Werten wird unterbrochen, um Käufer und Verkäufer vor ungewöhnlich hohen Kursauf- und -abschlägen zu schützen, die etwa über fehlerhafte Eingaben von Preisgrenzen entstehen können.

Weil eine Begründung für den kräftigen Kurssturz fehlte, entstanden am Markt dann rasch Gerüchte. "Da es keine Erklärung gibt, die allgemein zugänglich ist, kommen gern schnell dümmliche Erklärungsversuche in Form von Gerüchten auf", sagte ein Händler.

So verwiesen einige Börsianer zur Erklärung der Dax-Verluste darauf, dass CNBC berichtet hatte, die Stadt Harrisburg in Pennsylvania könnte zahlungsunfähig sein. Das wurde letztlich aber für wenig stichhaltig gehalten, zumal der Dow Jones Industrial Average kaum reagierte und während der Dax-Talfahrt lediglich 0,4 Prozent verlor. Später lag er rund ein Prozent im Minus, ähnlich wie der EuroStoxx 50. Spekuliert wurde zudem darüber, dass in Deutschland ein Leerverkaufsverbot verabschiedet werden soll. Allerdings sind seit dem 27. Juli 2010 ungedeckte Leerverkäufe in Aktien bereits verboten. Unter einem Leerverkauf versteht man den Verkauf von Aktien, die der Verkäufer zum Zeitpunkt des Verkaufs noch nicht besitzt. Dabei wird auf fallende Kurse spekuliert.

Später hieß es, es kursierten Gerüchte über eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands. Die Bestätigung der "AAA"-Einstufung durch alle drei großen Rating-Agenturen sorgte dann allerdings wieder für Beruhigung.

Möglich scheint vor diesem Hintergrund auch, dass der Kursrutsch erneut von einem "Fat Finger" (Wurstfinger) verursacht wurde. Das sind Fälle, in denen Händler Wertpapieraufträge fehlerhaft eingeben und so für erhebliche Kursbewegungen sorgen können.

Für kurzzeitige Kursgewinne sorgte am Donnerstag in den USA wie Europa die Nachricht, dass der US-Großinvestor Warren Buffet mit fünf Milliarden Dollar bei der angeschlagenen Bank of America einsteigt. Es handele sich um "ein starkes, gut geführtes Institut", begründete Buffet seine Entscheidung. Die Aktien der Bank legten bis zum frühen Abend rund zehn Prozent zu. Allerdings sorgte die Nachricht nur für eine kurze Verschnaufpause. "Es gab eine kurze Euphorie und die wurde gleich zum Verkauf genutzt", sagte Randy Billhardt von MTV & Co. in New York.

Die Wall Street schloss mit Verlusten: Der Dow Jones Industrial, der an den drei vorangegangenen Handelstagen in Serie ein Plus verbucht hatte, schloss mit einem Minus von 1,51 Prozent auf 11.149,82 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 büßte 1,56 Prozent auf 1.159,27 Punkte ein. An der Technologiebörse Nasdaq sank der Auswahlindex Nasdaq 100 um 1,72 Prozent auf 2.108,21 Punkte, für den Composite-Index ging es um 1,95 Prozent auf 2.419,63 Punkte nach unten.

Gemäßigt fiel die Reaktion von Apple-Aktionären nach dem Rücktritt von Konzernchef Steve Jobs aus: Die Anteilsscheine verloren zwar 0,65 Prozent auf 373,72 Dollar, schlugen sich damit aber besser als der Gesamtmarkt. Apple müsse bei Investoren nach dem Abgang von Konzernchef Jobs nun Überzeugungsarbeit leisten, erklärte Rick Fier von Conifer Securities. "Der Rücktritt wird die Dynamik der Firma nicht beeinflussen, aber er hat einen Einfluss auf die Psyche der Investoren."

nkk/dpa/Reuters
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