Pannenkraftwerk in Frankreich Atomreaktor in Flamanville läuft noch später an

Eigentlich sollte das Prestigeprojekt bereits 2012 Strom liefern – nun verzögert sich der Start des Atomreaktors im französischen Flamanville erneut. Erst 2023 soll es so weit sein. Teurer wird das Kraftwerk auch.
Atomanlage in Flamanville (Archivbild): Schadhafte Schweißnähte

Atomanlage in Flamanville (Archivbild): Schadhafte Schweißnähte

Foto: Charly Triballeau / AFP

Die Inbetriebnahme des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) im nordfranzösischen Flamanville verzögert sich weiter. Der Termin für das Befüllen mit Brennelementen sei von Ende 2022 auf das zweite Quartal 2023 verschoben worden, teilte der Energiekonzern EDF mit. Zudem steigen die Kosten, nach Unternehmensangaben von 12,4 auf 12,7 Milliarden Euro.

Bis zur Inbetriebnahme müssten noch mehrere Schweißnähte nachgearbeitet werden, teilte EDF mit. Auch die Erfahrung mit einem der beiden EPR-Reaktoren im chinesischen Taishan solle berücksichtigt werden. Einer von ihnen war im Sommer wegen technischer Probleme vom Netz genommen worden. Es handle sich um ein »Phänomen mechanischer Abnutzung einiger Bauteile«, das laut EDF auch schon bei französischen Atomreaktoren aufgetreten sei. Das stelle das Modell des EPR aber nicht infrage.

Der EPR, an dessen Entwicklung anfangs auch Siemens beteiligt war, sollte das Prestigeprojekt der französischen Atomindustrie werden und ursprünglich 2012 ans Netz gehen. Nach Kalkulationen des französischen Rechnungshofs sind die Kosten sogar noch stärker gestiegen als von EDF eingeräumt: von 3,3 Milliarden auf 19 Milliarden Euro. Es hat mehrfach technische Probleme gegeben, unter anderem mit Schweißnähten.

Seit Dezember läuft ein Reaktor der EPR-Familie in Finnland, dessen Bau sich ebenfalls massiv verzögert und verteuert hatte.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte den Bau zusätzlicher Atomreaktoren angekündigt, ohne sich zum Typ oder zur Zahl zu äußern. Es wird damit gerechnet, dass es sich um sechs verbesserte EPR-Modelle handelt. Frankreich setzt auf Atomkraft, um auf diese Weise die klimaschädlichen CO2-Emissionen niedrig zu halten. Frankreich verfügt derzeit mehr als 56 Reaktoren, die knapp 70 Prozent des Stroms produzieren, mehr als in jedem anderen Land.

Anmerkung der Redaktion: Im letzten Absatz wurde präzisiert, dass die Atomreaktoren 70 Prozent des französischen Stroms produzieren – und nicht der Energie.

fdi/AFP
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