Rügenwalder und Wiesenhof Fleischfirmen profitieren von Veggie-Boom

Erst profitierten Fleischkonzerne von billiger Massentierhaltung, jetzt auch vom Veggie-Trend: Die Umsätze mit fleischlosen Produkte verdoppeln sich. Für die Ökobilanz müssten die Eiweißpflanzen allerdings hier wachsen.
Ein Supermarktregal mit vegetarischen Produkten

Ein Supermarktregal mit vegetarischen Produkten

Foto: Daniel Bockwoldt / DPA

Die Lebensmittelhersteller Rügenwalder Mühle und Wiesenhof profitieren nach eigener Aussage von wachsender Nachfrage nach fleischlosen Produkten. Im ersten Halbjahr sei der Umsatz mit fleischfreien Produkten um 50 Prozent gestiegen, heißt es etwa bei Rügenwalder Mühle in Bad Zwischenahn. Bei einigen der Produkte habe sich der Umsatz sogar verdoppelt.

Die Rügenwalder Mühle ist bei Fleischalternativen Marktführer in Deutschland - mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent, berichtet das "Handelsblatt" mit Bezug auf die Marktforscher IRI. Auch beim Konkurrenten Wiesenhof entwickeln sich die Absätze im vegetarischen und veganen Sortiment seit Januar sehr gut, teilte eine Sprecherin mit: "Der Bruzzler Veggie zum Beispiel liegt gegenüber dem Vorjahr mit über 44 Prozent Absatzzuwachs deutlich im Plus."

Der Markt für vegetarische und vegane Lebensmittel entwickele sich im Moment aus der Nische in Richtung Mainstream, sagte ein Sprecher des Vereins ProVeg, Alex Grömmiger. Die Umsätze mit pflanzlichen Wurst- und Fleischalternativen würden in den kommenden Jahren um zweistellige Zuwachsraten zulegen, prognostiziert der Verein. "Es gibt jetzt ein wahnsinniges Wachstum. Und es gibt keinen Lebensmittelhersteller, der das Thema nicht aufgreift", sagte Rügenwalder-Manager Godo Röben. Jeder Zulieferer und jeder Maschinenhersteller stelle sich auf diese Marktveränderung ein.

Absolut gesehen sind die veganen Ersatzprodukte allerdings noch in der Nische. Größter Markt in Deutschland seien ProVeg zufolge bislang die pflanzlichen Milchalternativen. Dessen Anteil werde auf rund zehn Prozent geschätzt, mit stark steigender Tendenz. Der Marktanteil von pflanzlichen Wurst- und Fleischalternativen liege noch darunter.

Die Ökobilanz dieser Alternativen wird bislang allerdings noch dadurch getrübt, dass etwa die dafür erforderlichen Sojapflanzen oft aus Südamerika importiert werden und dort zudem viel Regenwald für den Anbau gerodet wird. Aus Sicht des Verbands für Alternative Proteinquellen (BalPro), einer Interessenvertretung von rund 70 Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, müsste der Anbau von Eiweißpflanzen daher stärker regionalisiert werden. Noch spielt zum Beispiel der Anbau von Soja in Deutschland nur eine kleine Rolle.

caw/dpa/dpa-AFX
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