Verkauf des Fleischkonzerns gescheitert Schlachten bleibt bei Tönnies Familiensache

Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies wird nicht verkauft. Die Gesellschafter legen ihren Streit bei, sie wollen den Familienbetrieb nun gemeinsam führen – und sich verstärkt dem Tierschutz widmen.
Clemens Tönnies (rechts) mit seinem Sohn und Mitgesellschafter Maximilian Tönnies

Clemens Tönnies (rechts) mit seinem Sohn und Mitgesellschafter Maximilian Tönnies

Foto: Friso Gentsch / dpa

Deutschlands bedeutendste Schlachtbank bleibt in Familienhand. Die Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tönnies – Robert, Clemens und Maximilian Tönnies – wollen an der bisherigen Eigentümerstruktur festhalten, das Unternehmen wird nicht verkauft.

Gemeinsam wolle die Familie das Unternehmen in die Zukunft führen, ein Gerichtsstreit sei beendet, heißt es in einer Mitteilung . Deutschlands größter Schlacht- und Fleischkonzern wolle den Fokus nun auf die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Tierschutz legen. Dabei sollen auch neue Geschäftsfelder wie etwa Tiernahrung oder pflanzliche Fleischalternativen eine wichtige Rolle spielen.

Familienstämme halten jeweils 50 Prozent

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte im März berichtet, das Unternehmen mit rund sieben Milliarden Euro Jahresumsatz stehe vor einem Verkauf. Der geschäftsführende Gesellschafter des Fleischkonzerns Tönnies, Clemens Tönnies, hatte aber schon damals auf den Führungsanspruch der Familie gepocht.

Beide Seiten hätten im ersten Halbjahr 2021 gemeinsam verschiedene Optionen für die künftige Ausgestaltung der Eigentümerstruktur geprüft, hieß es nun in der gemeinsamen Mitteilung. Dabei seien sie zu dem Schluss gekommen, dass die jetzige Struktur genau die richtige sei.

Clemens Tönnies und sein Neffe Robert hatten sich seit Jahren um die Vorherrschaft in dem Unternehmen mit über 16.000 Mitarbeitern gestritten. Beide Familienstämme halten jeweils 50 Prozent. Jetzt erklärten sie, in seiner Ausrichtung als integrierter Lebensmittelproduzent sei Tönnies weltweit einzigartig. Dieser Unternehmenswert solle weiter kontinuierlich gesteigert werden. Dabei werde der Ausbau neuer Geschäftsfelder wie etwa Tiernahrung oder pflanzliche Fleischalternativen eine zunehmend wichtigere Rolle spielen.

Die Hälfte geht in den Export

Im Kerngeschäft befasst sich das 1971 gegründete und durch zahlreiche Zukäufe auch international gewachsene Unternehmen mit der Schlachtung, Zerlegung sowie Verarbeitung von Schweinen und Rindern. Rund die Hälfte der Produktion geht in den Export. Im Bereich Bio sei Tönnies zudem heute schon Marktführer.

Der Konzern mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen war nach einem Corona-Ausbruch im Stammwerk im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten . Mehr als 1500 Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert, das Werk wurde vorübergehend geschlossen.

Clemens Tönnies, der im Mai 65 Jahre alt wurde, kontrolliert etwa 45 Prozent der Anteile, bei Robert Tönnies liegen rund 50 Prozent. Im Konzern arbeitet auch Maximilian Tönnies, Sohn von Clemens Tönnies, der ebenfalls Gesellschafter ist und rund fünf Prozent der Anteile hält. Er wurde unter anderem mit der Expansion des Unternehmens im Markt für vegetarische Lebensmittel betraut, in dem Tönnies etwa mit den Marken »Vevia« und »Gutfried veggie« vertreten ist.

apr/Reuters/dpa
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