Kampfansage an Deutsche Bahn Flixtrain startet mit Zugnetz in 40 deutsche Städte

Zu Pfingsten nimmt Flixtrain seinen Dienst nach dem Corona-Lockdown wieder auf. Mit neuen Strecken will das Unternehmen zum zweiten Anbieter von Fernzügen neben der Deutschen Bahn werden.
Lokomotive eines Flixtrains bei seiner Premierenfahrt in Hamburg im März 2018

Lokomotive eines Flixtrains bei seiner Premierenfahrt in Hamburg im März 2018

Foto: Christian Charisius / DPA

Wenn ihn etwas an der neuen Immobilie seines Unternehmens gestört hat, dann war es nicht die spektakuläre Architektur, sondern der Ausblick. Der Gründer und Chef von Flixmobility, André Schwämmlein, schaut auf das Gleisgewimmel gut zwei Kilometer vor der Einfahrt in den Münchner Hauptbahnhof. Doch die Farbe der Züge gefiel ihm gar nicht: Sie waren weiß und rot, so wie eben jene der Deutschen Bahn.

Doch diese Zeiten sind nun schon bald vorbei. »Endlich taucht dort die Farbe Grün auf«, sagte er in einem Videocall Anfang der Woche, und verantwortlich für das bunte Bild vor seinem Bürofenster ist er höchstpersönlich. Ab dem 17. Juni verkehren die ersten grün gestrichenen Flixtrains aus der bayrischen Landeshauptstadt. Sie sollen über Augsburg, Würzburg, Aschaffenburg und Hanau nach Frankfurt fahren. »Wir sind stolz, dass nun auch unser Firmensitz Teil unseres Zugnetzes in Deutschland sein wird«, sagt der 39-jährige Unternehmer.

Wegen der Coronapandemie ruht der vor drei Jahren gestartete Flixtrain-Verkehr seit vergangenem November. Nur rund 40 der ursprünglich 400 Fernbusziele von Flixmobility werden derzeit bedient. Doch schon bald will Schwämmlein wieder durchstarten, vor allem auf Schienen. Ab Pfingsten sollen erste Strecken wieder aufgenommen werden, darunter die bislang bereits betriebene Verbindung zwischen Köln und Hamburg. Dann sollen die Flixtrain-Züge ab dem 27. Mai auch zwischen Hamburg, Berlin und Leipzig verkehren, und das sogar »in einer ähnlichen Zeit wie jene der Deutschen Bahn«, so Schwämmlein.

Auch nachts Züge zwischen München, Berlin und Hamburg

Ab dem 17. Juni dann folgen zunächst eine Nachtverbindung zwischen Hamburg, Berlin, München, sowie ab 18. Juni tagsüber zwischen München und Frankfurt. Der Newcomer der deutschen Verkehrswirtschaft, dessen Unternehmen neben Buslinien in Europa auch Zugverkehr in Schweden anbietet, zielt einerseits auf Autofahrer, die er zum Umsteigen bewegen will. »Wir sind ein zentraler Bestandteil der deutschen Verkehrswende«, sagt Schwämmlein.

Doch sein eigentlicher Konkurrent ist die Deutsche Bahn. Es habe »intensive Diskussionen« mit der für die Zugslots zuständigen Bahn-Tochter DB Netze bedurft, ehe man den Fahrplan in dem neuen deutschen Flixtrain-Netz aufstellen konnte. Das sei viel Papierkrieg gewesen, kein Vergleich zu Schweden, wo das dortige Netzunternehmen freie Zeiten im Netz online abrufbar bereithält, so Schwämmlein. Immerhin sei es Flixtrain gelungen, sich auf der Rallye-Strecke Berlin-Hamburg in den neuen, 30-minütigen Takt mit den eigenen Zügen einzuklinken.

Die Verbindungen werden auf der Bahn-Webseite und im DB-Navigator angezeigt. Nur buchen kann man sie dort immer noch nicht. Das wollte die EU-Kommission eigentlich im Rahmen beihilferechtlicher Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und der DB durchsetzen. Flixtrain hatte die Bahn dort sogar wegen angeblich wettbewerbswidrigen Verhaltens angezeigt.

Derzeit finden noch Gespräche zum Thema Milliardenhilfen statt, aktuell läuft es augenscheinlich auf eine Trassenpreissenkung hinaus, die als Branchenlösung bezeichnet wird. »Künftige Trassenpreissenkungen würden auch uns von FlixTrain helfen. Rückwirkende Trassenpreissenkungen helfen nur der Deutschen Bahn und wären damit eine massive Wettbewerbsverzerrung«, sagt Schwämmlein. Der DB-Navigator bleibt Flixtrain als Buchungstool weiter verwehrt.

Einen Sitzplatz für jedes Ticket

Doch mittelfristig bleibt es Schwämmleins Ziel, das Quasi-Monopol der Deutschen Bahn auf Fernstrecken zu brechen – und dann auch auf der DB-Navigator-App buchbar zu sein. Die künftige Bundesregierung, in der die Grünen vertreten sein könnten, könnte für mehr Wettbewerb auf dem deutschen Schienennetz sorgen, hofft er. »Wettbewerb ist der Schlüssel für ein gutes Angebot«, sagt Schwämmlein, der selbst Mitglied der Grünen ist.

Die Deutsche Bahn hat sich auf den im Sommer erwarteten Reiseboom, genauso wie auf die neue Konkurrenz eingestellt: Mitte Juni wird der auf 13 Waggons erweiterte XXL-ICE an den Start gehen. Damit soll mehr Platz und mehr Komfort geboten werden. In den Langzügen kommt auch ein neues WLAN-System zum Einsatz. Flixtrain-Boss Schwämmlein glaubt, da mithalten zu können. Die bislang eher spartanischen Waggons seien generalüberholt worden. Und noch einen Vorteil soll es haben, einen der neun erneuerten Flixtrains zu buchen: »Jedes Ticket hat einen garantierten Platz«, sagt Schwämmlein und verbindet diese Ansage mit einem weiteren Seitenhieb auf die Deutsche Bahn: »Dort hat doch jeder schon mal erlebt, wie er freitags auf dem Boden saß.«

Das, so verspricht er, werde es bei seinem Angebot nicht geben.

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