Florida Milliardenbetrüger bekennt sich schuldig

Das FBI hat den ehemaligen Star-Anwalt Scott Rothstein festgenommen. Er soll zahlreiche Investoren mit einem komplexen Pyramidensystem betrogen haben, der Schaden wird auf bis zu eine Milliarde Dollar geschätzt. Jetzt muss der Jurist selbst vor Gericht - als Angeklagter.

Anwalt Rothstein (links): Entsetzen in Miami
AP

Anwalt Rothstein (links): Entsetzen in Miami


Hamburg - Es ist gar nicht lange her, da bewegte sich Scott Rothstein als Star-Anwalt durch Floridas High Society. Er lebte verschwenderisch, flirtete mit Politikern und Stars. Laut FBI besitzt der 47-Jährige über 20 Luxusautos, eine Jacht und Anteile an einer Villa in Miami Beach, die früher dem Modedesigner Gianni Versace gehört hat.

Jetzt hat das Luxusleben des Edel-Advokaten ein jähes Ende genommen. Das FBI hat Rothstein festgenommen und vor Gericht gebracht. Zur ersten Anhörung erschien er ganz unglamourös in Jeans und T-Shirt - und in Handschellen. Während er in den Saal eskortiert wurde, lächelte er und winkte einem Reporter zu. Er plädierte auf "Nicht schuldig".

Doch das Lachen könnte ihm bald vergehen. Die Vorwürfe gegen Rothstein wiegen schwer: Bis zu 1,2 Milliarden Dollar soll er sich mit falschen Versprechen beschafft haben, schreibt der "Miami Herald". Zahlreiche Investoren habe er mit einem komplexen Pyramidensystem geprellt, hieß es am Dienstag aus Justizkreisen in Miami. Er habe ihnen hohe Gewinne aus Abfindungen versprochen.

Doch viele der Gerichtsprozesse, bei denen diese eingeklagt werden sollten, haben offenbar nie stattgefunden. Angebliche Gewinne hat Rothstein offenbar schlicht mit dem Geld neuer Investoren gezahlt. Um den Betrug fortsetzen zu können, soll er haufenweise Prozessdokumente gefälscht haben -

inklusive den Unterschriften von Richtern.Das Strickmuster ist bekannt: Es wird auch Ponzi-Schema genannt. Der frühere Starinvestor Bernard Madoff hatte sich so das Geld von Anlegern erschlichen - und wurde dafür im Juni zu 150 Jahren Haft verurteilt.

Neben Anlegerbetrug soll Rothstein sich laut einem Bericht der TV-Senders CNBC noch weiterer Vergehen schuldig gemacht haben. Unter anderem habe er gegen das sogenannte Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Law (RICO) verstoßen, das oft auch bei Verbrechen der Mafia greift. Zudem würden ihm Geldwäsche und verschwörerische Aktivitäten vorgeworfen.

Anleger in Florida sind wegen des Betrugsskandal seit Wochen in heller Aufregung. Zu den geschädigten gehören neben wohlhabenden Bürgern auch gemeinnützige Organisationen.

Trinkgelder für Polizisten?

Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgehe, drohen Rothstein bis zu 100 Jahre Gefängnis, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich schuldig bekenne, sei hoch - einige Dokumente, die die Ankläger eingereicht hätten, würden gemeinhin verwendet, wenn der Beschuldigte sich bereits zu seinen Taten bekannt hätte. Rothsteins Anwalt Marc Nurick wollte den Vorgang nicht weiter kommentieren.

In den Gerichtsunterlagen wird laut AP erwähnt, dass Rothstein Komplizen hatte, die Schlüsselfunktionen bei den mutmaßlichen Betrugsaktionen eingenommen haben sollen. Zudem habe Rothstein "Trinkgelder" an nicht näher identifizierte Polizisten bezahlt.

Der Angeklagte soll nun einem Richter in Fort Lauderdale bei Miami vorgeführt werden. Das FBI sei dem Investor seit mehreren Wochen auf der Spur gewesen. Ende Oktober war Rothstein laut CNBC nach Marokko geflüchtet, Anfang November aber nach Florida zurückgekehrt. Die Polizei erwartet jetzt eines der größten Betrugsverfahren der US-Geschichte. Seine Anwaltslizenz ist Rothstein inzwischen entzogen worden.

ssu



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