Umfrage Wie Dax-Konzerne Flüchtlingen helfen - und an ihnen verdienen

Top-Manager und Wirtschaftsverbände werben für die Integration von Flüchtlingen - doch folgen den Worten auch Taten? Eine Umfrage unter den Dax-Unternehmen zeigt: Das Engagement der Konzerne ist höchst unterschiedlich.
Von Claus Gorgs
Flüchtlinge in Deutschland: Ihr Schicksal hat auch unter den 30 Dax-Konzernen große Hilfsbereitschaft ausgelöst

Flüchtlinge in Deutschland: Ihr Schicksal hat auch unter den 30 Dax-Konzernen große Hilfsbereitschaft ausgelöst

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Die Massenflucht von Asylsuchenden nach Deutschland hat in der deutschen Wirtschaft große Hilfsbereitschaft ausgelöst. manager magazin online hat die 30 Dax-Konzerne befragt. Das Ergebnis: 23 von ihnen engagieren sich bereits aktiv in der humanitären Hilfe für Flüchtlinge. Drei weitere bereiten Hilfen vor.

Lediglich drei Unternehmen gaben an, keinen aktiven Beitrag zur Linderung der Not der Flüchtlinge zu leisten. Der Dax-Konzern Siemens ließ die Fragen unbeantwortet.

Hier finden Sie das vollständige Ergebnis der Umfrage: Wie steht jedes einzelne Unternehmen zur Flüchtlingsfrage, wer hilft und in welchem Umfang? Politiker streiten derzeit darüber, ob die Wirtschaft sich angemessen an den Kosten der Flüchtlingswelle beteiligt. Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, schlägt einen "Deutschlandfonds für Integration" vor, in den die Wirtschaft 500 Millionen Euro einzahlen soll. Unionspolitiker weisen diese Forderung als ungerechtfertigt zurück.

Tatsächlich klaffen die freiwilligen Leistungen der befragten Konzerne weit auseinander. Daimler zum Beispiel hat unter anderem einen Millionenbetrag gespendet. Bayer stellt Mitarbeiter bei voller Bezahlung bis zu acht Tage von der Arbeit frei, wenn sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. E.on stellt den Kommunen leerstehende Gebäude als Flüchtlingsunterkünfte mietfrei für fünf Jahre zur Verfügung.

Andere Dax-Konzerne tun dagegen trotz guter Geschäftslage und Rekordgewinnen nichts. Und manches Unternehmen - wie der kürzlich in den Dax aufgestiegene Wohnungsbaukonzern Vonovia - verdient sogar an der Not der Flüchtlinge, indem es Grundstücke oder Wohnungen zur Unterbringung der Menschen an die Kommunen vermietet.

Weitgehend einig sind sich Deutschlands Großunternehmen darüber, dass die überwiegend jungen Zuwanderer für die Wirtschaft eine große Chance bieten, dem drohenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Daimler-Chef Dieter Zetsche hält dank des großen Zustroms an Arbeitskräften sogar ein zweites Wirtschaftswunder für möglich.

Die große Mehrheit der Konzerne würde es begrüßen, wenn die Beschäftigung von Flüchtlingen erleichtert würde. 20 der 30 Dax-Unternehmen haben der Umfrage zufolge spezielle Ausbildungs- und Einstellungsprogramme für Zuwanderer aufgelegt oder planen dies.