Mehr Unabhängigkeit von russischem Gas Wirtschaftsministerium verkündet Betreiber für Flüssiggasterminal

Flüssiggas soll Deutschland aus der russischen Abhängigkeit helfen. Nun hat die Regierung einem Bericht zufolge die Betreiber eines Terminals in Lubmin veröffentlicht: Auch der deutsche Energiekonzern RWE ist beteiligt.
RWE Konzernzentrale in Essen

RWE Konzernzentrale in Essen

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Das vom Bund geplante Flüssiggasterminal vor Lubmin bei Greifswald soll vom deutschen Energiekonzern RWE und der norwegischen Stena-Power betrieben werden. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, zuvor hatte der Norddeutsche Rundfunk  darüber berichtet. Die Inbetriebnahme ist frühestens Ende 2023 vorgesehen.

Im Norden sollen nach dem Willen der Bundesregierung vier LNG-Terminals entstehen, um unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden. Eines soll zum Jahreswechsel in Brunsbüttel in Betrieb gehen. Zwei weitere Anlande- und Umwandlungsstellen, die Flüssigerdgas von Tankern aufnehmen und gasförmig machen, sind in Stade und Wilhelmshaven vorgesehen.

In Lubmin soll es nach den Planungen letztlich zwei Terminals für Flüssiggas geben. Ein erstes, privates Terminal der Firma Regas soll am 1. Dezember 2022 den Betrieb aufnehmen. Das Unternehmen will jährlich 4,5 Milliarden Kubikmeter von Tankern angeliefertes Erdgas in das deutsche Netz einspeisen.

Geringe Wassertiefe in der Ostsee wird zur Herausforderung

Dazu will das Unternehmen ein sogenanntes Regasifizierungsschiff im Industriehafen Lubmin stationieren und dort das Flüssig- in Erdgas umwandeln. Vom Liegeplatz seien es nur 450 Meter bis zum Fernnetz mit den Leitungen Eugal und Nel, so das Unternehmen.

Eine Herausforderung für die Terminals vor Lubmin ist die geringe Wassertiefe der Ostsee. Die LNG-Tanker sollen deshalb vor dem Greifswalder Bodden ankern. Dort wird das LNG den Regas-Plänen zufolge in kleinere Tanker umgeladen und nach Lubmin gebracht. Drei Shuttleschiffe seien dafür vorgesehen. Umweltbeeinträchtigungen gebe es den Angaben zufolge praktisch keine, da unter anderem die bestehende Infrastruktur genutzt würde.

Vergangene Woche hatte RWE dank guter Geschäfte seine Gewinnerwartung für das laufende Jahr kräftig anheben können. Grund dafür sei »ein außerordentlich gutes Ergebnis« im Segment Wasser/Biomasse/Gas sowie im Unternehmensbereich Energiehandel »aufgrund einer starken operativen Performance«.

Sollte sich die während der Krise deutlich gestiegene Gewinnerwartung realisieren, könnte der Konzern in die Kategorie der Unternehmen fallen, die Teile der Bundesregierung in eine Übergewinnsteuer einbeziehen wollen. Die Sondersteuer wird diskutiert, weil besonders Energieunternehmen von den hohen Preisen durch den Ukrainekrieg profitieren.

Für Kanzler Olaf Scholz (SPD) ist eine solche Abgabe einem Sprecher zufolge derzeit aber kein Thema. »Aus Sicht des Kanzlers ist eine Übergewinnsteuer derzeit nicht vorgesehen«, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner in Berlin. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war die alte Konzernzentrale von RWE zu sehen. Wir haben den Fehler korrigiert.

ani/dpa
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