Gewerkschaft UFO Flugbegleiter dürfen streiken - Lufthansa scheitert mit Berufung

Mit einer Berufung hat die Lufthansa versucht, den für Donnerstag und Freitag angekündigten Streik ihrer Flugbegleiter noch zu verhindern. Doch das zuständige Gericht stellt sich auf die Seite der Gewerkschaft UFO.

Streikende Flugbegleiter der UFO (Archivbild von 2016)
Oliver Berg / DPA

Streikende Flugbegleiter der UFO (Archivbild von 2016)


Die Flugbegleiter der Lufthansa dürfen wie angekündigt an diesem Donnerstag und Freitag landesweit streiken. Das hessische Landesarbeitsgericht lehnte es ab, den Arbeitskampf der Gewerkschaft UFO mit einer einstweiligen Verfügung zu stoppen. Zuvor hatte bereits das Arbeitsgericht Frankfurt in erster Instanz gegen die Lufthansa entschieden.

Das Unternehmen hat wegen des angekündigten 48-Stunden-Streiks für Donnerstag und Freitag insgesamt 1300 Flüge mit 180.000 betroffenen Passagieren abgesagt. An deutschen Flughäfen ist ein Großteil der Starts mit LH-Flugnummern annulliert, darunter auch zahlreiche Interkontinentalverbindungen von den beiden Drehkreuzen Frankfurt und München.

Die Gewerkschaft UFO hat bislang nur zu einem Streik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft aufgerufen, die laut Konzern an den beiden Tagen jeweils rund 1100 Flüge weltweit absolvieren sollte. Abgesagt wurden nun 700 Flüge am Donnerstag und 600 am Freitag.

Was Lufthansa-Passagiere jetzt wissen müssen, lesen Sie hier.

UFO behält sich außerdem vor, die Arbeitskampfwelle auf die Lufthansa-Töchter Eurowings und Sunexpress auszuweiten. Die Gewerkschaft fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie besseren Zugang für Saisonkräfte zu regulären Anstellungsverhältnissen.

In dem Konflikt geht es aber hauptsächlich um die von der Lufthansa aufgeworfene Frage, ob UFO überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen darf. Nach einem internen Streit ist bei UFO ein neuer Vorstand im Amt, den die Mitgliederversammlung im Amt bestätigte. Die Lufthansa ist dagegen der Ansicht, der nur noch aus zwei Personen bestehende Vorstand sei nicht vertretungsberechtigt. Unterdessen prüft das Unternehmen die Aufnahme von Tarifverhandlungen für das Kabinenpersonal mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di.

kko/dpa/Reuters

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dermartinbarth 06.11.2019
1. schon wieder?
Das Recht auf Streik ist grundgesetzlich garantiert und sollte nicht angetastet werden. Die Frage ist, ob die Gewerkschaften im Flugbereich das Augenmaß verloren haben
hjw99 06.11.2019
2. ...ach ja, die Lufthansa...
...wollte schon in den Neunziger Jahren, als ich noch im Bordbetrieb gearbeitet habe, die UFO nicht als Gewerkschaft anerkennen (obwohl UFO schon damals viele tausend Mitglieder hatte). Schon damals wollte man nur mit (willfährigen) Verdi-Leuten verhandeln. Vor Verdi gab's DAG und ÖTV, das war ganz gruselig... Denn deren Funktionsträger innerhalb der Firma - von LH zumeist ordentlich mit Goodies versehen - drehten ihr ganz eigenes Ding, völlig losgelöst von den Vorstellungen, Wünschen und Forderungen des Bordpersonals. Die Piloten hatten schon sehr viel früher erkannt, dass nur eine echte Spartengewerkschaft (VC) ihre Interessen gegenüber dem Konzern durchsetzt. Hoch leben die Spartengewerkschaften, hoch lebe UFO !
DerBlicker 06.11.2019
3. Sicher
Zitat von hjw99...wollte schon in den Neunziger Jahren, als ich noch im Bordbetrieb gearbeitet habe, die UFO nicht als Gewerkschaft anerkennen (obwohl UFO schon damals viele tausend Mitglieder hatte). Schon damals wollte man nur mit (willfährigen) Verdi-Leuten verhandeln. Vor Verdi gab's DAG und ÖTV, das war ganz gruselig... Denn deren Funktionsträger innerhalb der Firma - von LH zumeist ordentlich mit Goodies versehen - drehten ihr ganz eigenes Ding, völlig losgelöst von den Vorstellungen, Wünschen und Forderungen des Bordpersonals. Die Piloten hatten schon sehr viel früher erkannt, dass nur eine echte Spartengewerkschaft (VC) ihre Interessen gegenüber dem Konzern durchsetzt. Hoch leben die Spartengewerkschaften, hoch lebe UFO !
Deshalb hat UFO auch die Hälfte seiner Mitglieder verloren, von 13 000 auf 7000. Erfolg sieht anders aus.
Gluehweintrinker 06.11.2019
4. Zweimal streiken in 70 Jahren = Augenmaß verloren?
Zitat von dermartinbarthDas Recht auf Streik ist grundgesetzlich garantiert und sollte nicht angetastet werden. Die Frage ist, ob die Gewerkschaften im Flugbereich das Augenmaß verloren haben
Sie bringen offenbar einiges durcheinander. Ja, der Flugbetrieb wurde bereits häufig gestört oder teilweise zum Erliegen gebracht. Piloten, Fluglotsen, Bodendienste - ja und? es hat sich offenbar der Eindruck manifestiert, man könne fliegen wie man früher die Straßenbahn nahm, für 'n Appel und'n Ei, und dass man, weil ja alles so hübsch billig sei, die Mitarbeiter mit Hungerlöhnen abspeisen. Und nun sind wir dran, mal wieder. Erhöhung der Purserzulage? Seit Jahrzehnten nichts passiert. Die aktuelle Spesentabelle datiert vom Juni 2011. In welchem Job lässt man sich das bieten? Und weil den meisten Foristen hier nichts anderes mehr einfällt, beginnt die bekannte Herabwürdigungs- und Beleidigungsorgie à la Saftschubse, Hilfskräfte, Ende der Nahrungskette und sonstige Unflätigkeiten. Wer verliert hier das "Augenmaß", wenn man für 50 EUR und leider noch viel weniger kreuz und quer durch Europa fliegen kann? Es wird höchste Zeit, dass bei einigen die Maßstäbe wieder zurecht gerückt werden. Sorry, ich muss mich jetzt um meinen Streiktag kümmern. Das Transparent ist noch nicht ganz fertig, die Holzlatte muss noch drangenagelt werden und meine Uniform soll morgen besonders hübsch aussehen. Alles für meine Kunden, die meinen, dass Fliegerei heute ein zu verramschendes Billigprodukt sei. Übrigens: die Pilotenschaft hat sich in weiten Teilen bereits solidarisch erklärt *lg*
zabong111 06.11.2019
5. Für die Chefs 33 % mehr - für das Volk 3 %
Es kann doch nicht sein das sich in Deutschland der sowieso schon gut alimentierte Bahn-.Vorstand 33 % mehr Gehalt genehmigt und einfache Angestellte mit 3 bis 4 % durchschnittlich abgespeist werden. Natürlich dürfen Flug-Begleiter nicht streiken - sie sollen gefälligst Ihren Job tuen - der Vorstand auch bei Lufthansa muß mehr als ordentlich möglichst Lichtjahre weit weg vom Flugbegleiter bezahlt werden. Jeder noch so kleine Streik gefährdet - das der Vorstand zukünftig nicht mehr genug Gehalt bekommt. Liebe Flugbegleiter streikt gefälligst nicht und macht brav euren Job und denkt bloß nicht an Euch und Eure eigene Perspektive. Seid brav und loyal und denkt bloß nicht an Euch selbst - Egoisten sind nicht gern gesehen - lacht.
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