Flugbereitschaft Regierungsflieger bekommen VIP-Ausstattung für fast hundert Millionen Euro

Verspätungen und Ausfälle schaden Deutschlands Ansehen "nachhaltig". So begründet das Verteidigungsministerium nach der Pannenserie bei der Flugbereitschaft die Anschaffung dreier neuer A350 - inklusive teurer VIP-Kabinen.

Maschine der Flugbereitschaft in Berlin
Bernd von Jutrczenka/ DPA

Maschine der Flugbereitschaft in Berlin

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Die von einer Pannenserie gebeutelte Flugbereitschaft der Bundesregierung soll drei fabrikneue Langstreckenflugzeuge vom Typ Airbus A350-900 bekommen. Das geht aus einer Vorlage des Bundesfinanzministeriums für den Haushaltsausschuss hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Einen ersten Vertrag mit Lufthansa Technik will das Bundesverteidigungsministerium demnach schon bis zum 15. April abschließen, insgesamt geht es um 1,2 Milliarden Euro.

Die Neuanschaffung wird ausdrücklich mit den technischen Problemen der vergangenen Monate begründet: "Abwesenheiten bzw. verspätete Anreisen schaden dem Staatsinteresse und dem Ansehen der Bundesrepublik Deutschland nachhaltig", heißt es. "Die Funktionsfähigkeit der Bundesregierung, insbesondere deren Arbeitsfähigkeit, gründet ganz wesentlich auf der Fähigkeit zur weltweiten Mobilität."

Wegen Problemen an einem Airbus A340 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel im November einen Großteil des G20-Gipfels in Buenos Aires verpasst. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Außenminister Heiko Maas und Entwicklungsminister Gerd Müller waren von Verzögerungen betroffen.

Weil die Pannen erst nach der Planung des Haushalts für 2019 aufgetreten seien, meldet das Verteidigungsministerium jetzt eine außerplanmäßige Ausgabe von bis zu 280 Millionen Euro an. Insgesamt sollen die drei Flugzeuge 640 Millionen Euro kosten.

Hinzu kommen teure Spezialausstattungen der Maschinen. So kosten allein die sogenannten VIP-Kabinen für die reisenden Regierungsmitglieder 288 Millionen Euro - also pro Maschine fast hundert Millionen Euro. Hinzu kommen unter anderem Ersatzteile und Werkzeuge für den Betrieb sowie der Einbau von Selbstschutzsystemen (LAIRCM) für 229 Millionen. Insgesamt beläuft sich der Finanzbedarf bis 2026 damit auf rund 1,2 Milliarden Euro.

" Zu 100 Prozent ausgelastet"

Derzeit ächzt die Flugbereitschaft mit ihren Maschinen unter den vielen Flugwünschen der Bundesregierung. Um peinliche Pannen wie beim Argentinien-Flug der Kanzlerin zu vermeiden, hält die Luftwaffe für Angela Merkel nun immer eine einsatzklare Ersatzmaschine bereit. Andere, weniger wichtige Minister müssen deswegen immer häufiger Linie fliegen.

Ein interner Lagebericht der Bundeswehr fasst die Situation am Beispiel der letzten Woche ganz gut zusammen. Gleich zu Beginn heißt es in dem Papier, die Flotte sei "zu 100 Prozent ausgelastet", da die Kanzlerin nach Dublin, der Bundespräsident nach Sofia und Außenminister Heiko Maas in den USA unterwegs waren. Anderen Bedarfsträgern - so nennt die Luftwaffe die zum Flug berechtigten Personen - wurde deswegen frühzeitig signalisiert, dass sie Linienmaschinen nutzen müssen.

Mit den neuen Jets hofft die Luftwaffe, endlich wieder aus den Negativschlagzeilen herauszukommen. Zum einen, so die Linie der Truppe, seien die A350er fabrikneu und nicht wie die bisher eingesetzten A340 schon gut 20 Jahre alt. Zudem wird die Luftwaffe mit drei Maschinen über 50 Prozent mehr Langstreckenflieger verfügen, das soll die Belastung der Flotte verringern.

Zwei der neuen Maschinen sollen die beiden derzeit genutzten A340-300 ersetzen. Ein weiteres Flugzeug ist zur "Ergänzung der Langstreckenkapazität" eingeplant. Wegen Wartungsarbeiten war zuletzt häufig nur eine der A340-Maschinen verfügbar gewesen. Künftig will man der Vorlage zufolge "gesichert, ganzjährig und flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren" können. Dafür sei es auch unabdingbar, künftig nur noch Maschinen eines Typs zu fliegen.

planestream: Dokumentation über den Airbus A350

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Das Tempo bei der Bestellung der Maschinen begründet das Verteidigungsministerium auch mit einem knappen Angebot. Flugzeuge dieses Typs und mit entsprechender Sonderausstattung seien "in den nächsten Jahren sehr limitiert verfügbar". Nun habe sich aber bei Airbus "die kurzfristige und unerwartete Möglichkeit zu Beschaffung" ergeben.

Einsatzbereit sollen die neuen Maschinen im Juni 2020 sein. Im Monat darauf übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft - und kann weitere Pannen besonders schlecht gebrauchen.

insgesamt 191 Beiträge
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ollifast 09.04.2019
1. Ja hoffentlich
Sollen sie das Geld ruhig ausgeben, die Auftritte der Flugbereitschaft waren in letzter Zeit für eine Nation in der Größenordnung Deutschlands derart beschämend und peinlich, dass ein negativer Werbeeffekt für "Made in Germany" nicht mehr auszuschließen ist. Das Geld kommt schnell wieder rein. Nur wollen wir danach nicht mehr lesen, dass irgendein deutscher Minister mal wieder in Afrika festsitzt, weil der Flieger streikt.
Walther Kempinski 09.04.2019
2. Künstliches Aufregerthema
Und jetzt sollen wir wieder schäumen vor Wut auf "die da oben"??? Es ist Fakt, dass die bisherhigen Regierungsflieger uralt sind und wir eigentlich dankbar sein sollten, dass die Bundesregierung diese Dinger bis zum bitteren Ende fliegt. Andere Staatschefs lassen sich milliardenteure Flieger schenken oder kaufen sich entsprechend teure Flieger aus der Staatskasse (inklusive Raketenabwehr, Schleudersitz und weiß der Geier noch was). Deutschland ist auch deswegen so erfolgreich, weil bei uns "die da oben", wenn überhaupt, sich die Taschen oder das Leben nur sehr moderat polstern.
foerster.chriss 09.04.2019
3.
Besonders preisgünstig wären A380 Maschinen verfügbar gewesen. Okay, sind auch schon fünf bis zehn Jahre alt, aber zuverlässig. Wer mit den Treibstoffkosten kommt, sollt auch bedenken, dass die Produktion ebenfalls nicht klimagünstig erfolgt.
khwherrsching 09.04.2019
4. Es ist ja genug Geld da,
das mit vollen Händen ausgegeben werden kann. Die Damen und Herren in Berlin sollten sich ein Beispiel an dem österreichischen Bundeskanzler Kurz nehmen, der grundsätzlich nur Linie fliegt, überall ankommt und das sogar pünktlich.
kommentator24de 09.04.2019
5. Buuuuuh
Da kann man eigentlich nur "Buuuuh" rufen. Natürlich ist eine Regierung wichtig. Und die Regierung eines wichtigen Landes, was sich auch ganz wichtig nimmt, ist natürlich ganz ganz ganz besonders wichtig. Aber Hallo ... wäre nicht einfach mal "mit gutem Beispiel voran gehen" angesagt? CO2-Verbrauch? Vollkommen egal. Paar Millionen für sinnvollere Sachen als Individualfliegerei rausblasen? Einfach mal per Videokonferenz irgendwo dabei sein? Kommentator24de meint: da schlägt mal wieder die Selbstbedienungsmentalität voll durch.
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