Pannenserie Air Berlin verklagt Flughafenbetreiber

Eine gütliche Einigung ist gescheitert: Air Berlin verklagt die Betreiber des Berliner Pannen-Flughafens auf Schadensersatz. Wegen der verschobenen Eröffnung macht die Fluggesellschaft Belastungen in Millionenhöhe geltend.
Flughafen Berlin-Brandenburg: Ärger wegen des verschobenen Eröffnungstermins

Flughafen Berlin-Brandenburg: Ärger wegen des verschobenen Eröffnungstermins

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Berlin - Auf die Betreibergesellschaft des Großflughafens Berlin-Brandenburg kommen hohe Forderungen zu. Air Berlin klagt nach der geplatzten Eröffnung des Hauptstadt-Airports gegen die Flughafengesellschaft. "Wir haben entschieden, unseren Anspruch auf Schadensersatz auf dem Rechtsweg geltend zu machen", erklärte Airline-Chef Hartmut Mehdorn am Dienstag.

Air Berlin habe beim Landgericht Potsdam eine Feststellungsklage gegen die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH eingereicht. Versuche einer außergerichtlichen Einigung seien in den vergangenen Monaten gescheitert, sagte Mehdorn. Auch intensive Gespräche mit dem Flughafen hätten zu keiner für beide Seiten akzeptablen Lösung geführt.

Durch die wiederholte Verschiebung des Eröffnungstermins seien bereits geschätzte Mehrkosten und sonstige Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft mit. Weitere Lasten könnten hinzukommen. Im Einzelnen könnten die Schäden noch nicht vollständig beziffert werden, hieß es. Der Gesamtschaden hänge unter anderem vom Winterbetrieb auf dem alten Flughafen Tegel ab.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat inzwischen einen Untersuchungsausschuss eingerichtet, der klären soll, wie es zum Desaster beim Bau des Flughafens kam. Die Kosten für das Projekt waren ursprünglich auf 2,8 Milliarden kalkuliert worden, inzwischen liegen sie bei 4,3 Milliarden Euro.

Wegen der nicht funktionierenden Brandschutzanlage konnte der Flughafen nicht wie geplant am 3. Juni seinen Betrieb aufnehmen. Mehrfach wurde die Eröffnung verschoben. Geplanter Eröffnungstermin ist jetzt der 27. Oktober 2013. Auch über die Entlassung des Chefs der Berliner Flughafengesellschaft war diskutiert worden. Bisher konnte Rainer Schwarz aber im Amt bleiben.

Air Berlin kämpft mit Verlusten

Für Air Berlin kommen die Probleme am Hauptstadtflughafen zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, denn die Airline kämpft mit Problemen. Mehdorn versucht das Unternehmen nach jahrelangen Verlusten gesundzuschrumpfen. Mit der Streichung unrentabler Verbindungen geht auch eine Verkleinerung der Flotte einher. Einen operativen Gewinn erwartet das Management nach jüngsten Aussagen erst im kommenden Jahr.

Immerhin konnte Air Berlin im Oktober eine bessere Auslastung der Flugzeuge vermelden. Sie verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,3 Prozentpunkte auf 81 Prozent. Die Zahl der Passagiere ging durch die Verkleinerung des Flugangebots allerdings um fünf Prozent auf 3,2 Millionen zurück.

Auch der Deutschen Bahn entstanden Mehrkosten

Auch der Deutschen Bahn sind durch die verschobene Flughafeneröffnung in Berlin nach eigenen Angaben hohe Kosten entstanden. Der Logistikkonzern hat eine Strecke zum unterirdischen Bahnhof des neuen Flughafens gebaut. Die verschobene Eröffnung hat die Bahn nach eigenen Angaben bis Ende Oktober etwa 34 Millionen Euro gekostet. Jeden Monat kämen zwei Millionen Euro hinzu, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag. Über mögliche juristische Schritte gegen die Flughafengesellschaft habe das Unternehmen noch nicht entschieden. Bahnchef Rüdiger Grube hatte vor wenigen Tagen gesagt, das Unternehmen wolle "nicht auf den Kosten sitzenbleiben".

mmq/dpa/Reuters
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