Hauptstadtflughafen BER könnte noch mehrere Jahre Finanzhilfe brauchen

Gerade erst hat die Betreibergesellschaft eine Ausweitung ihrer Verluste angekündigt, schon spricht der Flughafenchef des BER vorsichtig von einem möglichen Mehrbedarf. Schuld sei die Coronavirus-Pandemie.
Der BER Ende April: "Wir werden auch in 2021, 22, 23 möglicherweise noch Unterstützung benötigen"

Der BER Ende April: "Wir werden auch in 2021, 22, 23 möglicherweise noch Unterstützung benötigen"

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Michael Kappeler/ dpa

Wegen der Coronavirus-Pandemie sind die Passagierzahlen an Flughäfen weltweit eingebrochen - das belastet auch den neuen Hauptstadtflughafen BER, der Ende Oktober in Betrieb gehen soll. Er könnte noch länger auf Zuschüsse angewiesen sein: "Wir werden auch in 2021, 22, 23 möglicherweise noch Unterstützung benötigen", sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Sonderausschuss des Brandenburger Landtags. Es werde längere Zeit dauern, bis die Passagierzahlen wieder so seien wie vor der Krise.

Eigentümer des Flughafens sind Berlin, Brandenburg und der Bund. Für dieses Jahr hatten die Betreiber die Finanzlücke im laufenden Geschäft an den Bestandsflughäfen Schönefeld und Tegel auf bis zu 300 Millionen Euro beziffert.

Im Herbst wolle der Aufsichtsrat über die Zeit nach 2020 beraten, sagte Lütke Daldrup. Tegel soll nach aktuellem Stand spätestens im November schließen, Schönefeld Teil des neuen Flughafens am selben Standort werden.

Mit der Nutzungsfreigabe der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald darf der BER nach 14 Jahren Bauzeit im Herbst eröffnen. Als Starttermin ist der 31. Oktober dieses Jahres vorgesehen. Zuvor hatte bereits der TÜV letzte Prüfbescheinigungen ausgestellt.

Betreiber kommen offenbar nicht an Kredite

Baumängel, Planungsfehler und verschobene Eröffnungstermine hatten die Kosten für den Hauptstadtflughafen in die Höhe getrieben. Der Finanzrahmen liegt aktuell bei 6,5 Milliarden Euro, gut drei Mal so hoch wie beim Baustart 2006 angegeben. Erst ab 2025 rechnet das Unternehmen mit Gewinn, vorher kann es dementsprechend wohl keine Schulden zurückzahlen.

Auch ohne Coronakrise klafft nach Unternehmensangaben im Businessplan der kommenden vier Jahre noch eine Lücke von 792 Millionen Euro. Ursprünglich hieß es, dieses Geld werde für den Ausbau des Flughafens nach der Eröffnung gebraucht. Nun sollen damit vor allem Rechnungen für den BER bezahlt werden.

Einen Teil der Lücke wollten die Betreiber eigentlich mit unverbürgten Krediten in Höhe von 400 Millionen Euro füllen. Doch das Unternehmen hat offenbar Probleme, in der aktuellen Situation an Kredite zu kommen. Am Montag hieß es: "Zurzeit werden wir sie nicht bekommen." Die Verwerfungen an den Finanzmärkten seien extrem.

kko/dpa
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